Nähe, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Nähe · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Nä-he (computergeneriert)
Wortbildung  mit ›Nähe‹ als Letztglied: ↗Bodennähe · ↗Erdnähe · ↗Gefrierpunktnähe · ↗Gegenwartsnähe · ↗Grenznähe · ↗Griffnähe · ↗Hafennähe · ↗Kundennähe · ↗Körpernähe · ↗Küstennähe · ↗Lebensnähe · ↗Marktnähe · ↗Naturnähe · ↗Praxisnähe · ↗Realitätsnähe · ↗Rufnähe · ↗Schussnähe · ↗Sonnennähe · ↗Todesnähe · ↗Volksnähe · ↗Werknähe · ↗Wirklichkeitsnähe · ↗Zeitnähe · ↗Äquatornähe
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
geringe räumliche Entfernung
Gegenwort zu Ferne
Beispiele:
etw. aus der Nähe beobachten, betrachten, prüfen
jmdm. etw. aus der Nähe zeigen
ich konnte alles aus nächster Nähe sehen
die Stimme schien aus nächster, unmittelbarer Nähe zu kommen
ein Schuss aus nächster Nähe
Nachbarschaft, unmittelbare Umgebung
Beispiele:
er wohnt ganz in der Nähe, arbeitet hier in der Nähe
es muss hier in der Nähe gewesen sein
in unmittelbarer Nähe befindet sich ein Park
sie suchten sich einen Platz in der Nähe unseres Tisches
bleib bitte, halte dich in der Nähe
ich bin beruhigt, wenn ich dich in der Nähe weiß
wie Kinder ihr heimliches Spiel unterbrechen, sobald ein Erwachsener in die Nähe kommt [KasackStadt525]
2.
das Nahesein
Beispiele:
ich kann seine Nähe nicht ertragen
seine Nähe ist mir lästig
seine Nähe tat ihr wohl
In feierlichen Worten, wie sie nur die Nähe des Todes [eingibt] [MusilMann712]
3.
nahe Zukunft
Gegenwort zu Ferne
Beispiele:
der Termin ist in unmittelbare Nähe gerückt
Erfolge, an die zu glauben sie früher nicht gewagt hätte, lagen in greifbarer Nähe [MusilMann339]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nah · nahe · nahen · Nähe · nähern · Nächster · Nächstenliebe · beinah(e) · nahebei · nahezu
nah nahe Adj. ‘nicht weit entfernt, eng, vertraut’, ahd. nāh (9. Jh.), mhd. nāch, , asächs. nāh, mnd. mnl. , nl. na, afries. nēi, , aengl. nēah, nēh, engl. (dichterisch) nigh, anord. nā- in Zusammensetzungen wie nālægr ‘naheliegend’, got. nēƕ, nēƕa Adv. (germ. *nēhwa-). Herkunft ungesichert. Entweder Kompositum (mit Schwund der ersten Silbe) aus der unter ↗an (s. d.) dargestellten Präp. und der unter ↗Auge (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *oku̯- ‘sehen’, so daß von einer Bedeutung ‘heranschauend, herangewendet’ auszugehen ist? Oder zu ie. *enk̑-, *nek̑- ‘reichen, erreichen, erlangen, tragen’ und damit verwandt mit ↗genug (s. d.)? Eine Verbindung mit lit. pranókti ‘überholen’, lett. nākt ‘gehen, kommen’ stößt des Ablauts wegen auf Schwierigkeiten. nah ist anfänglich Adverb und wird noch lange überwiegend adverbial verwendet (vgl. geläufige Zusammenrückungen wie nahelegen, nahebringen). Adjektivischer Gebrauch setzt zuerst beim Superlativ (nächst) ein, beim Positiv überwiegt zunächst prädikative Verwendung. Das Nebeneinander von nah und nach (gelegentlich noch bis ins 18. Jh.) erklärt sich aus dem regelmäßigen Wechsel von h und ch im Mhd., der im Nhd. fast durchgängig (Ausnahme ↗hoch, s. d.) zugunsten des h ausgeglichen wird. Der überwiegend räumlichen Verwendung folgt ein insgesamt wenig ausgeprägter zeitlicher Gebrauch. nahe wird (bereits ahd.) auch als Präposition mit Dativ verwendet. nahen Vb. ‘näher kommen, nahe herankommen’, ahd. nāhen (8. Jh.), mhd. nāhen, nān ‘nahen, sich nähern’. Nähe f. ‘geringe Entfernung, Nahesein’, ahd. nāhī (9. Jh.), mhd. næhe. nähern Vb. ‘näher bringen’, reflexiv ‘näher herankommen’, mhd. næhern. Nächster m. ‘Mitmensch, Nachbar’, substantivierter Superlativ, ahd. nāhisto (8. Jh.), mhd. nāhste, næhste, frühnhd. neheste, nechste; in starker Flexion (mein Nächster) seit dem 17. Jh. Nächstenliebe f. ‘Liebe zum (hilfsbedürftigen) Mitmenschen’ (18. Jh.). beinah(e) Adv. ‘fast, nahezu, annähernd’, ahd. bī nāh, spätmhd. bīnāhe, bīnāch, frühnhd. beinah neben beinach, das vereinzelt bis ins 18. Jh. begegnet. Daneben noch im 18. Jh. auseinandergeschrieben (vgl. „besser bey naheAdelung). nahebei Adv. ‘dicht dabei, beinahe’, Zusammenrückung (16. Jh.) aus nahe bei, mhd. nāhe bī. nahezu Adv. ‘fast, beinahe’, aus nahe zu (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Gemeinschaft · Nähe · ↗Seelenverwandtschaft · ↗Verbundenheit · ↗Vertrautheit  ●  ↗Familiarität  geh.
Unterbegriffe
  • Reichsadelsstand · Reichsritterschaft
Assoziationen
  • (mit jemandem) per Du sein · ↗(sich) duzen · Du zueinander sagen  ●  (mit jemandem) auf Du und Du stehen  auch figurativ
Synonymgruppe
Innigkeit · ↗Intimität · Nähe · ↗Vertraulichkeit
Assoziationen
  • Genophobie · Sexualangst
Synonymgruppe
Nahesein · Nähe
Assoziationen
  • auf den Fuß (folgen) · in der Nähe · ↗nah · ↗nahe · nahe daran · ↗nahebei · ↗unweit (von)  ●  auf Tuchfühlung  ugs.
Synonymgruppe
Nähe · nahe Umgebung
Assoziationen
  • auf den Fuß (folgen) · in der Nähe · ↗nah · ↗nahe · nahe daran · ↗nahebei · ↗unweit (von)  ●  auf Tuchfühlung  ugs.

Typische Verbindungen zu ›Nähe‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Nähe‹.

Verwendungsbeispiele für ›Nähe‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Andere lasteten ihm zu große Nähe zum Weißen Haus an.
Die Zeit, 16.09.2013, Nr. 38
Beim Umfahren der Ecke habe er die Gruppe noch aus nächster Nähe beieinanderstehen sehen.
Hannover, Heinrich: Die Republik vor Gericht 1975 - 1995, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1999], S. 155
Ich habe mir eingebildet, einen Tag in meiner Nähe und sie schmilzt dahin.
Becker, Jurek: Amanda herzlos, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1993 [1992], S. 261
Das Ziel, an dem die richtige Theorie die Massen ergreifen würde, schien den revolutionären Studenten in unmittelbarer Nähe.
konkret, 1992
Allmorgendlich bezog ich nun in der Nähe des Baus Position.
Maltzan, Maria von: Schlage die Trommel und fürchte dich nicht, Berlin: Ullstein 1998 [1986], S. 39
Zitationshilfe
„Nähe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/N%C3%A4he>, abgerufen am 07.08.2020.

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