Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Moll, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Moll(s) · wird nur im Singular verwendet
Aussprache  [mɔl]
Wortbildung  mit ›Moll‹ als Erstglied: Mollakkord · Molldreiklang · Molltonart · Molltonleiter
 ·  mit ›Moll‹ als Letztglied: a-Moll · as-Moll · b-Moll · c-Moll · ces-Moll · cis-Moll · d-Moll · des-Moll · dis-Moll · e-Moll · es-Moll · f-Moll · fis-Moll · g-Moll · ges-Moll · gis-Moll · h-Moll
Herkunft zu mollislat ‘weich, sanft, empfindsam’
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

Musik Tongeschlecht derjenigen Tonarten, deren Tonleiter von der zweiten zur dritten Tonstufe einen Halbtonschritt aufweist
in gegensätzlicher Bedeutung zu Dur
Im Allgemeinen wird mit dem Ausdruck »Moll« die natürliche bzw. reine Molltonleiter (Moll (a)) gemeint.
Beispiele:
»Musik ist eine […] Sprache, deren Bedeutung man erst lernen muss«, erläutert sie. So sei etwa das in der westlichen Musik eher mit Melancholie verbundene Tongeschlecht Moll in der traditionellen Musik Afrikas nicht üblich. [Der Spiegel, 08.11.2017 (online)]
Dieses Konzert wird […] in Moll enden. [Badische Zeitung, 30.09.2019]
Früher, so haben Forscher […] herausgehört, klangen Songs vorwiegend heiter. In der jüngeren Popmusik hingegen tendiert die Stimmung zunehmend in Richtung Moll. [Süddeutsche Zeitung, 06.06.2012]
Sogar fernab der Zivilisation lebende afrikanische Ureinwohner, die noch nie westliche Musik gehört haben, erkennen, ob eine Tonfolge eher fröhlich und extrovertiert ist, oder aber eher traurig und verhalten. Auch diese fernen Völker unterscheiden zwischen Dur und Moll, wie neuere Forschungen zeigen. Aber woher kommt diese nahezu magische Wirkung auf das Gemüt, wieso steht Dur eher für positive oder exaltierte Gefühle, Moll aber für das Gegenteil? [Süddeutsche Zeitung, 23.01.2010]
a)
Phrasem:
natürliches, reines, äolisches Moll (= Molltonleiter, die einen Halbtonschritt von der zweiten zur dritten und von der fünften zur sechsten Tonstufe aufweist)
Beispiele:
Die Musikgeschichte hat später, nach dem Ausgang des Mittelalters, fast alle diese Skalen wieder über Bord geworfen und nur zwei behalten, nämlich ionisch und äolisch, besser bekannt unter den Namen Dur und Moll. [Schwanitz, Dietrich: Bildung, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 310]
Hovhaness hat den »Prayer of Saint Gregory« fast ausschließlich in Dreiklängen aus natürlichem Moll komponiert[…]. [Südkurier, 19.08.2015]
Diese kleine Ouvertüre ist in »äolisch Moll« komponiert worden, was dem Werk einen ganz besonderen Charakter gibt. [Südkurier, 27.11.2007]
Seit dem 19. Jh. betrachtet man die Modi als Genera (den ionischen Modus als Dur, den äolischen Modus als Moll) und die Tonarten (z. B. C‑Dur und a‑Moll) als Spezies. [Brockhaus-Riemann-Musiklexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1989], S. 10510]
b)
Phrasem:
harmonisches Moll (= Molltonleiter, die einen Halbtonschritt von der zweiten zur dritten, von der fünften zur sechsten und von der siebten zur achten Tonstufe aufweist)
Beispiele:
Auch bei der folgenden »Klezmer‑Suite« beherrschte das harmonische Moll weiter die Akkorde, ungerade und gerade Taktarten wechselten sich ab und sorgten für eine angenehme Spannung. [Südkurier, 18.12.2012]
Das Publikum ließ sich leger durch das Konzert führen, das von Stücken in der orientalischen Tonart »harmonisch Moll« geprägt war. [Münchner Merkur, 15.10.2018]
c)
Phrasem:
melodisches Moll (= Molltonleiter, bei der die Tonleiter aufwärts Halbtonschritte zwischen der zweiten und dritten sowie der siebten und achten Tonstufe aufweist, die Tonleiter abwärts der des natürlichen Moll entspricht)
Beispiele:
Im melodischen Moll wird für die erhöhte 6. Stufe die Silbe ba zur Unterscheidung von dem leittönigen fe neu eingeführt. [Brockhaus-Riemann-Musiklexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1989], S. 10517]
In stetig monochromem Abschlag treibt die Klampfe die Musik in hohem Tempo vorwärts. So entsteht der namensgebende Rhythmus: »die Pumpe.« Dazu improvisiert wahlweise die Gitarre oder Geige im melodischen Moll zu den Akkorden. [Allgemeine Zeitung, 05.09.2012]
Hard‑Rock‑Variationen in es‑Moll für Klavier und Akkordeon gibt’s […] im Forum Bodelshausen zu hören: AC/DC goes Polka, Led Zeppelin ertönt im Tangogewand und Metallica in melodisches [sic!, melodischem] Moll. [Reutlinger General-Anzeiger, 25.02.2010]
Diatonisch heißt eine Skala, die die Oktave in fünf Ganz‑ und zwei Halbtöne teilt; so z. B. die Skala des Dur, des natürlichen und melodischen Moll und die Skalen der Kirchentöne. [Brockhaus-Riemann-Musiklexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1989], S. 2637]
d)
übertragen wehmütige Stimmung
Beispiele:
Die Stimmung während der Pressekonferenz war Moll, die meisten Journalisten blickten traurig, geradezu wehmütig drein. [Die Zeit, 19.01.2017 (online)]
Es war ein Parteitag in Moll, mit einer diffusen Stimmung. [Süddeutsche Zeitung, 20.07.2009]
Wie sehr sich die Stimmung in der SPD in Windeseile wieder von Moll zu optimistischem Dur zurückmoduliert, bewies […] auch der Bildungspolitiker Jörg T[…]: Wenn man in der Scheiße steckt, soll man nicht auch noch den Kopf reinhängen lassen. [Die Zeit, 07.07.2005]
im Bild Auf dass der neuerliche Auftakt nicht in einen Schlussakkord in Moll endet… [Aachener Zeitung, 08.05.2021]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Dur · Moll
Dur n. Moll n. Ausdrücke der Musik zur Bezeichnung diatonischer Tonarten, die als charakteristischstes Kennzeichen die große bzw. die kleine Terz enthalten. In der Grundskala der frühmittelalterlichen Musik wird der zweite Ganzton B (dafür heute h) mit einem dem Buchstaben b ähnlichen eckigen Zeichen, dem B quadratum oder durum (beides neutrale Formen von lat. quadrātus ‘viereckig’, dūrus ‘hart’), dessen Erniedrigung um einen Halbton (heute b) mit einem dem Buchstaben b ähnlichen gerundeten Zeichen, dem B rotundum oder molle (beides neutrale Formen von lat. rotundus ‘rund’, mollis ‘weich’) angegeben. Im späteren, aus sieben diatonischen Reihen von je 6 stufenweise aufeinanderfolgenden Tönen bestehenden Hexachordsystem (11. Jh.) wird die B durum (mhd. bēdūre) enthaltende Reihe Hexachordum durum, die B molle (mhd. bēmolle) enthaltende Reihe Hexachordum molle genannt. Innerhalb der Ausprägung der Chromatik (etwa 16. bis 18. Jh.) gehen die Ausdrücke Dur und Moll auf die beiden sich herausbildenden Tongeschlechter über.

Thesaurus

Zoologie
Synonymgruppe
Maulwurf · Moll · Mull

Typische Verbindungen zu ›Moll‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Moll‹.

Zitationshilfe
„Moll“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Moll>.

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