Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Mucke, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Mucke · Nominativ Plural: Mucken
Aussprache  [ˈmʊkə]
Worttrennung Mu-cke (computergeneriert)

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [umgangssprachlich, meist D ] ⟨jmd. hat seine Mucken⟩
  2. 2. [umgangssprachlich, meist D , selten A ] Unregelmäßigkeit, (technische) Schwierigkeit
  3. 3. [Musik, meist D ] ...
    1. a) [salopp] Song, Musik
    2. b) [metonymisch] bezahlter Auftritt von Musikern (außerhalb ihrer festen Anstellung)
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich, meist D
Phrasem:
jmd. hat seine Mucken (= jmd. hat seine Eigenheiten, eine komplizierte Persönlichkeit)
Beispiele:
Sepp Maier hat von Anfang an seine Mucken gehabt, und er wäre nicht der beste Torwart der Welt geworden, hätte er nicht seinen Eigensinn. [Beckenbauer, Franz: Einer wie ich. München: Wilhelm Heyne Verlag 1977, S. 207]
Es erweist sich, daß der Mann [Henry Ford], der in einem halben Jahrhundert 29 Millionen Autos produzierte, seine Mucken haben und ein so eigensinniger Sonderling sein konnte, daß es für diejenigen, die neben ihm zu tun hatten, nicht immer leicht gewesen sein kann. [Der Spiegel, 27.03.1948]
»Jeder hat seine Mucken, aber man muss den anderen sein lassen und soll nicht versuchen, ihn zu ändern.« So antwortet Hedi H[…] auf die Frage, wie sie und ihr Mann es geschafft haben, 60 Jahre verheiratet zu sein – wo doch im Schnitt jede zweite Ehe geschieden wird. [Salzburger Nachrichten, 03.10.2013]
Jane Austen schrieb nämlich nicht einfach nur liebenswürdig, sentimental und immer aufs gute Ende blickend, sondern ihr scharfer Blick enthüllt die Macken und Mucken ihrer »Helden« mit feiner, gleichwohl treffender Zuspitzung: […]. [Süddeutsche Zeitung, 03.07.2009]
Nicht etwa, daß Paule ein schlechter Meister ist, wer das behauptet, würde wirklich übertreiben, aber er hat so seine Mucken. [Neues Deutschland, 22.11.1969]
2.
umgangssprachlich, meist D , selten A Unregelmäßigkeit, (technische) Schwierigkeit
Grammatik: nur im Plural
Kollokationen:
als Akkusativobjekt: Mucken machen; (seine) Mucken haben
Beispiele:
Der Tourist will alles sehen und alles anfassen, vor allem das Authentische von früher, deswegen ist er ja gekommen; aber wehe, Klimaanlage und Wlan machen Mucken. [Süddeutsche Zeitung, 03.05.2018]
Warum macht der Drucker heute Mucken und morgen wieder keine? Liegt es am Wetter oder mit welchem Fuß ich heute aufgestanden bin und ob ich ihn deswegen schief angeschaut habe? [Tiroler Tageszeitung, 20.04.2014]
Mein ganzer Körper macht Mucken, die Nieren, die Beine, der Kopf … Aber mein Herz ist gut, es arbeitet zu 100 Prozent. [Die Zeit, 07.03.2013]
Wenn mein Oldtimer Mucken macht, kann das in der Regel mit Bordmitteln oder durch die Hilfe einer kleinen Werkstatt behoben werden. [Der Spiegel, 03.01.2005]
Warnungen vor einem Chaos bei der Einführung der Lkw‑Maut hat es schon vor Monaten gegeben. […] Doch sind wohl alle Hinweise, dass das elektronische Abrechnungs‑System noch seine Mucken hat, nicht ernst genug genommen worden. [Süddeutsche Zeitung, 28.07.2003]
Der 1954 in Betrieb genommene [Atom-]Reaktor hatte ja schon oft seine Mucken gehabt. [Die Zeit, 21.10.1988]
3.
Musik, meist D
a)
salopp Song, Musik
Grammatik: nur im Singular
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: coole, geile Mucke
Beispiele:
Schon in den achtziger Jahren war es schick, statt von »Musik« einfach von »Mucke« zu sprechen: »Ey, total geile Mucke!«, hieß es anerkennend, wenn jemand eine LP mit Musik aufgelegt hatte, die richtig rockte. [Der Spiegel, 08.12.2010 (online)]
Die Menschen, die der Sender [Deutschlandfunk Nova] gewinnen will, sitzen alle an einem Ort: in einer WG‑Küche. […] Das ist die Idee: »Einer macht die Mucke an, dann wird gequatscht und zwischendurch sagt jemand, hey, der Song ist geil«, fasste Moderator Dominik S[…] das Konzept gleich in den ersten Sendeminuten […] zusammen. [Süddeutsche Zeitung, 12.03.2018]
Der junge Mann stellt den Lautstärkeregler seines Tablets ganz nach oben. Nun dröhnen ukrainische Folklore und russischer Pop um die Wette. Ein […] ein Fahrgast verliert die Nerven. »Schalt endlich deine russische Mucke aus!«, brüllt er den Fahrer an. [Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2017]
»Wir wollten nichts politisch bewegen, wir hatten einfach Bock auf Mucke«, sagt der 25‑Jährige. 2007 gründete er mit fünf Schulkameraden Feine Sahne Fischfilet, sie experimentierten herum, entschieden sich für Rumpelpunk. [Der Spiegel, 05.11.2012 (online)]
Trotz Zugabe haben die Fans nicht genug. Sie wollen mehr »coole Mucke«, doch die Band muß sich verabschieden. [Frankfurter Rundschau, 29.10.1997]
b)
metonymisch bezahlter Auftritt von Musikern (außerhalb ihrer festen Anstellung)
Kollokationen:
als Akkusativobjekt: eine Mucke spielen, haben
Beispiele:
Fünf der Berliner Orchester werden vom Land unterhalten, ihre Mitglieder sind Angestellte des Öffentlichen Dienstes und verhalten sie sich auch so. Probenpläne regelt man nicht nach künstlerischen Zielen, sondern nach Dienstzeiten. In der verbleibenden Zeit kann der Musiker sein Gehalt durch Mucken und Aushilfen in anderen Orchestern leicht verdoppeln. [Berliner Zeitung, 10.03.1999]
Im östlichen Musiker‑Jargon ist ein bezahlter Auftritt laut Schlagzeuger Gunther W[…] immer noch »eine Mucke«. Im Westen heißt die gleiche Übung, gut englisch, dagegen »ein Gig«. [Der Spiegel, 28.02.1977]
Als »Dienst« gelten sowohl die zweieinhalb‑ bis dreistündigen Proben als auch Aufführungen bis zu drei Stunden und fünfzehn Minuten. Das heißt, jeder Musiker hat in der Woche etwa 24 Stunden »Dienst«. Da hat er aber noch keine einzige Minute selbst geübt oder neue Stücke erprobt. Rechnet man nur drei Stunden täglich dafür, kommt jeder Musiker auf eine 45‑Stunden‑Woche – ohne Aushilfen, »Mucken« oder sonstige kammermusikalische Betätigung. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2003]
In den »Operettenexpress« bittet das Hansa‑Theater um 16 Uhr für zwei Stunden drei, vier Busladungen aus dem Altersheim. Die […] sind selig. In brüchigem Sopran summen sie die wunderbaren Melodien mit. Auch die Musiker, ausgemustert aus Orchester und Extra‑Chor des Theater des Westens, freuen sich, dass sie mal wieder eine Mucke haben. [Die Welt, 07.03.2002]
Als Hornist Markus R[…] und Schlagzeuger Sven H[…] im Sommer 1996 nach einer Mucke, einer Orchesteraushilfe, noch gemeinsam ein Bier tranken, träumten sie ein Man‑müsste‑mal: »… ein Ensemble gründen, in dem lauter engagierte Musiker die aufregende Musik spielen, die alle wirklich spielen wollen«. [Süddeutsche Zeitung, 24.08.2000]
Allein wenn ein Intendant konsequent gegen die Unsitte angeht, daß die gutbezahlten Musiker für ein saftiges Zubrot (»Mucke«) aushäusig tingeln und an ihrer Stelle teure Ersatzleute angeheuert werden müssen, hat er sein Orchester im Nu gegen sich. [Der Spiegel, 09.12.1996]

letzte Änderung:

Thesaurus

Musik
Synonymgruppe
Musik · Tonkunst  ●  Frau Musica (Allegorie)  geh. · Lala  ugs. · Mucke  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Mucke‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Mucke‹.

Zitationshilfe
„Mucke“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Mucke>.

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