Molle, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Molle · Nominativ Plural: Mollen
Aussprache  [ˈmɔlə]
Worttrennung Mol-le
Wortbildung  mit ›Molle‹ als Erstglied: ↗Mollenfriedhof

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [D-Nordost-Berlin ] ein Glas (oder eine Flasche) Bier
  2. 2. Synonym zu Trog
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
D-Nordost-Berlin ein Glas (oder eine Flasche) Bier
Beispiele:
eine kleine, kühle MolleWDG
Hier sang man von der blühenden Linde / Und goß eine Molle hinter die Binde[.] [ WeinertZwischensp.375]WDG
Nach der Show laden wir alle noch uff ’ne Molle und ’ne Bowle oder Prickelwasser (= Sekt) ein. [Der Tagesspiegel, 04.09.2019]
Man trinkt […] seine große Molle für 2,30 Euro, im Hintergrund blinken die Spielautomaten, dicke Rauchschwaden erfüllen den Raum. Eckkneipenromantik. [Der Tagesspiegel, 04.12.2017]
In der verrauchten Alt‑Berliner Kneipe […] zischt man seine Molle mit Korn an der Theke und plaudert mit dem Wirt. [Die Welt, 16.10.2002]
Schlechte Zeiten für Gastwirte, denn immer mehr Berliner kaufen sich ihr Flaschenbier billig im Supermarkt und zischen die Molle lieber in der gemutlichen [sic!] Stube. [Berliner Zeitung, 19.02.1994]
An warmen Sonntagen werden an Bord [der Ausflugsschiffe der Weißen Flotte] insgesamt etwa 12.000 Mollen »gezischt«, 6.000 Flaschen »Radeberger« und ebenso viele mit alkoholfreiem Inhalt geöffnet. [Berliner Zeitung, 25.05.1962]
2.
Synonym zu Trog
Beispiele:
Aus frischen biegsamen Weiden kann eine Molle oder ein Korb geflochten werden. [Schweriner Volkszeitung, 12.01.2019]
Die Molle ist der Trog, in dem beim Schlachten das Blut des Schweins aufgefangen wird, aber sie ist auch das Behältnis, in dem der Brotteig reift. [Rhein-Zeitung, 10.12.2016]
Dreschen, Korn mahlen oder Brotteig in einer Molle kneten sind nur drei der zahlreichen Tätigkeiten, die die Gäste während eines Aufenthalts auf dem Mühlenhof miterleben können. [Hotel Übernachtung Restaurant Partyservice Bielefeld OWL, 01.06.2010, aufgerufen am 01.09.2020]
Unverkennbar in Strich, Komposition und Dynamik ist dieses Blatt [eine Zeichnung von Wilhelm Busch], auf dem […] ein Lausbub, der […] auf einem Stuhl steht und gerade dabei ist, vom frischen Kuchenteig aus einer großen Molle zu naschen, und zwar nicht zu knapp. [Süddeutsche Zeitung, 13.06.2008]

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mulde · Molle
Mulde f. ‘längliches, abgerundetes Gefäß’, ahd. muolt(e)ra, muolter, multer (10. Jh.), mulda, molda (mfrk., nfrk. 11. Jh.), mhd. multer, muolter, mulde ‘halbrundes, ausgehöhltes Gefäß zum Reinigen des Getreides, Mehl-, Backtrog’, mnd. molde, molle, mnl. moude, mouwe, molde ‘Milch- und Butterkübel, Backtrog’ sind entlehnt aus lat. mulctra ‘Melkfaß, Melkkübel’ (zu lat. mulgēre ‘melken’). Die Herkunft läßt sich am deutlichsten an einer Form wie ahd. mulhtra (Hs. 12. Jh.) erkennen, die die auf der Lautverschiebung beruhende Entwicklung des lat. k-(c-)Lauts zu h zeigt. Seit dem 18. Jh. gilt Mulde auch für ‘Vertiefung des Erdreichs, wellenförmige Senkung eines Flözes’, vgl. Talmulde. In Berlin übliches Molle f. ‘Glas Bier, Bierglas’ setzt mnd. molle (s. oben) fort.
Zitationshilfe
„Molle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Molle>, abgerufen am 07.05.2021.

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