Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Ministerium, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Ministeriums · Nominativ Plural: Ministerien
Aussprache  [minɪsˈteːʀi̯ʊm]
Worttrennung Mi-nis-te-ri-um
formal verwandt mitMinister
Herkunft aus gleichbedeutend ministèrefrz
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
höchste staatliche Behörde auf Landes- oder nationaler Ebene, die meist einem bestimmten Fachbereich zugeordnet ist und deren Leiter dem Kabinett (1) angehört
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: das hessische, niedersächsische, Bonner, gesamtdeutsche, SPD-geführte Ministerium
mit Genitivattribut: das Ministerium des Innern, der Justiz, der Finanzen
hat Präpositionalgruppe/-objekt: das Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur, Umwelt, Landwirtschaft, Verteidigung, Arbeit; das Ministerium für Staatssicherheit, Handel, Außenhandel
als Akkusativobjekt: ein Ministerium übernehmen, leiten, abschaffen
als Dativobjekt: einem Ministerium unterstehen, unterstellt, zugeordnet sein
als Genitivattribut: ein Sprecher, eine Mitteilung, die Antwort des Ministeriums
in Koordination: Ministerien und Bundesbehörden, Kanzleramt, Behörden, Dienststellen
in Präpositionalgruppe/-objekt: ein Staatssekretär, Abteilungsleiter, Beamter im Ministerium
Beispiele:
Gemeinsam mit dem Koalitionsvertrag wird auch publik gemacht, wie die Ministerien zugeschnitten sein und welche Parteien welche Ministerien besetzen werden. [Döbelner Allgemeine Zeitung, 22.11.2021]
Das Landesverwaltungsamt ist obere und das Ministerium oberste Behörde. [Thüringer Allgemeine, 05.12.2020]
Bereits in den ersten 100 Tagen wurden mit der Umorganisation der Landesverwaltung große organisatorische Aufgaben bewältigt. Wir haben dabei Wort gehalten und wie angekündigt die Anzahl der Ministerien um zwei reduziert und pro Ministerium nur noch einen Staatssekretär berufen. [Saarbrücker Zeitung, 08.08.2012]
Der ehemalige Armeechef und Verteidigungsminister Mofas wird stellvertretender Ministerpräsident und bekommt obendrein ein Ministerium ohne Geschäftsbereich zugeteilt, die weiteren 27 Kadima‑Abgeordneten gehen leer aus. [Die Welt, 09.05.2012]
Der Ministerrat faßte auf Grund der vorgetragenen Tatsachen den Beschluß über Maßnahmen zur Abwehr von Sabotage und beschloß außerdem, der Volkskammer einen Gesetzentwurf über die Bildung des Ministeriums für Staatssicherheit vorzulegen. [Berliner Zeitung, 27.01.1950]
Im weiteren Verlauf der Tagung wird die sogenannte Sekundärbahnvorlage, die jetzt im Ministerium für öffentliche Arbeiten vorbereitet wird, dem Abgeordnetenhause zugehen. [Berliner Tageblatt (Abend-Ausgabe), 02.02.1903]
metonymisch (hauptsächliches) Dienstgebäude eines Ministeriums (1)
Beispiele:
Die Kommission will […] die Mitgliedstaaten verpflichten, pro Jahr rund drei Prozent der öffentlichen Gebäude zu sanieren – also Rathäuser, Ministerien, Schulen, Krankenhäuser und so weiter, eben alles, was im Besitz der öffentlichen Hand ist. [Fränkischer Tag, 15.07.2021]
Rund 200 Syrer demonstrierten Ende November 2021 vor dem Ministerium von Innenminister Klaus Bouillon (CDU) in der Saarbrücker Franz‑Josef‑Röder‑Straße. [Saarbrücker Zeitung, 06.01.2022]
Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung wird neben dem Ministerium am Odeonsplatz ein Straßenschild mit der Aufschrift »Franz‑Xaver‑Schweyer‑Straße« enthüllt. [Münchner Merkur, 20.09.2021]
Fernseh‑Teams positionierten sich vor dem Ministerium und wieder gab es solche Fragen: Kann Scholz als Bundesfinanzminister etwas gewusst haben? [Frankfurter Rundschau, 10.09.2021]
Das Dachstudio auf dem Ministerium soll zu einer Plattform werden, auf der sich Kunst und Außenpolitik begegnen. [Fränkischer Tag, 13.02.2021]
Sämmtliche [sic!] Straßen, die nach den Kammern, den Ministerien, dem Palast des Königs führen, wurden von Polizei und Truppen bewacht. [Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 12.02.1902]
2.
veraltet Gesamtheit der Minister eines Landes
Synonym zu Kabinett (1)
Beispiele:
»Paschitsch bildet ein neues Ministerium« … man konnte die Zeitung aufschlagen, wann immer man wollte –: stets bildete der alte Paschitsch ein neues Ministerium. [Tucholsky, Kurt: Die Tabellenzeitung. In: ders.: Kurt Tucholsky, Werke – Briefe – Materialien. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1929], S. 7013]
In Uruguay hat nach Ablauf der vierjährigen Amtsperiode des bisherigen Präsidenten Battle y Ordonnez die Wahl des neuen Präsidenten stattgefunden. Gewählt wurde, wie uns die hiesige Gesandtschaft von Uruguay mitteilt, der bisherige Minister des Innern Feliciano Viera. Er hat folgendes Ministerium gebildet: Inneres: Baltasar Brum; Auswärtige Angelegenheiten: Manuel Otero; Finanzen: Pedro Cosio; Unterricht: José Espalter; Oeffentliche Arbeiten: Juan Carlos Blanco; Industrie: Juan José Amesaga; Krieg: General Bazzano. [Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 05.03.1915]
Aufsehen erregte hier die Meldung einiger Abendblätter, Ministerpräsident Sturdza hätte die Demission des Ministeriums eingereicht. [Berliner Tageblatt (Montags-Ausgabe), 10.02.1902]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Minister · Ministerium · ministeriell · ministrieren · Ministrant
Minister m. ‘hoher staatlicher Verwaltungsangestellter, Mitglied einer Regierung und Staatsmann, Leiter eines Ministeriums’, entlehnt (17. Jh.) aus gleichbed. frz. ministre (afrz. menistre, ministre ‘Diener, Gottesdiener, Verwalter, Leiter’). Dieses ist seinerseits Übernahme von lat. minister ‘Untergebener, Diener’, ursprünglich *minusteros, einer Bildung mit dem Komparativsuffix ie. -tero- zur neutralen Komparativform minus von lat. minor ‘kleiner, geringer’, Komparativ zu lat. parvus ‘klein, gering’ (s. minus). Diese Formwird umgestaltet zu *ministeros, später minister, nach dem Vorbild des gleichfalls einen doppelten Komparativ aufweisenden lat. magister, älter *magisteros (s. Magister). Bereits im 14. Jh. erfolgt direkte Übernahme von lat. minister in der Bedeutung ‘Diener, Gehilfe’ ins Dt. Ministerium n. ‘Dienst, Auftrag, Amt’, Entlehnung (16. Jh.) von gleichbed. lat. ministerium; ‘hohe staatliche Verwaltungsbehörde mit einem bestimmten Aufgabenbereich’ (18. Jh.), aus gleichbed. frz. ministère, afrz. menistere, ministere ‘Dienst, Verwaltung, Amt’, doch relatinisiert nach dem auch dem afrz. Substantiv zugrundeliegenden gleichbed. lat. ministerium. ministeriell Adj. ‘von einem Ministerium, einem Minister ausgehend’ (18. Jh.), frz. ministériel, nach spätlat. ministeriālis ‘zu einem Dienst beauftragt, verpflichtet’, substantiviert ‘(kaiserlicher) Beamter’. ministrieren Vb. ‘am Altar, bei der Messe dienen, das Amt eines Meßdieners versehen’, entlehnt (17. Jh.) aus lat. ministrāre ‘zur Hand gehen, bedienen’, abgeleitet von lat. minister (s. oben). Aus dem Part Präs. lat. ministrāns (Genitiv ministrantis) Ministrant m. ‘Meßdiener’ (17. Jh.); zuvor vereinzelt ‘Dienst-, Abgabenpflichtiger’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Ministerium  ●  Haus  ugs.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Ministerium‹ (berechnet)

Angabe Auswärtig Beamte Finanzen Innere Innern Mitarbeiter Sprecher Sprecherin beteiligt bonner erklären federführend geführt geleitet gesamtdeutsch geschaffen hessisch innerdeutsch mitteilen neugeschaffen niedersächsisch ostberliner preußisch prüfen spd-geführten teilen wiesbadener zustaendigen zuständig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ministerium‹.

Zitationshilfe
„Ministerium“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ministerium>.

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