Nächstenliebe, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungNächs-ten-lie-be
WortzerlegungNächsteLiebe
eWDG, 1974

Bedeutung

gehoben Liebe zu den Mitmenschen
Beispiele:
ein Gebot der Nächstenliebe
etw. aus (christlicher) Nächstenliebe tun
spöttisch, bildlich
Beispiele:
etw. in den Mantel der Nächstenliebe hüllen
etw. mit dem Mantel der christlichen Nächstenliebe bedecken (= über etw. Unangenehmes schweigen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nah · nahe · nahen · Nähe · nähern · Nächster · Nächstenliebe · beinah(e) · nahebei · nahezu
nah nahe Adj. ‘nicht weit entfernt, eng, vertraut’, ahd. nāh (9. Jh.), mhd. nāch, , asächs. nāh, mnd. mnl. , nl. na, afries. nēi, , aengl. nēah, nēh, engl. (dichterisch) nigh, anord. nā- in Zusammensetzungen wie nālægr ‘naheliegend’, got. nēƕ, nēƕa Adv. (germ. *nēhwa-). Herkunft ungesichert. Entweder Kompositum (mit Schwund der ersten Silbe) aus der unter ↗an (s. d.) dargestellten Präp. und der unter ↗Auge (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *oku̯- ‘sehen’, so daß von einer Bedeutung ‘heranschauend, herangewendet’ auszugehen ist? Oder zu ie. *enk̑-, *nek̑- ‘reichen, erreichen, erlangen, tragen’ und damit verwandt mit ↗genug (s. d.)? Eine Verbindung mit lit. pranókti ‘überholen’, lett. nākt ‘gehen, kommen’ stößt des Ablauts wegen auf Schwierigkeiten. nah ist anfänglich Adverb und wird noch lange überwiegend adverbial verwendet (vgl. geläufige Zusammenrückungen wie nahelegen, nahebringen). Adjektivischer Gebrauch setzt zuerst beim Superlativ (nächst) ein, beim Positiv überwiegt zunächst prädikative Verwendung. Das Nebeneinander von nah und nach (gelegentlich noch bis ins 18. Jh.) erklärt sich aus dem regelmäßigen Wechsel von h und ch im Mhd., der im Nhd. fast durchgängig (Ausnahme ↗hoch, s. d.) zugunsten des h ausgeglichen wird. Der überwiegend räumlichen Verwendung folgt ein insgesamt wenig ausgeprägter zeitlicher Gebrauch. nahe wird (bereits ahd.) auch als Präposition mit Dativ verwendet. nahen Vb. ‘näher kommen, nahe herankommen’, ahd. nāhen (8. Jh.), mhd. nāhen, nān ‘nahen, sich nähern’. Nähe f. ‘geringe Entfernung, Nahesein’, ahd. nāhī (9. Jh.), mhd. næhe. nähern Vb. ‘näher bringen’, reflexiv ‘näher herankommen’, mhd. næhern. Nächster m. ‘Mitmensch, Nachbar’, substantivierter Superlativ, ahd. nāhisto (8. Jh.), mhd. nāhste, næhste, frühnhd. neheste, nechste; in starker Flexion (mein Nächster) seit dem 17. Jh. Nächstenliebe f. ‘Liebe zum (hilfsbedürftigen) Mitmenschen’ (18. Jh.). beinah(e) Adv. ‘fast, nahezu, annähernd’, ahd. bī nāh, spätmhd. bīnāhe, bīnāch, frühnhd. beinah neben beinach, das vereinzelt bis ins 18. Jh. begegnet. Daneben noch im 18. Jh. auseinandergeschrieben (vgl. „besser bey naheAdelung). nahebei Adv. ‘dicht dabei, beinahe’, Zusammenrückung (16. Jh.) aus nahe bei, mhd. nāhe bī. nahezu Adv. ‘fast, beinahe’, aus nahe zu (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Caritas · ↗Menschenliebe · Nächstenliebe · ↗Philanthropie · ↗Wohltätigkeit · soziales Engagement

Typische Verbindungen
computergeneriert

Barmherzigkeit Brüderlichkeit Demut Doppelgebot Eigenliebe Feindesliebe Gebot Gewaltlosigkeit Gottesliebe Gottvertrauen Herzensbildung Hilfsbereitschaft Mantel Missionarin Mitgefühl Mitleid Mitmenschlichkeit Pesthauch Selbstliebe Selbstlosigkeit Solidarität Toleranz Wohltätigkeit christlich gelebt praktiziert predigen pur selbstlos tätig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Nächstenliebe‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es könne zwar nicht darum gehen, aus Nächstenliebe mehr zu importieren.
Die Zeit, 11.10.2013 (online)
Großzügig hilft er ihnen, stellt aber ihre Nächstenliebe auf die Probe.
Süddeutsche Zeitung, 19.11.1999
Was ich von der christlichen Nächstenliebe halte, dürfte Dir bekannt sein.
Bachmann, Ingeborg: Malina, Gütersloh: Bertelsmann 1992 [1971], S. 109
Sie sei mutvoll gekommen und werde mutlos gehen und habe das Ende selbst verschuldet, weil sie glaubte, durch ihr Opfer zur Nächstenliebe zu gelangen.
Fath, Rolf: Werke - B. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 351
Auf der andern Seite können sie Werke der »Nächstenliebe« sein.
Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.), Grundriß der Sozialökonomik, Tübingen: Mohr 1922 [1909-1914, 1918-1920], S. 296
Zitationshilfe
„Nächstenliebe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Nächstenliebe>, abgerufen am 22.10.2019.

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