Naht, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Naht · Nominativ Plural: Nähte
Aussprache
Wortbildung mit ›Naht‹ als Erstglied: ↗Nahtband · ↗Nahtstelle · ↗Nahtzugabe · ↗nahtlos
 ·  mit ›Naht‹ als Letztglied: ↗Doppelnaht · ↗Gussnaht · ↗Heftnaht · ↗Hohlnaht · ↗Hosennaht · ↗Kappnaht · ↗Kettelnaht · ↗Kreuznaht · ↗Lambdanaht · ↗Lötnaht · ↗Quernaht · ↗Rückennaht · ↗Saumnaht · ↗Schulternaht · ↗Schweißnaht · ↗Steppnaht · ↗Teilungsnaht · ↗Verbindungsnaht · ↗Zickzacknaht · ↗Ziernaht · ↗Ärmelnaht
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
Linie, die gebildet wird, wenn zwei Teile, Stoffteile zusammengenäht werden
Beispiele:
eine Naht steppen, bügeln, auftrennen
eine gerade, doppelte Naht
unter dem Ärmel, am Schuh ist die Naht geplatzt, aufgegangen
die Naht (der Wunde) ist gut verheilt, kaum noch sichtbar
Atlastaillen, die in den Nähten krachen [Th. Mann11,34]
bildlich
Beispiel:
umgangssprachlich jmd. geht, platzt aus allen, aus den Nähten (= ist dick geworden)
2.
Technik Linie, die gebildet wird, wenn zwei Teile, Metallteile zusammengeschweißt, zusammengelötet werden
Beispiel:
eine Naht schweißen
3.
Biologie Stelle, an der Knochen, Schädelknochen zusammenstoßen
Beispiel:
über die Nähte des glänzenden Schädels fiel eine dünne Locke herab [FlakeSchritt9]
4.
salopp
Beispiele:
du wirst gleich eine Naht beziehen (= du wirst gleich eine Tracht Prügel beziehen)
jmdm. auf die Nähte rücken, auf den Nähten knien (= jmdn. bedrängen)
wir sitzen uns, einander auf den Nähten (= wohnen eng zusammen)
ich habe noch kaum mit meiner Frau gesprochen und eine kleine Naht (= ein bisschen) vorgeschlafen [A. ZweigEinsetzung242]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nähen · Naht · Näherin · Nähmaschine
nähen Vb. ‘(Stoff)teile mit Stichen verbinden, schneidern’, ahd. nāen (9. Jh.), mhd. næjen, næn, nægen, næwen, mnd. neyen, mnl. naeyen, nl. naaien (germ. *nējan) führen mit verwandten Wörtern wie griech. nḗn (νῆν, aus *ονηιειν) ‘spinnen’, nḗma (νῆμα) ‘Gespinst, Faden’, lat. nēre ‘spinnen’, nēmen ‘Gespinst, Gewebe’, (ablautend) kymr. nyddu ‘spinnen’, lit. nýtis ‘Weberkamm’, russ. nit’ (нить) ‘Faden’, (mit anlautendem s-) mir. snīm ‘das Spinnen’, air. snāth(e) ‘Faden’ auf die Wurzelformen ie. *(s)nē-, *(s)nēi- ‘Fäden zusammendrehen, mit dem Faden hantieren, weben, spinnen, nähen’. Das innerhalb des Germ. nur im Dt. und Nl. bezeugte Verb muß, wie die Ableitung ↗Nadel (s. d.) zeigt, ursprünglich weiter verbreitet gewesen sein. Auf die dentale Wurzelerweiterung ie. *ned- gehen ↗Nessel, ↗nesteln und ↗Netz (s. d.) zurück. Naht f. ‘Stofflinie, an der etw. zusammengenäht ist’, ahd. nāt (11. Jh.), mhd. mnd. nāt, mnl. naet, nl. naad, ti-Abstraktum zum Verb. Vielfach übertragen auf Nahtähnliches, bereits mhd. ‘Verbindungsstelle der (Schädel)knochen’ (14. Jh.), ‘Verbindung zusammengelöteter oder -geschweißter Metallteile’ (18. Jh.), vgl. Schweißnaht. Näherin f. ‘mit Nadel und Faden Nähende’, frühnhd. naegerinne, neierin (15./16. Jh.); voraus geht das zu den alten Formen von Naht gebildete Nomen agentis ahd. nātāri, nāteri (11. Jh.), mhd. nātære ‘Näher, Schneider’, wozu mhd. nātærinne, næterīn f., nhd. (älter) Nähterin. Nähmaschine f. (Mitte 19. Jh.), Übersetzung von engl. sewing-machine.

Thesaurus

Synonymgruppe
Naht · ↗Saum
Synonymgruppe
Bergrücken · ↗Bergzug · ↗Gebirgsgrat · ↗Grat · ↗Höhenrücken · ↗Kamm · Naht
Oberbegriffe
  • nicht lebendes Objekt · unbelebtes Objekt

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abnäher Falte Kante Leder Lederlenkrad Naht Nylonstrumpf Reißverschluß Saum Sohle Strumpf abgesetzt aufgeplatzt aufgetrennt aufplatzen auftrennen bersten bügeln geplatzt gerad geschweißt krachen nähen platzen schweißen seitlich steppen undicht verschweißen verschweißt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Naht‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Hier eine eingerissene Naht, dort eine abgewetzte Stelle, die Hose sieht aus wie seit Jahren getragen.
Die Welt, 19.01.2004
Mal krachte der Saal aus allen Nähten, dann wieder kam keiner mehr.
Der Tagesspiegel, 02.06.2000
Mit doppelreihigen feinen Nähten verschließe ich die beiden durch meinen Schnitt entstandenen Öffnungen.
Killian, Hans: Auf Leben und Tod, München: Wilhelm Heyne Verlag 1976, S. 210
Beim Aufschneiden der Naht dachte ich mit Grauen an Wolf.
Renn, Ludwig [d. i. Vieth v. Golßenau, Arnold Friedrich]: Krieg - Nachkrieg, Berlin: Aufbau-Verl. 1951 [1928], S. 298
Dann den Ärmel so hinlegen wie auf dem Foto und die hintere Naht zusammenstecken und heften.
Janusch, Antonie: Unser Schneiderbuch, Leipzig: Verlag für d. Frau 1979 [1965], S. 19
Zitationshilfe
„Naht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Naht>, abgerufen am 17.07.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Nähstunde
Nähstube
Nähstich
nahsichtig
Nähseide
Nahtband
Nähtisch
nahtlos
Nahtmaterial
Nahtod