Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Moral, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Moral · Nominativ Plural: Moralen · wird meist im Singular verwendet
Aussprache  [moˈʀaːl]
Worttrennung Mo-ral
Herkunft zu mōrālislat ‘die Sitten betreffend’ < mōslat ‘zur Regel gewordener Wille, auf innerer Gesinnung beruhende, gewohnheitsmäßige Tätigkeit, Sitte, Brauch’
eWDG

Bedeutungen

1.
System von geschichtlich gewordenen und gesellschaftlich bedingten sittlichen Grundsätzen, Werten und Normen, von denen sich die Menschen in ihrem Verhalten zueinander leiten lassen
Beispiele:
DDRdie sozialistische Moral
DDRdie Zehn Gebote der sozialistischen Moral
die christliche, bürgerliche Moral
er hat eine strenge, lockere, keine Moral
seine Moral hat doppelten Boden
er verstieß gegen, verletzte die öffentliche Moral
jmds. Moral (= sittliches Verhalten) ist gefestigt, verlogen, zerrüttet, untergraben
er hat die Moral eines Herrenmenschen
umgangssprachlichjmdm. Moral predigen (= jmdm. Vorhaltungen machen)
die Moral (= Stimmung, Zucht, Kampfgeist) der Truppe heben, verbessern
die Moral steigt, sinkt, ist gut, schlecht
DDRDie Beziehungen der Bürger werden durch gegenseitige Achtung und Hilfe, durch die Grundsätze sozialistischer Moral geprägt [ Verfassung DDR21]
Jetzt fraß an der Moral der Kampftruppe hauptsächlich das wüste Feuer … die schauderhaften Verluste [ A. ZweigErziehung88]
2.
Lehre, sittliche Nutzanwendung
Beispiele:
die Moral einer Erzählung, Fabel, eines Märchens
Und die Moral von der Geschicht': / Bad' zwei in einer Wanne nicht! [ BuschSauseschritt240]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Moral · moralisch · Moralist · moralisieren · demoralisieren · Mores
Moral f. ‘gesellschaftlich bedingtes System geltender Normen und Regeln sittlichen Verhaltens’ (18. Jh.), älter ‘aus einem Beispiel zu ziehende sittliche Nutzanwendung und Lehre’ (16. Jh., vgl. die Wendung die Moral von der Geschichte, 19. Jh.), danach ‘Sittenkunde, -lehre’ (17. Jh.). Auszugehen ist von lat. mōrālis ‘die Sitten betreffend’, einer Ableitung von lat. mōs (Genitiv mōris) ‘zur Regel gewordener Wille, auf innerer Gesinnung beruhende, gewohnheitsmäßige Tätigkeit, Sitte, Brauch’ (etymologisch verwandt mit Mut, s. d.). Das im 16. Jh. geltende Neutrum Morale (entsprechend substantiviertem lat. mōrāle n.), Plur. Moralia, gerät im 17. Jh. unter den Einfluß von frz. la philosophie morale (nach lat. philosophia mōrālis) und wechselt zum fem. Genus über. moralisch Adj. ‘der Moral entsprechend, sittlich’ (16. Jh.). Moralist m. ‘Sittenlehrer, Moralphilosoph’, abschätzig ‘Sittenprediger’ (17. Jh.), frz. moraliste. moralisieren Vb. ‘sittliche Überlegungen anstellen’, abschätzig ‘als Sittenprediger auftreten’ (16. Jh.), frz. moraliser; demoralisieren Vb. ‘sittlich zersetzend wirken’ (18. Jh.), frz. démoraliser. Mores Plur. ‘Anstand, Benehmen, Lebensart’ (15. Jh.), lat. mōrēs Plur. (s. oben), zuerst in der humanistischen Schulsprache verbreitet; jmdn. Mores lehren ‘jmdn. zurechtweisen’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Ethik · Moral · Moralvorstellungen · Sittlichkeit · Wertesystem · Wertmaßstäbe · Wertvorstellungen · moralische Werte · sittliche Werte
Oberbegriffe
  • handlungsleitende Norm(en)
Synonymgruppe
Oberbegriffe
  • handlungsleitende Norm(en)
Synonymgruppe
Moral · Seelenlage · Stimmung · Stimmungslage · moralische Verfassung · Überzeugtheit von sich selbst
Synonymgruppe
Assoziationen
  • (denselben) Fehler nicht noch einmal machen (werden) · aus Schaden klug werden  ●  (jemandem) eine Lehre sein  sprichwörtlich · (jemandem) nicht noch einmal passieren (sollen)  ugs.
  • (bei / aus etwas etwas anderes) lernen · (die) Erfahrung gewinnen (dass) · (eine) Lehre ziehen (aus)  ●  (etwas) mitnehmen aus  fig. · (etwas) lehrt jemanden etwas  geh. · (in jemandem) reift die Erkenntnis (dass)  geh.
  • (die) belehrende Absicht  ●  (der) pädagogische Zeigefinger  fig.

Typische Verbindungen zu ›Moral‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Moral‹.

Verwendungsbeispiele für ›Moral‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ferner erziehen die Kinder den Lehrer zum Gehorsam gegen die Moral. [Allgemeine Deutsche Lehrerzeitung, Bd. 53, Nr. 1/2, 1901]
Moral hat nur den einen Zweck, vergessen Sie das nicht. [Riedel, Susanne: Eine Frau aus Amerika, Berlin: Berlin Verlag 2003, S. 211]
Das Wort »selbstgerecht« habe ich dort nur für die Moral verwendet. [Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel, München: Hanser 1988, S. 242]
Man benötigt dazu vor allem einen hinreichend trennscharfen Begriff der Moral. [Luhmann, Niklas: Soziale Systeme, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1984, S. 315]
Ökologisch zu handeln ist Teil der öffentlichen Moral, aber eben aufwändig. [Die Zeit, 24.02.2000, Nr. 9]
Zitationshilfe
„Moral“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Moral>.

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