Nervosität, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Nervosität · Nominativ Plural: Nervositäten · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungNer-vo-si-tät (computergeneriert)
HerkunftLatein
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
das Nervössein
Beispiele:
er klagt über Kopfschmerz, Schlaflosigkeit, Nervosität
in (plötzliche) Nervosität verfallen
seine Nervosität nimmt zu
langsam verging ihre Nervosität
der Wartenden bemächtigte sich eine steigende, zunehmende Nervosität
vor Nervosität zittern
2.
Sammelbezeichnung für funktionelle Störungen im Nervensystem
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Nerv · nervig · nervös · Nervosität · entnerven · enervieren
Nerv m. aus parallel verlaufenden Fasern bestehender, von Bindegewebe umhüllter Strang des Nervensystems, entlehnt (Anfang 16. Jh.) aus lat. nervus ‘Sehne, Flechse, Muskel, Nerv, aus Tiersehnen, Därmen Verfertigtes (Saite, Bogensehne, Fußfessel), Kraft, Spannkraft’, verwandt mit griech. né͞uron (νεῦρον) ‘Sehne, Faser, Bogensehne, Schnur, Saite, Nerv’ (s. ↗Neuro-). Nach Auffassung der antiken Medizin sind Sehnen und Nerven identisch oder wesensverwandt und werden demzufolge mit derselben Bezeichnung benannt. Im 16. Jh. vollzieht die medizinische Fachsprache eine begriffliche Begrenzung des Wortes auf ‘Nerv’, die sich aber in der Allgemeinsprache erst im 19. Jh. durchsetzt. Im Dt. halten sich bis ins 18. Jh. die Bedeutungen ‘Band, Sehne, Muskel’ (wofür in älterer Sprache Ader), bis ins 19. Jh. ‘Bogensehne, Saite’; daneben ist Nerv (seit Anfang 18. Jh.) ‘Leiter von Empfindungen und Bewegungen, Sinnesleiter’ (wohl unter Einfluß von engl. nerve) nach der Lehre des schottischen Arztes R. Wytt (2. Hälfte 18. Jh.) und der sich entwickelnden Psychiatrie, in deren Gefolge Nervenkrankheiten zur Modeerscheinung werden. Übertragen (17. Jh.) ‘innere Kraft, Wesen, Gehalt’; vgl. auch auf die Nerven fallen ‘nervös machen’ (2. Hälfte 17. Jh.). nervig Adj. ‘sehnig, muskulös, kraftvoll’ (18. Jh.), nervicht (Anfang 18. Jh.). nervös Adj. ‘die Nerven betreffend, an schwachen Nerven leidend, reizbar, erregt’ (vgl. nervoese und hypochondrische Krankheiten, 1758), mit dieser Bedeutung unter Einfluß von engl. nervous älteren Gebrauch (1. Hälfte 18. Jh.) im Sinne von ‘nervig, stark, kräftig’, auch ‘kraftvoll, nachdrücklich’ (von Ausdruck und Rede), nach frz. nerveux (afrz. nervos) ‘nervig, kräftig’, zurückdrängend. Zuvor (Mitte 17. Jh.) gilt im Dt. nervos ‘kräftig, kernig’, (von der Rede) ‘nachdrücklich’, dann (Anfang 18. Jh.) ‘mit Nerven versehen, aus Nerven bestehend’, und (vereinzelt Ende 17. Jh.) nervosisch ‘mit Nerven versehen’, beide aus lat. nervōsus ‘sehnig, muskulös, kraftvoll, kernig’. Nervosität f. ‘Nervenschwäche, Empfindlichkeit, Reizbarkeit, krankhafter Zustand der Nerven’ (1. Hälfte 19. Jh.), nach gleichbed. frz. nervosité, zuvor vereinzelt ‘Kraft, Stärke’ (Ende 18. Jh.), nach mfrz. frz. (älter) nervosité ‘Stärke, (Widerstands)kraft, Sehnigkeit’, dieses entlehnt aus lat. nervōsitās (Genitiv nervōsitātis) ‘Stärke einer Faser, Kraft’. entnerven Vb. ‘entkräften, der Nervenkraft berauben, nervlich erschöpfen’ tritt (Ende 17. Jh.) neben nur wenig älteres, in demselben Sinne gebrauchtes enervieren Vb. (2. Hälfte 17. Jh.), dies nach gleichbed. mfrz. énerver, afrz. soi esnerver ‘sich verweichlichen’ (entlehnt aus lat. ēnervāre ‘die Nerven herausnehmen, der Nerven entledigen, schwächen, entkräften’).

Thesaurus

Synonymgruppe
(psychische) Belastung · ↗Aufregung · ↗Druck · ↗Hektik · Nervosität · ↗Stress
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Anspannung · ↗Gespanntheit · ↗Nervenkitzel · Nervosität · ↗Spannung  ●  ↗Suspense  engl. · ↗Thrill  engl. · ↗Kick  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Auftrittsangst · ↗Bangigkeit · ↗Beunruhigung · ↗Herzklopfen · ↗Lampenfieber · Nervosität  ●  ↗Zähneklappern  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anflug Anspannung Anzeichen Devisenmarkt Finanzmarkt Gereiztheit Hektik Kopfschmerz Marktteilnehmer Regierungslager Reizbarkeit Schlaflosigkeit Schlafstörung Ungeduld Unruhe Unsicherheit Zeichen ablegen anfänglich anmerken aufkommend breitmachen gewiss hochgradig spürbar wachsend zunehmend Ölmarkt übergroß überspielen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Nervosität‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch Eva ist erkältet, es gibt gegenseitig verstörte Nächte, Nervositäten, Reibungen.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1922. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1922], S. 1
Sie verstand es, trotz kleinerer Nervositäten, kraftvollen Ton und äußerst differenzierte Dynamik zu einem geschlossenen Ganzen zu verbinden.
Süddeutsche Zeitung, 20.05.1994
Es gibt noch Nervositäten der Philharmoniker und Koordinationsschwächen zwischen dem Orchester und dem Chor der Hamburgischen Staatsoper.
Der Tagesspiegel, 07.04.2004
In der Halle langte er trotz seiner nicht zu verkennenden Nervösität schon ganz schön hin.
Bild, 15.01.2001
Händler sprachen von anhaltend hoher Nervösität wegen der Schuldenkrise in der Eurozone.
Die Zeit, 29.11.2011 (online)
Zitationshilfe
„Nervosität“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Nervosität>, abgerufen am 21.11.2019.

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