Minne, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Minne · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Min-ne
Wortbildung  mit ›Minne‹ als Erstglied: Minnedienst · Minnelied · Minnesang · Minnesinger · Minnesänger
eWDG

Bedeutung

historisch höfischer Ritterdienst für eine verehrte, meist verheiratete Frau im Mittelalter
Beispiel:
die hohe, niedere Minne
dichterisch, scherzhaft, übertragen Liebe
Beispiele:
der Minne entsagen
Da, aus den Gebüschen wollustvoll, / Klingt es nicht wie unerlaubte Minne? [ WeinertZwischensp.36]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Minne · minnen · Minnesang · Minnesänger · Minnesinger
Minne f. ‘Liebe’ (heute nur noch altertümelnd oder scherzhaft), ahd. minna ‘helfende, fürsorgliche, auch religiöse Liebe, Zuneigung, Gedenken, Eifer, Verlangen’ (8. Jh.), mhd. minne ‘freundliches Gedenken, freundschaftliche, sinnliche, religiöse Liebe, Zuneigung’, auch ‘Beischlaf, Geliebte, Abschiedstrunk’, asächs. minnea, mnd. mnl. afries. minne, nl. min (germ. *menjō) ist verwandt mit den ein Dentalsuffix enthaltenden Formen mengl. mind(e), engl. mind ‘Sinn, Gedenken’, anord. minni (nn aus nþ) ‘Erinnerung, Andenken’, schwed. minne, got. gaminþi ‘Gedächtnis, Erinnerung’ (germ. *menþija-), mit Ablaut ahd. gimunt ‘Gedenken’ (9. Jh.), aengl. gemynd ‘Erinnerung, Verlangen, Liebe’, got. gamunds ‘Andenken, Gedächtnis’ (germ. *mundi-) sowie mit anord. munr ‘Geist, Leben, Wille, Wonne, Freude’, got. muns ‘Gedanke, Meinung’ (germ. *muni-). Diese Wortgruppe läßt sich mit den unter mahnen (s. d.) genannten germ. und außergerm. Formen verbinden und an die dort genannte Wurzel ie. *men(ə)- ‘denken, geistig erregt sein’ anschließen. Als Ausgangsbedeutung ergibt sich ‘liebendes Gedenken’, woraus sich bereits in mhd. Zeit (13. Jh.) ‘sinnliche Liebe’ entwickelt. Im 16. Jh. wird Minne als derbes, anstößiges Wort empfunden und weitgehend durch Liebe (s. d.) ersetzt; erst die Beschäftigung mit der mittelalterlichen Literatur im 18. Jh. (durch Bodmer und Breitinger) bringt Minne wieder in literarischen Gebrauch. An eine andere Herleitung denkt D. Wiercinski Minne (1964), die ahd. minna von anord. minni ‘Erinnerung’ trennt, aus semantischen Gründen zu dem unter meinen (s. d.) behandelten Verb stellt und Minne von Anfang an als ‘verbindende geistige Gesinnung der Glieder einer Gemeinschaft und deren konkrete körperliche Ausdrucksformen’ auffaßt. minnen Vb. ‘lieben’, ahd. minnōn ‘lieben, verehren’ (8. Jh.), mhd. minnen ‘beschenken, erkenntlich sein für etw., lieben (von religiöser, freundschaftlicher und körperlicher Liebe)’; wie das zugrundeliegende Substantiv vom 16. Jh. an gemieden und danach im Hinblick auf die mittelalterliche Literatur wieder aufgenommen. Minnesang m. ‘Liebesgedicht, literarisches Genre der mittelalterlichen höfischen Dichtung’, im 18. Jh. neu belebt nach mhd. minnesanc ‘Liebesgedicht’ (von der geistigen und der sinnlichen Liebe). Minnesänger, Minnesinger m. ‘Verfasser solcher Gedichte’ (18. Jh.), nach mhd. minnesenger, -singer.

Typische Verbindungen zu ›Minne‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Minne‹.

Verwendungsbeispiele für ›Minne‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie ist die Dame meiner Minne, du weißt nicht, was ich geopfert habe. [Fritsch, Gerhard: Fasching, Hamburg: Rowohlt 1967, S. 22]
Wo zwei heiße Begehren zusammenkommen, da ist die Minne vollkommen. [Die Welt, 15.01.2000]
Im Namen der Minne geht vieles in die Hose, haben die Damen doch merkwürdige Ticks. [Der Tagesspiegel, 14.03.1998]
Der aufbrausend leidenschaftliche Mann, in jeder Art Minne praktisch und poetisch versiert, liebt und lebt mit zwei Frauen, zwei Schwestern, in einem Hause! [Süddeutsche Zeitung, 11.06.1994]
Die hohe Rolle der Frau zeigt sich schließlich am treffendsten in der Minne. [Die Zeit, 19.10.1990, Nr. 43]
Zitationshilfe
„Minne“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Minne>.

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