Nest, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Nest(e)s · Nominativ Plural: Nester
Wortbildung mit ›Nest‹ als Erstglied: ↗Nestbrüter · ↗Nestflüchter · ↗Nesthocker · ↗Nesthäkchen · ↗Nestküken · ↗Nestling · ↗Nestpflanzung · ↗Nestpflanzverfahren · ↗Nesträuber · ↗Nestwärme · ↗nestflüchtig · ↗nestjung · ↗nestwarm
 ·  mit ›Nest‹ als Letztglied: ↗Adlernest · ↗Agentennest · ↗Ameisennest · ↗Babynest · ↗Banditennest · ↗Bienennest · ↗Diebesnest · ↗Drachennest · ↗Drecknest · ↗Drecksnest · ↗Eichhörnchennest · ↗Eulennest · ↗Fallennest · ↗Fallnest · ↗Felsennest · ↗Felsnest · ↗Fischernest · ↗Gebirgsnest · ↗Glutnest · ↗Hasennest · ↗Hühnernest · ↗Klatschnest · ↗Maschinengewehrnest · ↗Osternest · ↗Pflegenest · ↗Piratennest · ↗Provinznest · ↗Räubernest · ↗Schlangennest · ↗Schwalbennest · ↗Seeräubernest · ↗Storchennest · ↗Vogelnest · ↗Wespennest · ↗Widerstandsnest
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
von Tieren, besonders Vögeln, errichtete Behausung aus vielfältig verarbeitetem, verschiedenartigem Material wie Zweigen, Federn, Erde, Moos, die zur Brut und Aufzucht der Jungen, mitunter auch als Wohnstätte dient
Beispiele:
Vögel bauen Nester
ein Vogel sitzt im Nest
die Eier im Nest
die Jungen verlassen das Nest
ein Baum voller Nester
ein Nest ausnehmen (= die Eier, Jungen aus einem Nest nehmen)
umgangssprachlich, bildlich Wohnung
Beispiele:
die jungen Leute haben sich da ein hübsches Nest eingerichtet
wir wollten euch besuchen, fanden aber das Nest leer
sich ins gemachte, warme Nest setzen (= ohne eigene Anstrengung in eine wirtschaftlich günstige Lage kommen)
das eigene Nest beschmutzen (= abfällig über seine eigene Familie sprechen)
jmdm. ein Kuckucksei ins Nest legen (= jmdm. etw. Zweifelhaftes unterschieben)
2.
salopp, übertragen Bett
Beispiele:
ins Nest gehen, kriechen
wie lange will er denn noch im Nest liegen?
nun geht's aber ins Nest!
raus aus dem Nest!
3.
abwertend kleiner (abgelegener) Ort
Beispiele:
ein langweiliges, armseliges, elendes, ödes Nest
salopp ein gottverlassenes Nest
er wohnt in irgend so einem (kleinen) Nest im Gebirge
Ich möchte am liebsten mit dem nächsten Omnibus in dieses wunderhübsche Nest zurückkehren [AndresLiebesschaukel93]
4.
Versteck, Unterschlupf
Beispiele:
die Polizei machte das Nest der Bande ausfindig, stöberte die Bande in ihrem Nest auf
ein Nest (von Verbrechern) ausheben, ausräuchern
kleiner, gut getarnter militärischer Stützpunkt
Beispiele:
zudem waren die dazwischen verstreuten Gehöfte ... für PAK- und IG-Nester geradezu prädestiniert [SchnurreRechnung113]
überall blieben Nester serbischer Infanterie zurück ... die versuchten, sich zu ihrer Truppe durchzuschlagen [A. ZweigJunge Frau185]
5.
Haarknoten
Beispiele:
sie trägt, hat ein Nest
Zöpfe, zu einem Nest im Nacken geschlungen
6.
etw. Zusammengeballtes, Verflochtenes
Beispiele:
Nester verfilzten Unkrautes
im Tannenwalde Pilze zu suchen, die dort in großen Nestern wuchsen [KügelgenJugenderinnerungen219]
Ordnet man die Wörter ... in einem Nest (= in einer Gruppe) unter einem bestimmten Leitwort, so sind die Zusammenhänge gewahrt [Forschungen1959]
Bergmannssprache wenig ausgedehnte Anhäufung von Erzen, Mineralien
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Nest · Genist(e) · nisten · Nesthäkchen
Nest n. ‘Wohn- und Brutstätte (besonders der Vögel, Insekten), Bau, Höhle, Schlupfwinkel’, auch ‘Heim, Bett, abgelegenes Dorf’, ahd. nest (8. Jh.), mhd. nest, nist ‘Nest, Lager für Vögel oder Säugetiere’, mnd. mnl. nl. aengl. engl. nest (westgerm. *nista-, *nesta-) führen mit aind. nīḍám ‘Ruheplatz, Lager, Vogelnest’ sowie möglicherweise mit (volksetymologisch umgestalteten) lit. lìzdas, aslaw. gnězdo, russ. gnezdó (гнездо) ‘Nest’ auf neutrales ie. *nizdom ‘das Niedersetzen, Niedersitzen’ bzw. ‘Ort des Niedersitzens’, während aind. nīḍáḥ ‘Ruheplatz, Lager, Vogelnest’, lat. nīdus ‘Nest’, mir. net maskulines ie. *nizdos voraussetzen. Auszugehen ist (wie bei ähnlich gebildetem ↗Ast, s. d.) von einem Kompositum ie. *nizdo-, das sich aus in ↗nieder (s. d.) enthaltenem ie. *ni- ‘nieder’ und der Schwundstufe der Wurzel ie. *sed- (s. ↗sitzen) zusammensetzt. Erwogen wird auch eine Anknüpfung des ersten Kompositionsgliedes an ie. *eni ‘in’ (s. ↗in) bzw. ablautendes *ni- und Deutung als ‘Ort des Einsitzens’. Dazu das Kollektivum Genist(e) n. ‘das aus Halmen, Stroh u. dgl. zusammengefügte Nest’, mhd. geniste. nisten Vb. ‘ein Nest bauen, ein Nest bewohnen’, ahd. (um 1000), mhd. nisten, mnd. nesten. Nesthäkchen n. ‘zuletzt ausgebrütetes, im Nest hockendes Vögelchen, jüngstes Kind einer Ehe’ (18. Jh.) für älteres Nestheckel, Nestheckchen, Nesthöckchen, Nesthöckelchen (17. Jh.), zu ↗hocken (s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(kleines) Dorf · ↗Dörfchen · ↗Kleinkleckersdorf · ↗Markt · ↗Marktflecken · ↗Weiler · ↗Örtchen  ●  Hintertupfing  ugs. · ↗Hintertupfingen  ugs. · ↗Kaff  ugs., abwertend · ↗Kuhdorf  ugs., abwertend · ↗Kuhkaff  ugs., abwertend · ↗Milchkanne  ugs., fig. · Nest  ugs. · ↗Posemuckel  ugs. · Posemukel  ugs. · Pusemuckel  ugs. · hinterletztes Kaff  ugs., abwertend · letztes Loch  ugs., abwertend
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Horst · Nest
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ei Jungvogel Kuckuck Kuckucksei Küken Singvogel Sitzstang Storch Vogel Webervogel Wespe abgelegen ausheben bauen beschmutzen beschmutzt brüten elend elterlich gemacht gottverlassen heimatlich kuschelig plündern staubig trostlos verlassen verschlafen warm öde

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Nest‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie werden um sich schlagen, müssen auf engem Raum ihre Nester verteidigen.
Bild, 18.02.2006
Vielleicht hat das einmal der automatischen Kontrolle einer krabbelnden Brut in einem dunklen Nest gedient.
Schwanitz, Dietrich: Männer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 206
Dies hier ist ein Platz, auf dem sich alles um die Kinder dreht, ein Nest hinter den Dünen.
Der Tagesspiegel, 23.07.1999
Ich halte es nicht länger aus in diesem verwünschten Nest!
Kubin, Alfred: Die andere Seite, München: Spangenberg 1990 [1909], S. 116
Ich wäre wohl kaum lebendig in das Nest, viel weniger noch wohlbehalten wieder hinausgekommen.
Müller-Jahnke, Clara: Ich bekenne. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1904], S. 9224
Zitationshilfe
„Nest“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Nest>, abgerufen am 18.02.2019.

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