Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Mundwerk, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Mundwerk(e)s · Nominativ Plural: Mundwerke
Aussprache 
Worttrennung Mund-werk
Wortzerlegung Mund -werk

Bedeutungsübersicht+

  1. [umgangssprachlich] ...
    1. 1. Mund
    2. 2. Anlage, viel zu reden
eWDG

Bedeutung

umgangssprachlich
1.
Mund
Beispiele:
sie hat das Mundwerk auf dem rechten Fleck
das Mundwerk stand (ihr) nicht einen Augenblick still
halte dein Mundwerk! (= sei still!)
saloppsein Mundwerk geht wie geschmiert
2.
Anlage, viel zu reden
Beispiele:
ein unerschöpfliches, lautes, schreckliches Mundwerk haben
der hat ein Mundwerk!
so ein Mundwerk!
saloppein freches Mundwerk haben
saloppein dreckiges Mundwerk haben
salopp, berlinischein schnodderiges Mundwerk haben
eine mit flottem Mundwerk, spritzig wie Selterswasser [ SchallückWenn man aufhören könnte59]
ich hätte ein loses Mundwerk und die Manieren einer Waschfrau [ Feuchtw.Füchse244]
Sprachgewandtheit, Schlagfertigkeit
Beispiele:
umgangssprachlichjmd. hat ein schnelles Mundwerk
jmd. hat ein scharfes Mundwerk
jmd. hat ein sicheres Mundwerk
Sie war ihm an Körperkräften gewachsen und an Mundwerk bedeutend überlegen[.] [ G. HermannWordelmann312]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mund1 · munden · münden · Mündung · mündlich · Mundart · mundfaul · Mundraub · Mundwerk
Mund1 m. die durch die Lippen verschließbare Öffnung in der unteren Gesichtshälfte. Die etymologische Zuordnung von ahd. mund (8. Jh.), mhd. mnd. munt, asächs. mund, mnl. mont, nl. mond, anord. munnr, schwed. mun, got. munþs und (mit Nasalausfall und nachfolgender Dehnung des Stammvokals) asächs. mūð, afries. mūth, aengl. mūþ, engl. mouth (germ. *munþa-) ist nicht sicher bestimmbar. Möglich ist Verwandtschaft mit griech. masā́sthai (μασᾶσθαι, aus *μαθ-) ‘kauen, beißen’ und lat. (nasaliert) mandere ‘kauen’ und Annahme von ie. *menth- bzw. schwundstufig *mṇth- ‘kauen, Gebiß, Mund’, so daß Mund als ‘Kauer, Beißer’ gedeutet werden könnte. Wahrscheinlicher ist jedoch eine Verbindung mit kymr. mant ‘Kinnlade, Mund’ und lat. mentum ‘Kinn, Gebäudevorsprung’; dies würde auf eine Verbalwurzel ie. *men- ‘emporragen’ führen, deren in Nominalableitungen auftretende schwundstufige Erweiterung ie. *mṇt- eine Bedeutungsentwicklung von ‘Kinn’ über ‘Kiefer’ zu ‘Mund’ zeigt. munden Vb. ‘gut schmecken’ (16. Jh.). münden Vb. ‘sich ergießen, hineinfließen, enden’ (19. Jh.), wohl aus Mündung rückgebildet; doch vgl. ahd. munden ‘zusammenfließen’ (um 1000) sowie das Kollektivum ahd. gimundi n. ‘Mund, Flußmündung’ (9./10. Jh.), aengl. gemȳþe n. ‘Flußmündung’, in Ortsnamen ahd. Lechsgimundi, mhd. Gemünde, nhd. Gemünd(en), Schwäbisch Gmünd, Neckargemünd und Travemünde. Mündung f. ‘das Hinein-, Zusammenfließen, der Ort des Zusammenflusses’ (18. Jh.), häufig in technischer Verwendung anschließend an Mund im Sinne von ‘Öffnung’, vgl. Mündung eines Geschützes (18. Jh.). mündlich Adj. ‘durch den Mund geäußert, nicht schriftlich, nur in gesprochener Rede’ (16. Jh.), älter muntliche(n) Adv. (15. Jh.). Mundart f. natürlich entstandene Form der vorwiegend gesprochenen Sprache einer geographisch bestimmbaren Sprachgemeinschaft (17. Jh.), Ersatzwort für Dialekt (s. d.). mundfaul Adj. ‘wortkarg, redefaul’ (19. Jh.), oft für gröberes maulfaul. Mundraub m. ‘Entwendung von Lebensmitteln in kleiner Menge zum sofortigen Verbrauch’ (18. Jh.). Mundwerk n. ‘Rede, gute Redegabe’ (16. Jh.), anschließend an Mund als Organ zur Hervorbringung sprachlicher Laute, besonders großes, flinkes Mundwerk in bezug auf die Neigung zu anhaltendem, unüberlegtem, respektlosem Sprechen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Mundwerk  ●  Klappe  ugs. · Lippe  ugs. · Schnauze  ugs. · Schnute  ugs.

Typische Verbindungen zu ›Mundwerk‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Mundwerk‹.

Verwendungsbeispiele für ›Mundwerk‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nun mehren sich auch in der Union wieder die Vorbehalte gegen die Frau mit dem unbedachten Mundwerk. [Der Spiegel, 19.02.1990]
Vor allem in seiner aktiven Zeit auf dem Rasen brachte ihm sein fränkisches Mundwerk auch immer mal wieder Ärger ein. [Die Zeit, 04.05.2011 (online)]
Apel hat zwar ein schnoddriges Mundwerk, aber er ist beileibe nicht dumm. [Die Zeit, 26.07.1974, Nr. 31]
Das liegt an ihrer offenen Art, etwas despektierlich könnte man auch sagen, an ihrem losen Mundwerk. [Süddeutsche Zeitung, 17.05.2003]
Ein freches Mundwerk aber hat er, zumindest 16 Tage lang. [Süddeutsche Zeitung, 17.08.2002]
Zitationshilfe
„Mundwerk“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Mundwerk>.

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