Mobilisierung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Mobilisierung · Nominativ Plural: Mobilisierungen · wird selten im Plural verwendet
Aussprache  [mobiliˈziːʀʊŋ]
Worttrennung Mo-bi-li-sie-rung
Wortzerlegung  mobilisieren -ung
Wortbildung  mit ›Mobilisierung‹ als Letztglied: Massenmobilisierung · Teilmobilisierung
Wahrig und ZDL

Bedeutungen

1.
Politik, Militär das Mobilmachen (1), das Bereitstellen, Aufbieten von Streitkräften (für den Kriegseinsatz) oder von Polizeikräften (zur Sicherung von etw.); das Mobilisiertwerden, Bereitgestelltwerden
Synonym zu Mobilisation, Mobilmachung (1), Gegenwort zu Demobilisierung
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine allgemeine, nationale, totale, militärische Mobilisierung
als Akkusativobjekt: die Mobilisierung anordnen
in Präpositionalgruppe/-objekt: zur Mobilisierung aufrufen
hat Präpositionalgruppe/-objekt: die Mobilisierung von Reservisten
Beispiele:
Der in Bedrängnis geratene syrische Präsident Baschar al‑Assad will mit einer totalen Mobilisierung den Sturz seines Regimes verhindern. [Die Zeit, 06.01.2013 (online)]
König Salman ordnete am Dienstag die Mobilisierung weiterer Truppen an. [Der Spiegel, 21.04.2015 (online)]
Die Polizei erklärte, trotz der Mobilisierung von 10.000 Sicherheitskräften sei der Verkehr auf zahlreichen Überlandstrassen weitgehend zum Erliegen gekommen. [Neue Zürcher Zeitung, 09.12.2012]
Zwei Jahrzehnte lang konzentrierten sich sämtliche Bemühungen Amerikas im Nahen Osten darauf, die russische Okkupation Afghanistans scheitern zu lassen und den Export der schiitischen iranischen Revolution […] mittels militärischer Mobilisierung zu verhindern. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.2005]
Zudem haben israelische Militärexperten mit zunehmendem Entsetzen die Verzögerungen, Fehler und Unfälle, die die amerikanische Mobilisierung am Golf begleiteten, registriert. [die tageszeitung, 10.01.1991]
2.
übertragen das Aktivieren, Aufrufen zum Engagement für etw., zum Sichbeteiligen an etw.; das Aktiviertwerden
Synonym zu Mobilmachung (2)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine politische, starke, allgemeine, breite, nationale, totale Mobilisierung
in Präpositionalgruppe/-objekt: zur Mobilisierung aufrufen, beitragen
mit Genitivattribut: die Mobilisierung der Wähler, der Massen
hat Präpositionalgruppe/-objekt: die Mobilisierung von Wählern, Ressourcen
Beispiele:
Die Mobilisierung von Stammwählern[…] werde auch bei den bevorstehenden Wahlgängen in Österreich der zentrale Faktor sein. [Der Standard, 12.07.2005]
Gewerkschaften sind Massenorganisationen, sie beziehen ihre Kraft aus dem direkten Kontakt zu den Beschäftigten und der Mobilisierung ihrer Mitglieder. [Süddeutsche Zeitung, 29.01.2021]
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag blieb es trotz Mobilisierungen linker und vor allem rechter Gruppen in Bautzen weitgehend ruhig. [Süddeutsche Zeitung, 17.09.2016]
Ob beim Wachstum, bei der Produktivitätsentwicklung oder der Mobilisierung von Arbeitskräften – überall sind Amerikas Zahlen die besten. [Die Zeit, 27.03.2003]
Die letzte große Mobilisierung der Atomkraftgegner vor dem Castor‑Transport ins Zwischenlager Ahaus brachte gestern mehr als 8.000 Menschen auf die Beine. [die tageszeitung, 16.03.1998]
3.
Wirtschaft das Bereitstellen, Aufbieten von finanziellen Mitteln, von verfügbaren Ressourcen; das Bereitgestelltwerden, Eingesetztwerden
Kollokationen:
hat Präpositionalgruppe/-objekt: die Mobilisierung von Millionen, Geld, Kapital
Beispiele:
Die lange Kriegsdauer erforderte die planmässige Mobilisierung aller wirtschaftlichen Ressourcen für militärische Zwecke. [Neue Zürcher Zeitung, 23.09.2013]
»Die Mobilisierung aller Energien zur Überwindung der Krise kann nicht auf die Beteiligung der Frauen verzichten«, sagte er [der Premierminister]. [Süddeutsche Zeitung, 26.03.2021]
Die Schweiz unterstütze […] die internationalen Bemühungen, die lokale Mobilisierung finanzieller Ressourcen in Entwicklungsländern voranzubringen[…]. [Neue Zürcher Zeitung, 18.04.2015]
Unter der »Totalität« des Krieges versteht der Historiker die Mobilisierung aller verfügbaren menschlichen und materiellen Ressourcen – und damit auch das Verschwinden der Grenze zwischen Militär und Zivilbevölkerung, zwischen Front und Heimat. [Neue Zürcher Zeitung, 04.03.2014]
Sie alle [die Schubkräfte der Hochtechnologie und Wissensökonomie] drängen immer massiver zur Mobilisierung der natürlichen und menschlichen Ressourcen der Erde, ein Prozess, dessen wir uns nur allmählich bewusst werden. [Die Welt, 03.01.2000]
4.
Medizin (Maßnahmen zur) Förderung, Erhaltung oder Wiederherstellung der Bewegungsfähigkeit von Patienten; das Mobilisiertwerden (von Patienten, von Körperteilen)
Synonym zu Mobilisation
Beispiele:
Es geht jetzt [nach dem Sportunfall] darum, die alte Form wiederzugewinnen, dazu gehören die üblichen Therapien, die Mobilisierung der Gelenke, die Massagen, erstes sanftes Training. [Süddeutsche Zeitung, 13.07.2011]
Sie [die Spinalanästhesie] reduziert die medikamentöse Belastung für den Patienten und kann ebenfalls zu einer schnelleren Mobilisierung beitragen. [Neue Osnabrücker Zeitung, 09.04.2021]
Der Schwerpunkt bei den Übungen in den Sportgruppen liegt auf der Mobilisierung von Wirbelsäule und Gelenken. [Thüringer Allgemeine, 09.03.2021]
Ist der Patient noch in einem relativ tiefen künstlichen Koma, beschränkt sich die Mobilisierung meist darauf, gelegentlich Arme und Beine zu bewegen oder die Hände des Patienten zur Faust zu ballen. [Die Welt, 29.01.2014]
Dabei geht es um ganz gezielte Kurse und Behandlungen für die Teilnehmer und ihre gesundheitlichen Beschwerden oder als vorbeugendes Training gegen Alltagsbeschwerden, beispielsweise Ausgleichsübungen gegen Überlastung, Training gegen Rückenbeschwerden und die Mobilisierung steifer Gelenke. [Die Welt, 12.06.2004]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

mobil · Mobilmachung · mobilisieren · Mobilisierung
mobil Adj. ‘beweglich, einsatzbereit’, umgangssprachlich (mit Bezug auf Lebewesen) ‘munter, lebhaft, wohlauf’, im militärischen Bereich ‘bereit für den Kriegseinsatz’. Lat. mōbilis ‘beweglich’ (aus *movibilis, zum Verb lat. movēre ‘bewegen’) wird im 14. Jh. als mobile ins Frz. entlehnt, wo es das ältere, regulär entwickelte frz. meuble Adj. (s. Möbel) teilweise verdrängt. In der die frz. Aussprache bewahrenden Form mobil gelangt das Adjektiv Mitte des 18. Jhs. ins Dt. Hier lebt es zunächst in der an die Ausgangsbedeutung ‘beweglich’ anknüpfenden militärischen Verwendung ‘marschbereit, einsatzbereit’ (im Frz. erst 1835 nachweisbar), seit der 1. Hälfte des 19. Jhs. auch in der dem Frz. fehlenden Bedeutung ‘munter, lebhaft’. Zu der bereits um 1800 üblichen Fügung mobil machen ‘die Truppen für den Kriegseinsatz bereitmachen, das Land auf die Anforderungen des Krieges umstellen’ (im 20. Jh. meist mobilmachen geschrieben) bildet die Heeressprache das Substantiv Mobilmachung f. ‘Umstellung eines Landes auf den Kriegszustand’ (Anfang 19. Jh.). Im gleichen Sinne werden daneben mobilisieren Vb. und Mobilisierung f. gebraucht (beide so seit 1814 belegt und bis in die 1. Hälfte des 20. Jhs. geläufig; heute, auf andere Gebiete übertragen, allgemein ein Aktivieren, In-Gang-Setzen ausdrückend). Frz. mobiliser, von der 2. Hälfte des 18. Jhs. an als Rechtsterminus (‘Immobilien in Mobilien umwandeln’) vorkommend, steht dagegen erst 1834 für ‘mobilmachen’; jünger sind auch frz. mobilisation ‘Mobilmachung’ (1834) sowie die dem Frz. entlehnten Entsprechungen engl. to mobilize (1853), mobilization (1866); vgl. aber vereinzeltes engl. mobilification (1794, nach dt. Vorbild?).

Thesaurus

Militär, Politik
Synonymgruppe
Aufbietung · Mobilisierung · Mobilmachung
Assoziationen
Antonyme
  • Mobilisierung

Typische Verbindungen zu ›Mobilisierung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Mobilisierung‹.

Zitationshilfe
„Mobilisierung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Mobilisierung>, abgerufen am 02.12.2021.

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