Natur, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Natur · Nominativ Plural: Naturen
Aussprache
WorttrennungNa-tur
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›Natur‹ als Erstglied: ↗Naturanlage · ↗Naturarzt · ↗Naturbegabung · ↗Naturbeherrschung · ↗Naturbeobachtung · ↗Naturbeschreibung · ↗Naturbursche · ↗Naturbühne · ↗Naturdarm · ↗Naturdenkmal · ↗Naturdünger · ↗Naturedelstein · ↗Natureindruck · ↗Naturenergie · ↗Naturerbe · ↗Naturereignis · ↗Naturerscheinung · ↗Naturerzeugnis · ↗Naturfarbe · ↗Naturfarbstoff · ↗Naturfaser · ↗Naturforscher · ↗Naturforschung · ↗Naturfreund · ↗Naturfrevel · ↗Naturgas · ↗Naturgefühl · ↗Naturgenuss · ↗Naturgeschehen · ↗Naturgeschichte · ↗Naturgesetz · ↗Naturgesetzlichkeit · ↗Naturgewalt · ↗Naturhafen · ↗Naturharz · ↗Naturheilarzt · ↗Naturheilkunde · ↗Naturheilkundige · ↗Naturheilmittel · ↗Naturheilverfahren · ↗Naturhorn · ↗Naturkatastrophe · ↗Naturkautschuk · ↗Naturkind · ↗Naturkork · ↗Naturkraft · ↗Naturkunde · ↗Naturlandschaft · ↗Naturlehre · ↗Naturlehrpfad · ↗Naturliebhaber · ↗Naturlocke · ↗Naturlyrik · ↗Naturmaterial · ↗Naturmensch · ↗Naturnotwendigkeit · ↗Naturnähe · ↗Naturpark · ↗Naturprodukt · ↗Naturprozess · ↗Naturrasen · ↗Naturreichtum · ↗Naturreis · ↗Naturreligion · ↗Naturschauspiel · ↗Naturschilderung · ↗Naturschutz · ↗Naturschwärmer · ↗Naturschwärmerei · ↗Naturschönheit · ↗Naturseide · ↗Naturspiel · ↗Naturstein · ↗Naturszene · ↗Naturtheater · ↗Naturtreue · ↗Naturverbundenheit · ↗Naturverhältnis · ↗Naturverständnis · ↗Naturvolk · ↗Naturvorgang · ↗Naturwein · ↗Naturwesen · ↗Naturwissenschaft · ↗Naturwissenschaftler · ↗Naturwunder · ↗naturbedingt · ↗naturbegeistert · ↗naturbelassen · ↗naturblond · ↗naturell · ↗naturfarben · ↗naturgegeben · ↗naturgemäß · ↗naturgetreu · ↗naturhaft · ↗naturheilkundig · ↗naturnah · ↗naturnahe · ↗naturnotwendig · ↗naturrein · ↗naturtreu · ↗naturtrüb · ↗naturverträglich · ↗naturwidrig
 ·  mit ›Natur‹ als Letztglied: ↗Abenteuernatur · ↗Abenteurernatur · ↗Ausnahmenatur · ↗Bauernnatur · ↗Bärennatur · ↗Doppelnatur · ↗Frohnatur · ↗Froschnatur · ↗Klassennatur · ↗Kraftnatur · ↗Kämpfernatur · ↗Künstlernatur · ↗Menschennatur · ↗Pferdenatur · ↗Rebellennatur · ↗Rechtsnatur · ↗Rossnatur · ↗Spielernatur · ↗Strebernatur · ↗Unnatur · ↗Urnatur · ↗Zwitternatur
 ·  mit ›Natur‹ als Binnenglied: ↗Zweinaturenlehre · ↗renaturieren
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
nur im Singular
alle außerhalb und unabhängig vom Bewusstsein existierenden Dinge und Erscheinungen, die nicht durch die Tätigkeit des Menschen geschaffen wurden
a)
Beispiele:
die belebte, unbelebte, organische, anorganische Natur
die Gesetze der Natur
die Umgestaltung der Natur
der Mensch verändert die Natur, macht sich [Dativ] die Natur untertan, dringt in die Geheimnisse der Natur ein, erforscht die Natur
etw. der Natur entreißen
gehoben auf Vorstellungen von der Natur als tätigem Subjekt zurückgehend
Beispiele:
Mutter Natur
die Natur schafft, bildet etw.
die Kräfte, das Walten der Natur
dieser Kristall ist ein Meisterstück, Wunderwerk der Natur
er ist von der Natur stiefmütterlich bedacht, behandelt worden (= hat irgendein Gebrechen)
Wo faß ich dich, unendliche Natur [GoetheFaust455]
b)
das Gewachsene; das nicht künstlich von Menschen Geschaffene oder Veränderte
Beispiele:
das ist (noch) unverfälschte, ursprüngliche Natur
von Natur (aus)
ohne menschliches Zutun
Beispiele:
ein Baum, wie er von Natur gewachsen ist
von Natur (aus) blonde Haare
nach der Natur (= nicht nach einem Abbild) zeichnen
2.
nur im Singular
(unberührte) Landschaft mit ihrer Pflanzenwelt und Tierwelt
Beispiele:
die Natur des Kaukasus, der Antarktis erleben
die märchenhafte, fremde Natur Indiens
die blühende, lachende, liebliche, lebendige, erwachende Natur
gehoben die Natur geht schlafen, stirbt (= es wird winterlich)
die Natur genießen, beobachten
diese Tiere leben, gedeihen nur in der freien Natur
hinaus in die Natur
in die Natur hinauswandern
umgangssprachlich bei Mutter Natur (= im Freien) übernachten
dichterisch an den Busen der Natur flüchten
wenn ich halbe Nächte, in den Mantel gehüllt, bei Regen und Sturm durch die feindliche, entblätterte Natur lief [HesseSteppenw.4,211]
Wenn es Ihnen recht ist, bleiben wir noch in Gottes freier Natur [FontaneStechlinI 5,101]
Ab und zu habe ich es satt, Gantenbein zu spielen, und begebe mich in die Natur [FrischGantenbein121]
Wenn ich die Natur meide, zeigen mir Kulturfilme diese geschickten Wasservögel [GrassKatz177]
dichterisch [wenn er] für ein freies einfaches Leben am Busen der Natur eintrat [BrochEsch39]
3.
Gesamtheit biologischer Anlagen (und Bedürfnisse) des Menschen
Beispiele:
die Natur (des Kranken) muss, wird sich selbst helfen
das ist wider, gegen die Natur
der Stimme der Natur folgen
da können die Jungens nichts dafür; ... es ist die Natur, und es ist nicht leicht, mit der Natur fertig zu werden [BöllBillard237]
körperliche Beschaffenheit
Beispiel:
er hat eine gute, kräftige, eiserne, gesunde, schwächliche Natur
4.
Wesen, Art, Charakter
a)
einer Person
Beispiele:
das liegt in seiner Natur
er kann seine Natur nicht verleugnen, ändern
die Naturen der Menschen sind verschieden
Das liegt schon so in der menschlichen Natur, daß der Mensch sich bis zu seinem Tode irrt [BrechtSchweyk2]
Veranlagung, Gemütsart
Beispiele:
sie hat eine glückliche, friedfertige, leicht erregbare Natur
er ist von Natur (aus) schüchtern, gutmütig, jähzornig
sie ist liebenswürdig, empfindlich von Natur
Heucheln war seiner innersten Natur zuwider
eine Bitte abzuschlagen, sei ganz gegen ihre Natur [BahrHimmelfahrt208]
etw. wird jmdm. zur zweiten Naturetw. wird jmdm. zur festen Gewohnheit
Beispiele:
das Lügen ist ihm zur zweiten Natur geworden
Auch war mir das Schweigen ... so zur anderen Natur geworden [G. KellerPankraz6,38]
übertragen Person von bestimmtem Charakter, von bestimmter Gemütsart
Beispiele:
er ist eine schöpferische, liebenswürdige Natur
problematische, sentimentale Naturen
er wußte, daß dieser trotz seiner Übertretungen eine innerlich unverfälschte und wahrhafte Natur geblieben war [C. F. Meyer1,298]
sie war keine von den Naturen, die durch ihr Blut der Ehe zugetrieben werden [Storm5,104]
b)
einer Sache
Beispiele:
es liegt in der Natur der Sache, Dinge, dass ...
die Natur eines Rechtsverhältnisses
hier handelt es sich um Fragen grundsätzlicher, allgemeiner Natur
er machte eine Bemerkung prinzipieller Natur
die (krankhaften) Erscheinungen sind nervöser Natur
die Verletzung ist nur leichter Natur
Der Vetter hatte oft von der Natur der Eifersucht gesprochen, wie sie aus sich selbst entstehe und sich nähre [O. LudwigHimmel u. Erde1,268]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Natur · Naturforscher · Naturgeschichte · Naturkunde · Naturwissenschaft · naturwüchsig · natürlich · Naturell · Naturalien · Naturalismus · Naturalist · naturalisieren
Natur f. ‘Gesamtheit des Gewachsenen, Gewordenen, Landschaft mit Tier- und Pflanzenwelt, Wesen, Anlage, Charakter’, ahd. natūra (9. Jh.), mhd. natūre ist Entlehnung von lat. nātūra, eigentlich ‘Geburt, Geborensein’, einer Bildung zu lat. nātus ‘geboren’, Part. Perf. von lat. nāscī ‘geboren werden, entstehen, wachsen’. Eine Nebenform mhd. natiur(e) zeigt Einfluß von afrz. nature. In allen wichtigen Verwendungen folgt Natur den im Lat. vorgeprägten Bedeutungen. Naturforscher m. (17. Jh.), für älteres Naturkündiger (16. Jh.), ahd. natūrosago (um 1000). Naturgeschichte f. auch Naturhistorie (18. Jh.), lat. historia nātūrālis. Naturkunde f. (17. Jh.). Naturwissenschaft f. (18. Jh.). naturwüchsig Adj. ‘urwüchsig’, seit der 1. Hälfte des 19. Jhs. im Sinne von ‘frei organisch wachsend, sich naturnah entfaltend’. natürlich Adj. ‘der Natur gemäß, angeboren, nicht künstlich, unverbildet, ungezwungen’, adverbial im Sinne von ‘selbstverständlich, freilich’, ahd. natūrlīh (um 1000), mhd. natūrlich, natiurlich. Naturell n. ‘Veranlagung, Gemütsart’, im 17. Jh. entlehnt aus gleichbed. frz. naturel, Substantivierung des Adjektivs frz. naturel ‘natürlich, der Natur entsprechend’, das auf lat. nātūrālis ‘durch Geburt, durch die Natur entstanden’ zurückgeht. Naturalien Plur. ‘Erzeugnisse der Natur, landwirtschaftliche Produkte’ (17. Jh.), besonders ‘Lebensmittel’ (Ende 18. Jh.), entlehnt aus lat. nātūrālia (dem substantivierten Neutr. Plur. von nātūrālis, s. oben). Seit dem 18. Jh. auch im Sinne von ‘Naturmerkwürdigkeiten, Schaustücke naturkundlicher Sammlungen’, vgl. Naturalienkabinett, -kammer. Naturalismus m. weitestgehende Naturtreue anstrebende Kunstrichtung, in der bildenden Kunst, besonders der Malerei, seit etwa 1800; seit den 80er Jahren des 19. Jhs. (nach frz. naturalisme) auch Bezeichnung für eine literarische Schule unter Einfluß der französischen Literatur, vor allem Zolas. Naturalist m. ‘Vertreter des Naturalismus’ (19. Jh.), ‘Künstler ohne schulgerechte Ausbildung’ (18. Jh.), ‘Naturkundiger, -forscher’ (17. Jh.); weithin dem älteren Gebrauch von frz. naturaliste entsprechend. naturalisieren Vb. ‘einbürgern, die Staatsbürgerschaft verleihen’, Entlehnung des 17. Jhs. aus gleichbed. frz. naturaliser.

Thesaurus

Synonymgruppe
Natur · ↗Umwelt · ↗Ökosystem  ●  Mutter Natur  ugs.
Assoziationen
  • Wildnis · unberührte Natur · ungenutztes Land
  • Bündnis 90 · Bündnis 90/Die Grünen · Die Grünen  ●  ↗Bündnisgrüne  ugs. · ↗Grüne  ugs.
  • Naturkonstante · physikalische Konstante
  • NR · NaWaRo · NawaRo · Nawaro · nachwachsender Rohstoff
  • Naturschutz
  • Umweltschutztechnik · ↗Umwelttechnik
  • Flächennaturdenkmal · flächenhaftes Naturdenkmal
  • Waldsterben · neuartige Waldschäden
Antonyme
Synonymgruppe
Beschaffenheit · Natur · ↗Physis
Synonymgruppe
Charakter · ↗Eigenart · ↗Format · ↗Gemüt · ↗Gemütsart · ↗Gepräge · Natur · ↗Naturell · ↗Persönlichkeit · ↗Temperament · ↗Veranlagung · ↗Wesen · ↗Wesenheit · ↗Wesensart  ●  ↗Profil  fachspr.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(freie) Landschaft · ↗(natürliche) Umwelt · Mutter Natur  ●  (unberührte) Natur  Hauptform · ↗(das) Grüne  ugs. · Gottes freie Natur  fachspr., Jargon
Assoziationen
  • Außen... · Open-Air-... · am Busen der Natur · auf der grünen Wiese · ↗draußen · im Freien · in Gottes freier Natur · in der freien Natur · unter freiem Himmel  ●  Outdoor...  engl. · in der freien Wildbahn  Jägersprache · in freier Wildbahn  Jägersprache · bei Mutter Grün  ugs. · bei Mutter Natur  ugs.
  • Wildnis · unberührte Natur · ungenutztes Land
  • Bestand an Pflanzen · ↗Pflanzendecke  ●  ↗Bewuchs (mit)  Hauptform · ↗Vegetationsdecke  fachspr.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ding Eingriff Einklang Geist Gott Kultur Kunst Landschaft Laune Liebe Mensch Raubbau Sache Schutz Schönheit Technik Umgang Umwelt Wissenschaft Wunder Zerstörung belebt frei intakt menschlich unberührt vorkommen vorübergehend wahr wild

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Natur‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mir scheint das sehr plausibel: Bewusstsein ist weit verbreitet in der Natur.
Die Zeit, 04.11.2013, Nr. 44
Das ist, was sollen wir machen, nun mal unsere Natur.
konkret, 1982
Aber wo bleibt in der freien Natur die Hand des Züchters?
Frisch, Karl von: Du und das Leben, Berlin: Verlag d. Druckhauses Tempelhof 1947 [1947], S. 322
Oder wähnst du dich etwa den Nöten der Natur enthoben?
Spitteler, Carl: Imago, Jena: Diederichs 1910 [1910], S. 21
Denn der heiligen Natur mißtraut man mehr als dem unheiligen Arzte!
Altenberg, Peter: Märchen des Lebens. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1908], S. 6417
Zitationshilfe
„Natur“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Natur>, abgerufen am 17.10.2019.

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