Mundwerk, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungMund-werk (computergeneriert)
eWDG, 1974

Bedeutung

umgangssprachlich
1.
Mund
Beispiele:
sie hat das Mundwerk auf dem rechten Fleck
das Mundwerk stand (ihr) nicht einen Augenblick still
halte dein Mundwerk! (= sei still!)
saloppsein Mundwerk geht wie geschmiert
2.
Anlage, viel zu reden
Beispiele:
ein unerschöpfliches, lautes, schreckliches Mundwerk haben
der hat ein Mundwerk!
so ein Mundwerk!
saloppein freches, dreckiges Mundwerk haben
salopp, berlinischein schnodderiges Mundwerk haben
eine mit flottem Mundwerk, spritzig wie Selterswasser [SchallückWenn man aufhören könnte59]
ich hätte ein loses Mundwerk und die Manieren einer Waschfrau [Feuchtw.Füchse244]
Sprachgewandtheit, Schlagfertigkeit
Beispiele:
jmd. hat ein schnelles, scharfes, sicheres Mundwerk
Sie war ihm an Körperkräften gewachsen und an Mundwerk bedeutend überlegen [G. HermannWordelmann312]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mund1 · munden · münden · Mündung · mündlich · Mundart · mundfaul · Mundraub · Mundwerk
Mund1 m. die durch die Lippen verschließbare Öffnung in der unteren Gesichtshälfte. Die etymologische Zuordnung von ahd. mund (8. Jh.), mhd. mnd. munt, asächs. mund, mnl. mont, nl. mond, anord. munnr, schwed. mun, got. munþs und (mit Nasalausfall und nachfolgender Dehnung des Stammvokals) asächs. mūð, afries. mūth, aengl. mūþ, engl. mouth (germ. *munþa-) ist nicht sicher bestimmbar. Möglich ist Verwandtschaft mit griech. masā́sthai (μασᾶσθαι, aus *μαθ-) ‘kauen, beißen’ und lat. (nasaliert) mandere ‘kauen’ und Annahme von ie. *menth- bzw. schwundstufig *mṇth- ‘kauen, Gebiß, Mund’, so daß Mund als ‘Kauer, Beißer’ gedeutet werden könnte. Wahrscheinlicher ist jedoch eine Verbindung mit kymr. mant ‘Kinnlade, Mund’ und lat. mentum ‘Kinn, Gebäudevorsprung’; dies würde auf eine Verbalwurzel ie. *men- ‘emporragen’ führen, deren in Nominalableitungen auftretende schwundstufige Erweiterung ie. *mṇt- eine Bedeutungsentwicklung von ‘Kinn’ über ‘Kiefer’ zu ‘Mund’ zeigt. munden Vb. ‘gut schmecken’ (16. Jh.). münden Vb. ‘sich ergießen, hineinfließen, enden’ (19. Jh.), wohl aus Mündung rückgebildet; doch vgl. ahd. munden ‘zusammenfließen’ (um 1000) sowie das Kollektivum ahd. gimundi n. ‘Mund, Flußmündung’ (9./10. Jh.), aengl. gemȳþe n. ‘Flußmündung’, in Ortsnamen ahd. Lechsgimundi, mhd. Gemünde, nhd. Gemünd(en), Schwäbisch Gmünd, Neckargemünd und Travemünde. Mündung f. ‘das Hinein-, Zusammenfließen, der Ort des Zusammenflusses’ (18. Jh.), häufig in technischer Verwendung anschließend an Mund im Sinne von ‘Öffnung’, vgl. Mündung eines Geschützes (18. Jh.). mündlich Adj. ‘durch den Mund geäußert, nicht schriftlich, nur in gesprochener Rede’ (16. Jh.), älter muntliche(n) Adv. (15. Jh.). Mundart f. natürlich entstandene Form der vorwiegend gesprochenen Sprache einer geographisch bestimmbaren Sprachgemeinschaft (17. Jh.), Ersatzwort für ↗Dialekt (s. d.). mundfaul Adj. ‘wortkarg, redefaul’ (19. Jh.), oft für gröberes maulfaul. Mundraub m. ‘Entwendung von Lebensmitteln in kleiner Menge zum sofortigen Verbrauch’ (18. Jh.). Mundwerk n. ‘Rede, gute Redegabe’ (16. Jh.), anschließend an Mund als Organ zur Hervorbringung sprachlicher Laute, besonders großes, flinkes Mundwerk in bezug auf die Neigung zu anhaltendem, unüberlegtem, respektlosem Sprechen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Mundwerk  ●  ↗Klappe  ugs. · ↗Lippe  ugs. · ↗Schnauze  ugs. · ↗Schnute  ugs.
Unterbegriffe
  • Berliner Schnauze · loses Maul · loses Mundwerk  ●  ↗Kodderschnauze  ugs. · freches Maul  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Charme Faust Göre Herz Inbetriebnahme Selbstbewußtsein auffallen flink flott frech geölt kess laut locker los scharf schnell schnoddrig stopfen verfügen vorlaut

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Mundwerk‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Spätestens an dieser Stelle begann der Autor leise sein vorlautes Mundwerk zu verwünschen.
Der Tagesspiegel, 20.09.2003
Nun mehren sich auch in der Union wieder die Vorbehalte gegen die Frau mit dem unbedachten Mundwerk.
Der Spiegel, 19.02.1990
Zuerst übt das Kind sein Mundwerk und später erst veräußert es geistige Eindrücke.
Voßler, Karl: Positivismus und Idealismus in der Sprachwissenschaft, Heidelberg: Winter 1904, S. 42
Obergefreiter Schnitzler, der Kammerunteroffizier, war ein dünner, behender Mann mit raschem Mundwerk.
Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1960], S. 138
Sie traf nur das Ladenfräulein mit der gebrannten Lockenfrisur, der geschnürten Taille und dem dreisten Mundwerk an.
Duncker, Dora: Großstadt. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1900], S. 15302
Zitationshilfe
„Mundwerk“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Mundwerk>, abgerufen am 17.11.2019.

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