Nachlass, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Nachlasses · Nominativ Plural: Nachlasse
GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Nachlasses · Nominativ Plural: Nachlässe
WorttrennungNach-lass (computergeneriert)
Grundformnachlassen
Ungültige SchreibungNachlaß, s. Regelwerk: § 2§ 2
Wortbildung mit ›Nachlass‹ als Erstglied: ↗Nachlass-Stundung · ↗Nachlassempfänger · ↗Nachlassgericht · ↗Nachlasskonkurs · ↗Nachlasspfleger · ↗Nachlassstundung · ↗Nachlassverwalter
 ·  mit ›Nachlass‹ als Letztglied: ↗Preisnachlass · ↗Steuernachlass
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
das, was ein Verstorbener hinterlassen hat, Hinterlassenschaft
Beispiele:
den Nachlass ordnen, pflegen, verwalten
aus dem literarischen Nachlass des Dichters (= seinen zurückgelassenen Werken) wurden zwei Novellen veröffentlicht
der bewegliche Nachlass fiel dem Freund des Verstorbenen zu
die Briefe wurden in seinem Nachlass gefunden
2.
Preisherabsetzung, Ermäßigung
Beispiel:
in den Sommermonaten wird auf Briketts ein Nachlass gewährt
3.
Erlass
Beispiel:
[die Amnestie] brachte ihm den Nachlaß von zehn Monaten seiner Haft [BebelAus meinem Leben259]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lassen · ablassen · unablässig · anlassen · Anlasser · Anlaß · anläßlich · veranlassen · auslassen · ausgelassen · einlassen · Einlaß · entlassen · Entlassung · erlassen · Erlaß · unerläßlich · hinterlassen · Hinterlassenschaft · nachlassen · Nachlaß · nachlässig · vernachlässigen · niederlassen · Niederlassung · überlassen · unterlassen · Unterlaß · verlassen · Verlaß · verläßlich · zulassen · zulässig
lassen Vb. ‘dulden, erlauben, bitten, veranlassen, daß etw. geschieht, unterlassen, aufhören mit etw., überlassen, geben, aufgeben’. Das gemeingerm., ehemals reduplizierende Verb ahd. lāʒan (8. Jh.), Kurzform lān, mhd. lāʒen, lān, asächs. lātan, mnd. mnl. lāten, nl. laten, aengl. lǣtan, engl. to let, anord. lāta, schwed. låta, got. lētan ist mit den unter ↗lasch und ↗lässig (s. d.) angegebenen Formen und außergerm. mit griech. lēdé͞in (ληδεῖν) ‘träge, müde sein’, lat. lassus (aus *lədto-) ‘laß, matt, müde, abgespannt’, alban. lodh ‘er ermüdet jmdn.’ und lit. léisti ‘(los)lassen, freilassen’ auf eine Wurzelerweiterung ie. *lē(i)d-, *ləd- der Wurzel ie. *lē(i)- ‘nachlassen’ rückführbar. ablassen Vb. ‘von etw., jmdm. abstehen, aufgeben, entweichen lassen, herniederlassen, (käuflich) überlassen’, ahd. oblāʒan (für gewöhnliches aba-) ‘erlassen, Nachlaß gewähren’ (8. Jh.), mhd. abelāʒen, auch ‘aufgeben, Abstand nehmen, losgehen lassen, entweichen lassen, niederlassen’; s. ↗Ablaß; unablässig Adj. ‘nicht ablassend, andauernd, ohne Unterbrechung’ (16. Jh.). anlassen Vb. ‘(Kleidung) nicht ablegen, eine Vorrichtung nicht ausschalten, einen Motor in Gang setzen’, reflexiv ‘beginnen, in Betrieb kommen’; vgl. ahd. analāʒan ‘hineinlassen, etw. über jmdn. (sich) kommen lassen’ (8. Jh.), mhd. anelāʒen ‘erfinden, angeben, loslassen, in Bewegung setzen’; Anlasser m. ‘Vorrichtung zum In-Gang-Setzen eines Motors, einer Maschine’ (älter Anlaßhebel, 19. Jh.), bei Elektromotoren ‘vorgeschalteter Widerstand, der ein langsames Anlaufen gewährleistet’ (um 1900); Anlaß m. ‘Ursache, Grund’, mhd. ane-, anlāʒ ‘Anfang, Beginn, Punkt, von dem ein Wettrennen ausgeht, Anreiz, Gelegenheit, Kompromiß’; anläßlich Präp. ‘bei Gelegenheit, aus Anlaß’ (19. Jh.), älter (selten) auch adjektivisch und adverbial (15. Jh.); veranlassen Vb. (schwach flektierend) ‘anregen, anordnen, bewirken’, frühnhd. ‘etw. auf jmdn. schieben, jmdn. für etw. auswählen’ (15. Jh.). auslassen Vb. ‘loslassen, weglassen, nicht beachten, (Kleider) verlängern, (Ärger, Zorn) Unschuldige entgelten lassen’, ahd. ūʒlāʒan ‘fortschicken, ausschütten, freilassen, nicht zurückhalten, vergießen, aussprechen, beenden’ (9. Jh.), mhd. ūʒlāʒen; ausgelassen Part.adj. ‘unbändig, hemmungslos’ (vgl. in älterer Sprache ausgelassener Trotz, ausgelassene Leidenschaft), ‘sehr fröhlich’, eigentlich ‘freigelassen’ (16. Jh.). einlassen Vb. ‘herein-, hineinlassen, einfügen’, reflexiv ‘auf etw. eingehen, mit jmdm. verkehren’, ahd. inlāʒan ‘hineinwerfen, einlassen’ (8. Jh.), mhd. īnlāʒen; Einlaß m. ‘das Hineinlassen, Öffnen, Eintritt, Tür’ (16. Jh., Einlaß begehren). entlassen Vb. ‘freigeben, verabschieden, (aus einem Amt) wegschicken, jmds. (Arbeits)vertrag aufkündigen’, ahd. intlāʒan ‘nachlassen, verzeihen, loslassen, lösen, entspannen, weichen’ (8. Jh.), mhd. entlāʒen ‘loslassen, fahrenlassen’, reflexiv ‘sich entfalten’; Entlassung f. ‘Freilassung, Verabschiedung, Entfernung aus einem Amt’ (17. Jh.). erlassen Vb. ‘in Kraft treten lassen, anordnen, von etw. befreien, eine Anordnung aufheben’, ahd. irlāʒan ‘unterlassen, befreien von’ (9. Jh.), mhd. erlāʒen ‘wovon freilassen’, reflexiv ‘auseinandergehen, sich enthalten, unterlassen’; Erlaß m. ‘Verfügung, Anordnung, Aufhebung’ (18. Jh.); unerläßlich Adj. ‘unbedingt erforderlich, nicht aufhebbar’ (17. Jh.). hinterlassen Vb. ‘(einem anderen) zurücklassen, etw. vererben’ (16. Jh.); Hinterlassenschaft f. ‘Zurückgelassenes, Erbe’ (19. Jh.). nachlassen Vb. ‘Spannung lockern, vermindern, schlechter werden, zurücklassen, Preise herabsetzen’, spätmhd. nāchlāʒen; Nachlaß m. ‘das Nachlassen’ (16. Jh.), ‘Hinterlassenschaft’ (18. Jh.), literarischer Nachlaß (19. Jh.); nachlässig Adj. ‘säumig, unzuverlässig, unordentlich’ (15. Jh.); vernachlässigen Vb. ‘nicht gehörig betreuen oder beachten’ (18. Jh., durch Lessing und Goethe verbreitet). niederlassen Vb. ‘von oben herunterlassen’, reflexiv ‘sich ansiedeln, einen festen Wohnsitz, ein Geschäft, eine Firma einrichten’, ahd. nidarlāʒan ‘sinken lassen, nach unten wenden, hinab-, herablassen, versenken’ (9. Jh.), mhd. niderlāʒen; Niederlassung f. ‘das Senken, Ansiedlung, Gründung eines geschäftlichen Unternehmens, Filiale’ (16. Jh.). überlassen Vb. ‘abtreten, übergeben, anheimstellen’ (15. Jh.). unterlassen Vb. ‘nicht tun, versäumen zu tun’, ahd. untarlāʒan (9. Jh.), mhd. underlāʒen ‘abstehen, nicht tun’; Unterlaß m. nur noch in der Fügung ohne Unterlaß ‘ohne Unterbrechung, unaufhörlich’, ahd. āno untarlāʒ, mhd. āne underlāʒ; vgl. ahd. untarlāʒ ‘Unterbrechung’ (9. Jh.), mhd. underlāʒ ‘das Innehalten, Unterbrechung, Beherbergen’, frühnhd. auch ‘Unterkunft, Lagerplatz’ (16. Jh.). verlassen Vb. ‘sich von einem Ort, von jmdm. entfernen, aufgeben, zurück-, alleinlassen’, reflexiv sich verlassen auf ‘vertrauen’, ahd. firlāʒan ‘entlassen, vorbei-, zurücklassen’ (8. Jh.), mhd. verlāʒen ‘fahrenlassen, fort-, loslassen, anbefehlen, verzeihen, zulassen, anvertrauen, hinterlassen, vertrauen’; Verlaß m. ‘Vertrauen, Zuverlässigkeit’ (19. Jh.), frühnhd. ‘Verabredung, Absprache’, auch ‘Hinterlassenschaft’, mhd. verlāʒ ‘Lässigkeit, Untätigkeit’; heute in der Wendung auf jmdn., etw. ist (kein) Verlaß, wohl aus dem Nd., vgl. dar is nien verlaat to (18. Jh.); verläßlich Adj. ‘zuverlässig’ (19. Jh.), dafür zuvor verlässig (18. Jh.). zulassen Vb. ‘gestatten, erlauben’, ahd. zuolāʒan ‘hinzulassen, zukommen lassen, zuschicken’ (10. Jh.), mhd. zuolāʒen; zulässig Adj. ‘erlaubt, gestattet’ (16. Jh.), ‘annehmbar, möglich’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Erbe · ↗Erbgut · ↗Erbschaft · ↗Hinterlassenschaft · ↗Legat · Nachlass · ↗Vermächtnis  ●  ↗Erbteil  schweiz. · ↗Hypothek  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
Abschlag · ↗Abzug · ↗Aktionspreis · Nachlass · ↗Preisabschlag · ↗Preisabzug · ↗Preisermäßigung · ↗Preisnachlass · ↗Preissenkung · ↗Rabatt · ↗Sonderpreis · herabgesetzter Preis
Assoziationen
  • Abzug vom Rechnungsbetrag · Barzahlungsnachlass · Rechnungsabzug (bei Einhaltung der Skontofrist) · ↗Skonto
  • Beigabe · ↗Bonus · ↗Dreingabe · ↗Extra · ↗Nachschlag · ↗Naturalrabatt · ↗Zugabe  ●  ↗Bonbon  fig. · ↗Draufgabe  österr.
  • Erstattung · ↗Restitution · ↗Rückerstattung · Rückgewähr · ↗Rückvergütung · ↗Rückzahlung · Zurückzahlung  ●  ↗Refundierung  fachspr., österr.
  • Aktionsware · als Schnäppchen · als Sonderangebot · aus dem 1-Euro-Laden · besonders preisgünstig · fast umsonst · herabgesetzt · praktisch für umsonst · preisreduziert · rabattiert · ↗reduziert · runtergesetzt · unter Einstandspreis · unter Preis · verbilligt · vom Schnäppchen-Markt · vom Wühltisch · zu Dumpingpreisen · zum (einmaligen) Sonderpreis · zum Schleuderpreis · zum Spottpreis  ●  (im Preis) heruntergesetzt  Hauptform · hinterhergeworfen (bekommen)  variabel, fig. · als Super-Schnäppchen  ugs. · fast geschenkt  ugs. · für ein Butterbrot  ugs. · für ein Trinkgeld  ugs., fig. · für einen Apfel und ein Ei  ugs. · ↗günstig  ugs. · nachgeschmissen bekommen  ugs., fig. · super-günstig  ugs. · vom Grabbeltisch  ugs. · von der Resterampe  ugs.
  • Abgeld · ↗Abschlag · Ausgabeabschlag · ↗Damnum · ↗Disagio

Typische Verbindungen
computergeneriert

Archiv Bildhauer Fragment Konvolut Lebzeiten Manuskript Schenkung Versteigerung Verwalter edieren erwerben fotografisch gesamt gewähren handschriftlich herausgeben künstlerisch literarisch ordnen schriftlich schriftstellerisch sichten stammen umfangreich unveröffentlicht vermachen versteigern verwahren verwalten währen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Nachlass‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Arbeit von H. P. Zimmer stammt aus dessen Nachlass.
Die Welt, 04.04.2000
Die erhaltenen Aufnahmen - ein halbes Hundert - fanden sich in seinem Nachlaß.
Der Tagesspiegel, 28.07.1999
Man würde sonst krankhafte Aufzeichnungen in seinem Nachlaß entdeckt haben.
Gütersloh, Albert Paris: Sonne und Mond, München: Piper 1984 [1962], S. 6
Ein amtliches Papier, das sie mitgebracht hatte, ermächtigte sie, seinen Nachlaß an sich zu nehmen.
Bergengruen, Werner: Der letzte Rittmeister, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1956 [1952], S. 329
Leider scheint der literarische Nachlaß des interessanten Mannes nicht zugänglich zu sein.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1939, S. 273
Zitationshilfe
„Nachlass“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Nachlass>, abgerufen am 16.12.2018.

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