Neuhochdeutsch, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular 1: Neuhochdeutsch · Genitiv Singular 2 (selten): Neuhochdeutschs · wird nur im Singular verwendet
Nebenform Neuhochdeutsche · Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Neuhochdeutschen · wird nur im Singular verwendet
Die Verwendung der beiden möglichen Formen des Wortes richtet sich einerseits nach formalen Kriterien, andererseits tendenziell auch nach der beabsichtigten Bedeutung. Die Form ohne ‑e ist die einzige Möglichkeit, wo sonst starke Formen des Adjektivs gefordert wären (Ich verstehe kein Neuhochdeutsch). Sie wird gewöhnlich dann verwendet, wenn von verschiedenen Ausprägungen der Sprache die Rede ist (das typische Neuhochdeutsch, im Neuhochdeutsch des 18. Jahrhunderts) und steht häufiger als Subjekt und Objekt (ohne Artikel: Ich verstehe Neuhochdeutsch) als in anderen Rollen (der Fortbestand unseres Neuhochdeutsch(s)). Die Form mit ‑e, die immer mit Artikel steht, kann in allen Fällen verwendet werden, wo schwache Adjektivendungen vorkommen (aus dem Neuhochdeutschen ins Englische gelangen, der Fortbestand unseres Neuhochdeutschen). Sie wird gewöhnlich verwendet, wenn die Sprache allgemein gemeint ist (das Neuhochdeutsche ist eine schöne Sprache).
Aussprache [ˈnɔɪ̯hoːχdɔɪ̯tʃ] · [ˈnɔɪ̯hoːχdɔɪ̯tʃə]
Worttrennung Neu-hoch-deutsch ● Neu-hoch-deut-sche
Grundform neuhochdeutsch
Wortbildung  mit ›Neuhochdeutsch‹ als Letztglied: ↗Frühneuhochdeutsch
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
Synonym zu Hochdeutsch (1)
Beispiele:
Jahrhundertelang war der Leitstern [der Aussprache] das Ostmitteldeutsche und hier besonders das meißnische Sächsisch. Das rührte einerseits daher, dass die ostmitteldeutschen Dialekte die größte Nähe zum Neuhochdeutschen haben. [Die Welt, 18.11.2017]
Hesselbach und Lahm wiederum bilden in diesem Teuschnitzer Sprachgebiet eine Reliktinsel mit lautlichen Eigenheiten (Bewahrung der mittelhochdeutschen Laute e, o, oe), die sie deutlich von umliegenden Orten (Hebung der Laute) unterscheidet. Hierbei handelt es sich um alte Formen, die noch keine Angleichung an das Neuhochdeutsche erfahren haben: »Nicht« heißt zum Beispiel in Lahm/Hesselbach »ne«, im Raum Effelter/Birnbaum »ni« und im Gebiet Wilhelmsthal/Steinberg »nije«. [Fränkischer Tag, 10.09.2020]
scherzhaft Die Mannschaft von Trainer Marco Rose ist nicht in einem Flow, wie eine Erfolgswelle auf Neuhochdeutsch (= in modern klingendem Slang) so schön genannt wird, sie hat sich alles hart erarbeitet. [Aachener Zeitung, 22.11.2019]
Im älteren Neuhochdeutschen wurde das Wort [Blindekuh] getrennt geschrieben. Es gelangte vom Ostmitteldeutschen durch Luther 1526 in die Hochsprache: […]. [Röhrich, Lutz: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994] [1973], S. 832]
Na, und Französisch oder auch Neuhochdeutsch miaut das Kätzchen ja allerliebst, aber schreiben, – da käme sie in die größte Verlegenheit. [Mann, Thomas: Der Zauberberg. Gütersloh: Bertelsmann 1998 [1924], S. 449]
2.
Sprachwissenschaft diejenige Form des Hochdeutschen (2), die sich seit Beginn der Neuzeit herausgebildet hat
Beispiele:
Für das Alter unseres deutschen Wortes »Tasche« ist maßgebend, daß bereits im 9. Jahrhundert n. Chr. Geburt in einem der ältesten deutschen Literaturdenkmäler, der bekannten oberdeutschen Evangelienharmonie »Krist« des Weißenburger Benediktinermönchs Otfried, der an und in den Kleidungsstücken angebrachte Sack ausschließlich »Dasgu« genannt wird, woraus im Neuhochdeutschen »Tasche« entstand. [Welt und Wissen, 1927, Nr. 2, Bd. 16]
Unser krank kommt erst im Mittelhochdeutschen vor und bedeutet da, ebenso wie ursprünglich im Neuhochdeutschen, kraftlos, besonders gelähmt infolge von Wunden, wie heute noch in der Weidmannsprache; die altgermanische Bezeichnung für unsern Begriff krank war siech, das wahrscheinlich wieder auch etymologisch mit schwach zusammenhängt. [Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 26273]

letzte Änderung:

Thesaurus

Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Hochdeutsch · Standarddeutsch · Standardhochdeutsch  ●  ↗Schriftdeutsch  schweiz. · Neuhochdeutsch (ling.)  fachspr.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • BRD-Deutsch · ↗Binnendeutsch · Bundesdeutsches Hochdeutsch · Deutschlanddeutsch · Deutschländisch · deutsches Deutsch · deutschländisches Deutsch  ●  Bundesdeutsch  Hauptform · Reichsdeutsch  veraltet
  • österreichisches Deutsch · österreichisches Hochdeutsch · österreichisches Standarddeutsch  ●  ↗Österreichisch  ugs.
  • Schweizer Hochdeutsch · Schweizerhochdeutsch · Schweizerisch
Zitationshilfe
„Neuhochdeutsch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Neuhochdeutsch>, abgerufen am 17.05.2021.

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