Missbrauch, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Missbrauch(e)s · Nominativ Plural: Missbräuche
Aussprache
WorttrennungMiss-brauch
Grundformmissbrauchen
Ungültige SchreibungMißbrauch, s. Regelwerk: § 2
Wortbildung mit ›Missbrauch‹ als Erstglied: ↗Missbrauchopfer · ↗Missbrauchsfall · ↗Missbrauchskandal · ↗Missbrauchsopfer · ↗Missbrauchsskandal · ↗missbräuchlich
 ·  mit ›Missbrauch‹ als Letztglied: ↗Alkoholmissbrauch · ↗Amtsmissbrauch · ↗Asylmissbrauch · ↗Datenmissbrauch · ↗Drogenmissbrauch · ↗Handelsmissbrauch · ↗Kindesmissbrauch · ↗Leistungsmissbrauch · ↗Machtmissbrauch · ↗Medikamentenmissbrauch · ↗Rechtsmissbrauch · ↗Reliquienmissbrauch · ↗Schlafmittelmissbrauch · ↗Tablettenmissbrauch · ↗Vertrauensmissbrauch
eWDG, 1974

Bedeutung

das Missbrauchen
entsprechend der Bedeutung von missbrauchen (Lesart 1 u. 2)
entsprechend der Bedeutung von missbrauchen (Lesart 1)
Beispiele:
der Missbrauch von Medikamenten, Alkohol
den Missbrauch eines Amtes, einer Unterschrift bestrafen
mit etw. Missbrauch treibenetw. missbrauchen
Beispiel:
mit einem Foto, jmds. Namen, seiner Macht Missbrauch treiben
entsprechend der Bedeutung von missbrauchen (Lesart 2)
Beispiel:
er wurde wegen Missbrauchs einer Minderjährigen verurteilt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

brauchen · Brauch · Brauchtum · brauchbar · Brauchbarkeit · gebrauchen · Gebrauch · mißbrauchen · Mißbrauch · verbrauchen · Verbrauch · Verbraucher
brauchen Vb. ‘nötig haben’, ahd. brūhhan, brūhhen ‘genießen, nutzen, ausüben’ (8. Jh.), mhd. brūchen, asächs. brūkan, mnl. brūken ‘brauchen, genießen’, afries. brūka ‘nötig haben’, aengl. brūcan ‘nützlichen Anteil haben’, engl. to brook ‘gebrauchen’, got. brūkjan ‘genießen, sich erfreuen, gebrauchen’ (germ. *brūk-) zeigen unterschiedliche Flexionsweisen (stark im Aengl., schwach im Got., sonst starke Präsens- und schwache Präteritalformen). Verwandtschaftlich nahe steht wohl lat. fruī ‘genießen, Nutzen ziehen’ und frūx, frūctus (s. ↗Frucht). Das nur aus dem Germ. und Ital. zu erschließende ie. *bhrūg- ‘Frucht, genießen, gebrauchen’ ist vielleicht Gutturalerweiterung des in ↗Brosame (s. d.) und seinen Verwandten mit s-Erweiterung vorliegenden ie. *bhrē̌u-, *bhrū̌- ‘abschaben, abstreifen, zerschlagen, zerbrechen’ (zur Wurzel ie. *bher- ‘mit einem scharfen oder spitzen Werkzeug bearbeiten, schneiden’). Für ie. *bhrūg- könnte daher eine älteste Bedeutung ‘sich Früchte zum Genuß abbrechen oder abstreifen’ erschlossen werden. Die semantische Entwicklung des dt. Verbs führt von ‘nützlichen Anteil haben, genießen’ über ‘nutzen, gebrauchen’ zu seit dem 17. Jh. üblichem ‘nötig haben’. Brauch m. ‘Gewohnheit, Sitte’, ahd. brūh (10./11. Jh.), mhd. brūch. Brauchtum n. ‘volkstümliche Sitten und Gebräuche’ (20. Jh.). brauchbar Adj. ‘geeignet’, spätmhd. brūchbar; dazu Brauchbarkeit f. (18. Jh.). gebrauchen Vb. ‘benutzen, verwenden’, ahd. gibrūhhan, gibrūhhen (11. Jh.), mhd. gebrūchen; Gebrauch m. ‘Verwendung’, mhd. gebrūch. mißbrauchen Vb. ‘in unstatthafter Weise gebrauchen’, ahd. missabrūhhan (9. Jh.), mhd. missebrūchen (s. ↗miß-); Mißbrauch m. (16. Jh.; vgl. ahd. missibrūhhida, 9. Jh.). verbrauchen Vb. ‘völlig verwenden, abnutzen, verschleißen’, ahd. firbrūhhen (10./11. Jh.), mhd. verbrūchen; Verbrauch m. (18. Jh.); Verbraucher m. (19. Jh.).

Thesaurus

Jura
Synonymgruppe
Entehrung · Missbrauch · ↗Schändung · sexueller Missbrauch  ●  ↗Notzucht  veraltet · ↗Vergewaltigung  Hauptform · Vergewohltätigung (zynisch)  derb
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Medizin
Synonymgruppe
Missbrauch · riskanter Substanzkonsum  ●  ↗Abusus  fachspr.
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Suchtverlangen  ●  Craving  fachspr., engl. · ↗Schmacht  ugs. · Substanzverlangen  fachspr. · Suchtdruck  ugs.
Synonymgruppe
Missbrauch · ↗Zweckentfremdung · falscher Gebrauch  ●  ↗Schindluder  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Asylrecht Bekämpfung Gefahr Kind Macht Marktmacht Minderjähriger Mißhandlung Notruf Nötigung Priester Schutzbefohlener Sozialhilfe Sozialleistung Stellung Transitweg Verdacht Vergewaltigung ausschließen bekämpfen eindämmen massenhaft schützen sexuell unterbinden verantworten verhindern vertuschen verurteilen vorbeugen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Missbrauch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er soll sie in Missbrauch seiner Macht sexuell gefügig gemacht haben.
Die Zeit, 23.01.2007 (online)
Auch sei der Mißbrauch groß gewesen, Tickets seien nach der Nutzung weiterverkauft worden.
o. A. [Bl.]: Wochenend-Ticket. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1997]
Er hatte zwar geschrieben, über den Mißbrauch, auch der Bilder.
Schuder, Rosemarie: Agrippa und Das Schiff der Zufriedenen, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1987 [1977], S. 333
Über den Mißbrauch der Sprache haben wir schon mancherlei gesagt.
Volkland, Alfred: Überall gern gesehen. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1941], S. 22863
Die Medizin ist eine Wissenschaft, also der Mißbrauch einer zu diesem Zweck erfundenen Terminologie.
Tucholsky, Kurt: Der kranke Zeisig. In: Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1930]
Zitationshilfe
„Missbrauch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Missbrauch>, abgerufen am 16.11.2018.

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