Neger, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Negers · Nominativ Plural: Neger
Aussprache
WorttrennungNe-ger
Wortbildung mit ›Neger‹ als Erstglied: ↗Negerblut · ↗Negerin · ↗Negerkind · ↗Negerkuss · ↗Negermusik · ↗Negerpogrom · ↗Negerproblem · ↗Negersklave · ↗Negerstamm · ↗Negertanz · ↗Negervolk
DWDS-Vollartikel, 2015

Bedeutungen

1.
diskriminierend (männliche) Person von (sehr) dunkler Hautfarbe, aus Afrika südlich der Sahara oder mit von dorther stammenden Vorfahren
Im heutigen Sprachgebrauch als stark herabwürdigend geltende Fremdbezeichnung für Schwarze, Afroamerikaner, Afrodeutsche usw. Ältere Verwendungen des Wortes zeigen häufig keine abwertende Absicht.
Beispiele:
Onukogu [Fußballspieler] soll […] bei der Partie gegen Dostlukspor Bottrop rassistisch massiv beleidigt worden sein, so sei er von einzelnen Zuschauern wiederholt als »Neger«, »Nigger« und »Affe« beschimpft worden. [Spiegel, 05.04.2013 (online)]
Ein Ticketkontrolleur der Wiener Linien sieht sich derzeit mit Rassismusvorwürfen konfrontiert. Er soll bei einer Fahrscheinkontrolle in der U-Bahn gegenüber zwei Schwarzafrikanern ausfällig geworden und diese u. a. als »Neger« beschimpft haben. [Der Standard, 02.04.2013]
ironisch Da [bei einem Hip-Hop-Label] gibt es den Afrodeutschen, der sich selbst als »krasser Neger« präsentiert (B-Tight)[…]. [Spiegel, 07.12.2006 (online)]
Agatha Christies Krimi »Zehn kleine Negerlein« soll einen anderen Titel und einen korrigierten Text erhalten, weil sich in Hannover lebende Afrikaner durch die Verwendung des Wortes »Neger« diskriminiert fühlen. [Neue Zürcher Zeitung, 22.02.2002]
Ungeniert spricht er [der Richter] am ersten Verhandlungstag wie die Angeklagten von »Negern«, als wäre die damit verbundene Diskriminierung noch nie an seine […] Ohren gedrungen. [die tageszeitung, 22.07.1992]
Die amerikanischen Neger tragen ihr Haar im Afro-Style, lernen afrikanische Geschichte und wandeln in bunten afrikanischen Kostümen. Sie wollen, so sagen sie, nichts mehr von der Kultur ihrer Unterdrücker wissen – sie sind auf der Suche nach ihrer eigenen Identität. [Die Zeit, 26.09.1969, Nr. 39]
Kollokation:
in vergleichender Wort-/Nominalgruppe: jmdn. [einen Schwarzen] als Neger beschimpfen, [beleidigend] bezeichnen
2.
Fernsehen, Film, Jargon (von einer Person gehaltene) Schrifttafel, von der ein Moderator oder Schauspieler im Fernseh-, Filmstudio seinen Text oder Stichworte ablesen kann
Beispiele:
Weil er sich weigert, Dialoge auswendig zu lernen, lässt er seinen Text auf große schwarze Tafeln schreiben, die »Neger«, deren Position er vor jeder Einstellung genau festlegt. [Die Zeit, 15.07.2010, Nr. 29]
Nuria del Saz[…] TV-Nachrichtensprecherin des spanischen Senders Canal 2 Andalucía, verzichtet wie nur wenige aus der Branche auf Teleprompter oder »Neger«. Sie könnte die Texte oder Anweisungen eh nicht sehen oder lesen. Denn sie ist blind. [Der Spiegel, 26.06.2000, Nr. 26]
[…]. »Neger« – so heißen im TV-Jargon eben diese Gedächtnisstützen aus Pappe für Fließband-Fernsehmoderatoren, die schließlich nicht alles auswendig können. [Die Zeit, 23.05.1997, Nr. 22]
[…] Da [in einem Fußballkommentar] ist kein erkennbarer Aufbau, kein Abhaken von Stichwörtern, keine Hilfe unterm Bildschirmrand, kein Spickzettel, kein »Neger«, schon gar nicht ein »Teleprompter«, von dem einige der bekanntesten […] Kommentatoren […] ihre Texte ablesen. [Der Spiegel, 17.09.1984, Nr. 38]
Um ein anderes […] Beispiel anzuführen: daß die geistige Kapazität des Verehrten nicht ausreicht, die einfachsten Sätze in Filmrollen zu behalten, so daß immer jene bekannten »Neger« verwendet werden müssen – schwarze Tafeln, auf denen die Texte mit Kreide geschrieben stehen, so daß sie (außerhalb der gekurbelten Szenerie gezeigt) nur abgelesen zu werden brauchen. [Die Zeit, 07.07.1949, Nr. 27]
3.
Jargon, abwertend, veraltend Ghostwriter
Beispiele:
[…] SonntagsBlick-Autor Helmut-Maria Glogger [liest aus seinem Buch], der das Buch als Ghostwriter (im Fachjargon auch Neger genannt) mitverfasste. [SonntagsBlick, 01.11.2009]
Skrupellos werden Ghostwriter, sogenannte »Neger«, eingesetzt – wofür sich auch bekannte Schriftsteller zur Verfügung stellen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.04.2002]
Ein Ghostwriter, ein Neger also, der als fester Freier für eine Gazette schreiben darf […], muss sich weniger Existenzsorgen machen als einer, der seine Texte wie sauer Bier anzubieten hat. [Süddeutsche Zeitung, 24.01.2000]
Im Auftrage des Kindler-Verlags war Autor Rudolf B[…] damit beschäftigt, Erzählungen und Reminiszenzen des kranken Sauerbruch in Ich-Form als »Ghostwriter« (deutscher Fachjargon: »Neger«) zu Papier zu bringen. [Der Spiegel, 01.02.1961, Nr. 6]
[…] Cesar Boyd, der Sensationsschreiber, sei ein Autor, dem er neun Jahre lang als »Neger«, als Vor- und Schattenschreiber, gedient habe. [Die Zeit, 20.02.1958, Nr. 08]
4.
Fotografie, Film, Fernsehen, Jargon, veraltend schwarze Tafel oder Abschirmung, mit der bei Aufnahmen in einem Foto-, Film- oder Fernsehstudio störender Lichteinfall verhindert werden kann
Beispiele:
Neger […] Veraltete Bezeichnung für einen schwarzen Sonnenschutzschirm. Im Studio wurden auch schwarze Bretter, die zur Abschirmung einer Szene gegen einfallendes Licht verwendet wurden, als »Neger« bezeichnet. [Lexikon der Filmbegriffe, 06.02.2012, aufgerufen am 17.08.2015]
Aufheller oder Abschatter (Neger) können, wenn sie immer im Studio bleiben, große Styroporplatten sein, die auf einer Seite mattschwarz gestrichen sind. [Reinhold, Friedrun: Licht und Beleuchtung in der People- und Porträtfotografie. Heidelberg u. a.: mitp 2010. S. 29]
Die Bezeichnung »Neger« ist ein Fachausdruck für eine einfache und zweckmäßige Abschirmvorrichtung gegen verschiedenartiges Störlicht, das besonders bei Innenaufnahmen mit Kunstlicht auftreten kann. […] [Heunert, Hans-Henning u. Philipp, Kurt: Grundlagen der Schmalfilmtechnik. Berlin u. a.: Springer-Verlag 1957. S. 32]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Neger m. ‘Mensch mit dunkler Hautfarbe’, entlehnt (Ende 17. Jh., vorher Negres, Negren Plur., Anfang 17. Jh.) aus gleichbed. mfrz. frz. nègre, das seinerseits auf gleichbed. span. port. negro, einer abschätzigen Bezeichnung für die als Sklaven gehandelten Eingeborenen Afrikas, beruht; zu lat. niger ‘schwarz’. Zuvor begegnet (Ende 16. Jh.) auch im Dt. Negro als direkte Entlehnung aus dem Span. oder Port., das neben ↗Mohr (s. d.) und schwarze Leute tritt.

Thesaurus

Synonymgruppe
Farbiger · Mensch mit dunkler Hautfarbe · ↗Schwarzafrikaner · Schwarzer  ●  ↗Mohr  veraltet · Neger  derb, stark abwertend · ↗Nigger  vulg., stark abwertend, amerikanisch
Oberbegriffe
Unterbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Araber Asiate Baumwollfeld Berber Chinese Eskimo Gazelle Gleichberechtigung Inder Indianer Indio Libyer Mischling Mischlinge Mohr Mulatte Neger Negerin Puertoricaner Puertorikaner Südstaat Weiße Zigeuner aufklatschen dreckig hellhäutig lynchen tanzend westindisch zagen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Neger‹.

Zitationshilfe
„Neger“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Neger>, abgerufen am 22.10.2019.

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