Mumpitz, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Mumpitzes · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Mum-pitz
eWDG

Bedeutung

salopp Unsinn, Blödsinn
Beispiele:
das ist (alles) Mumpitz, der reine Mumpitz!
so ein Mumpitz!
was soll denn dieser Mumpitz!
Ein Mumpitz war es, ein aufgelegter Betrug [ SpoerlFeuerzangenbowle104]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

mummen · vermummen · einmummen · Mumme · mummeln · vermumme(l)n · Mummelgreis · Mummenschanz · Mumpitz
mummen Vb. ‘dumpf und undeutlich reden, brummen, murmeln’ (16. Jh.), dazu das Iterativum mummeln (s. unten); vgl. auch nl. (mundartlich) mommen ‘undeutlich reden, kauen’, spätmhd. mumme ‘brummende Kuh’, engl. (älter) mum ‘mit geschlossenen Lippen erzeugter Brummton’. Daneben stehen nhd. mummen ‘(sich) einhüllen (bis zur Unkenntlichkeit), sich maskieren’ (16. Jh.), heute dafür vornehmlich vermummen Vb. (16. Jh.), einmummen Vb. (18. Jh.), Mumme f. ‘verkleidete, maskierte Person’, mnd. mumme, ferner afrz. momer ‘sich verkleiden, maskieren’, frz. momon ‘Maskerade’ und (aus dem Frz.?) nl. mom ‘verkleidete, maskierte Person’. Der etymologische Zusammenhang beider Bedeutungsstränge scheint offensichtlich, die semantische Auseinanderentwicklung ist jedoch nicht mit Sicherheit erkennbar. Vielleicht ist von einem lautnachahmenden Lallwort mum-, mom- ‘undeutliche Töne von sich geben’ auszugehen. Da auch maskierte Personen Schrecklaute oder (durch die Maske behindert) verdumpfte Laute ausstoßen, kann sich ‘undeutlich reden, Gebrumm’ zu ‘sich maskieren, Maskerade’ entwickelt haben. mummeln Vb. ‘mit tiefer Stimme brummen, undeutlich reden, zahnlos kauen’, auch ‘verhüllen, einhüllen’ (15. Jh.), mnd. mummelen ‘brummen, undeutlich reden, zahnlos kauen’, mnl. nl. mommelen, mummelen ‘brummen’, engl. to mumble ‘murmeln, kauen’. Iterativbildungen zu mummen (s. oben). Vgl. dazu älteres, ebenfalls lautnachahmendes ahd. lefsmammalōn ‘stammeln’ (um 800; zu ahd. lefs s. ↗Lefze). vermumme(l)n Vb. ‘(sich) einwickeln, einhüllen’ (16. Jh.). Mummelgreis m. ‘(zahnloser) alter Mann’ (19. Jh.). Mummenschanz m. älter auch f., ‘Maskerade, Maskenfest’, aus spätmhd. mummen n. ‘Spiel mit Würfeln, Glücksspiel’ (vgl. gleichbed. mfrz. momon) und mhd. schanze ‘Würfelspiel, Glückswurf’ (s. ↗Chance) zusammengesetzt (16. Jh.). Da dieses Spiel während der Fastnachtzeit von maskierten Personen gespielt wurde, konnte sich die Bedeutung ‘Maskerade’ entwickeln und der Bezug auf das Spiel verlorengehen. Mumpitz m. ‘Unsinn, Schwindel’, um die Mitte des 19. Jhs. in Berliner Börsenkreisen aufkommend und sich verbreitend. Wahrscheinlich aus Mumme im Sinne von ‘verhülltes Schreckgespenst’ und Butze ‘Kobold, Knirps’, mhd. butze ‘Poltergeist, Schreckgespenst’ (s. ↗putzig) zusammengesetzt, vgl. obhess. Mombotz ‘Gespenst, Schreckgestalt’, frühnhd. Butzenmummel ‘Popanz, Vogelscheuche’, Mummelputz ‘Vogelscheuche’ (17. Jh.), die als Ausgangsformen für den expressiven Ausdruck Mumpitz ‘schreckenerregendes, unsinniges Gerede oder Tun’ angesehen werden können.

Thesaurus

Synonymgruppe
Blödsinn · ↗Humbug · ↗Nonsens · ↗Unfug · ↗Widersinn  ●  Nonsense  engl. · ↗Unsinn  Hauptform · dümmliches Gerede  variabel · ↗Blech  ugs. · ↗Bockmist  ugs. · ↗Bullshit  derb, engl. · Driss  ugs. · Dummfug  ugs. · ↗Fez  ugs. · ↗Firlefanz  ugs. · ↗Gefasel  ugs., abwertend · ↗Gelaber  ugs. · ↗Geschwafel  ugs. · ↗Gewäsch  ugs. · ↗Heckmeck  ugs. · ↗Kappes  ugs. · ↗Kiki  ugs. · Killefit(t)  ugs., rheinisch · ↗Kohl  ugs. · ↗Kokolores  ugs. · ↗Krampf  ugs. · ↗Käse  ugs. · ↗Mist  ugs. · Mumpitz  ugs. · ↗Papperlapapp  ugs. · ↗Pillepalle  ugs. · ↗Pipifax  ugs. · ↗Quark  ugs. · ↗Quatsch  ugs. · Quatsch mit Soße  ugs., berlinerisch · ↗Scheiß  derb · ↗Scheiße  derb · ↗Schmarren  ugs. · ↗Schmarrn  ugs. · ↗Schmonzes  ugs. · ↗Schmu  ugs. · ↗Schmäh  ugs., österr. · Schwachfug  derb · ↗Schwachsinn  ugs. · ↗Sottise(n)  geh., franz. · ↗Stuss  ugs. · ↗Tinnef  ugs. · dummes Zeug  ugs. · geistiger Durchfall  derb · geistiger Dünnschiss  derb · gequirlte Scheiße  derb · saudummes Zeug  ugs., süddt.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Mumpitz‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Mumpitz‹.

Verwendungsbeispiele für ›Mumpitz‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich halte das für Mumpitz, sofern das Gemüse vorher nicht extra gebraten wird.
Die Zeit, 02.08.2010, Nr. 31
Natürlich spielt das Fernsehen auch hier den Big Brother, sonst würde ja niemand so einen Mumpitz versuchen.
Die Welt, 21.09.2004
Das jedoch war offenbar alles "Mumpitz", wie schon der alte Hoyos kurz vor seinem Tod die Mayerling-Versionen genannt hatte.
Der Spiegel, 07.04.1980
Die Annahme war äußerst fruchtbar und hat viele Entdeckungen ermöglicht, aber sie war Mumpitz.
Schwanitz, Dietrich: Bildung, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 353
Ich konnte bei solchem Pflanz und Mumpitz nie in festliche Stimmung kommen, mußte immer lachen, war immer gereizt.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 26324
Zitationshilfe
„Mumpitz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Mumpitz>, abgerufen am 16.04.2021.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
mumpfen
Mummerei
Mummenschanz
mummen
mummeln
Mumps
Münchhausen
Münchhauseniade
Münchhausiade
Mund