Mob, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Mobs · Nominativ Plural: Mobs
Herkunftgleichbedeutend mobengl
Wortbildung mit ›Mob‹ als Letztglied: ↗Lynchmob
DWDS-Vollartikel, 2017

Bedeutungen

1.
abwertend aufgebrachte, gewaltbereite, ungeordnete, anonyme Menschenmenge
Beispiele:
Weil sie den Koran geschändet haben sollen, sind zwei Christen in Pakistan von einem wütenden Mob gefoltert und lebendig verbrannt worden. [Spiegel, 04.11.2014 (online)]
Bilder von verwüsteten Straßenzügen, Plünderern und Brandstiftern erinnern [in Ägypten] eher an den Nachkriegs-Irak, wo die Mobs das Sagen hatten – und nicht mehr die staatlichen Sicherheitskräfte. [Spiegel, 30.01.2011 (online)]
Es ist der Mensch als Massenmensch, der da zum Fürchten ist, der entfesselte, manipulierte Mob. [Der Spiegel, 10.05.2010, Nr. 19]
Am Rande eines Stadtfests hatte ein Mob aus rund 50 Menschen die in eine Pizzeria geflüchteten Inder bedrängt und ausländerfeindliche Parolen gebrüllt. [Spiegel, 05.12.2007 (online)]
Einige gewaltbereite Hooligans reichen, um aus einer Masse von friedlichen Fans einen tobenden Mob zu machen. [Frankfurter Rundschau, 06.09.2000]
Ein entfesselter Mob zieht [1988 im aserbaidschanischen Sumgait] unter den Rufen »Metzelt die Armenier!« und »Es lebe Dschingis-Khan!« durch die Straßen, plündert Läden, holt Armenier aus ihren Wohnungen, brandschatzt, vergewaltigt, mordet. [Die Zeit, 26.01.1990, Nr. 05]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein wütender, aufgebrachter, entfesselter, rasender, plündernder Mob; der braune, rechte, rote, linke Mob (= randalierende Menge von Menschen mit rechts- bzw. linksextremer Gesinnung)
als Aktivsubjekt: der Mob lyncht, plündert, zündet etw. an, tobt, stürmt [ein Gebäude]
als Genitivattribut: die Herrschaft, der Angriff des Mobs
2.
abwertend lästige, peinliche, ungebildete, anonyme Masse von Menschen; Pöbel
Beispiele:
Es ist der grimmig dreinschauende Mob der Weihnachtseinkäufer, der in Sechserreihen über den Tauentzien marschiert. [Der Tagesspiegel, 22.12.2000]
Der Mob sollte sein Geld aufs Konto legen, nicht zur Börse bringen. [Die Zeit, 04.03.1999, Nr. 10]
Seit zum Teil dieselben Montagsdemonstranten »Wir sind ein Volk« rufen, gelten sie manchem West-Linken nicht mehr als revolutionäres Subjekt, sondern nur noch als nationalistischer Mob. [Der Spiegel, 19.02.1990, Nr. 8]
Er [Clemenceau], der legitime Sohn des französischen Volkes, hat sich nie so weit erniedrigen können, dem Mob zu applaudieren. [Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, Frankfurt a. M.: Europäische Verl.-Anst. 1957 [1955], S. 182]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mob m. ‘aufgeputschte, randalierende Menschenmenge, Pöbel’, auch geringschätzige Bezeichnung für die Volksmassen. Der in der 1. Hälfte des 18. Jhs. bekannt werdende Ausdruck, anfangs mit Bezug auf englische Verhältnisse, erst seit den 60er Jahren des 19. Jhs. freier verwendet, ist eine Übernahme von engl. mob ‘Pöbel, Gesindel, ungeordnete Menge’. Dieses beruht auf Verkürzung von heute veraltetem gleichbed. engl. mobile (17. Jh.), das als substantiviertes Adjektiv der in der Antike und auch in einem frühen engl. Text begegnenden Fügung lat. mōbile vulgus ‘die schwankende, wankelmütige Volksmasse’ entstammt; vgl. lat. mōbilis ‘beweglich’ (s. ↗mobil).

Thesaurus

Synonymgruppe
Plebs · ↗Sippschaft · niederes Volk  ●  White trash  engl. · ↗Abschaum  derb · Asis  derb · ↗Asoziale  derb · ↗Bagage  ugs. · ↗Bodensatz  ugs. · ↗Brut  derb · ↗Gelichter (lit.)  geh., veraltet · ↗Geschmeiß  geh. · ↗Gesindel  derb · ↗Gesocks  derb · Gschleaf  ugs., bair. · Gschwerl  ugs., bair. · Kanaken  derb · ↗Kroppzeug  derb, norddeutsch · ↗Lumpenpack  derb · ↗Mischpoke  derb · Mob  derb · ↗Pack  derb · Paselacken  derb, ruhrdt. · ↗Pöbel  derb · Volks  ugs., regional
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(wilder) Haufen  abwertend · ↗Horde  abwertend · ↗Meute  abwertend · ↗Rotte  Jargon · ↗(unzivilisierte) Bande  derb · Mob  derb, abwertend · ↗Pack  derb, abwertend · ↗Saubande  derb, stark abwertend · ↗Schweinebande  derb, stark abwertend
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Wüten abfackeln aufgebracht aufgehetzt aufgeputscht aufgestachelt brandschatzend braun demolieren entfesselt fanatisiert grölend hinduistisch immatrikuliert johlend loyalistisch lynchen lynchend marodierend mordend niederbrennen plündern plündernd randalierend rasend singhalesisch steinigen tobend wütend zusammenrotten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Mob‹.

Zitationshilfe
„Mob“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Mob>, abgerufen am 20.03.2019.

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