Neutralität, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Neutralität · Nominativ Plural: Neutralitäten · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungNeu-tra-li-tät · Neut-ra-li-tät
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›Neutralität‹ als Erstglied: ↗Neutralitätsabkommen · ↗Neutralitätsbündnis · ↗Neutralitätserklärung · ↗Neutralitätspolitik · ↗Neutralitätsstatus · ↗Neutralitätsverletzung
 ·  mit ›Neutralität‹ als Letztglied: ↗Netzneutralität
eWDG, 1974

Bedeutung

neutrale Haltung, neutraler Status
a)
Status eines Staates, der an einem Krieg zwischen anderen Staaten nicht teilnimmt und keine der kriegführenden Seiten unterstützt
Beispiele:
das Land erklärte seine Neutralität
die Neutralität eines Staates respektieren
das Land wurde überfallen unter Missachtung seiner Neutralität
b)
ständige Neutralitätvölkerrechtlich festgelegter Status eines Staates, der sich dazu verpflichtet hat, an keinem Krieg teilzunehmen – außer im Falle der Verteidigung des eigenen Gebietes gegen einen Angriff – und sich aller Handlungen zu enthalten, die ihn im Falle eines Krieges in den militärischen Konflikt verwickeln könnten
Beispiel:
nach dem 2. Weltkrieg verpflichtete sich Österreich zur ständigen Neutralität
c)
DDR positive, aktive Neutralitätaußenpolitische Haltung eines Staates, der sich nicht an militärischen Bündnissen beteiligt, sein Gebiet nicht für ausländische Militärstützpunkte zur Verfügung stellt, freundschaftliche Beziehungen zu den anderen Ländern unterhält und den Kampf um den Weltfrieden unterstützt
Beispiele:
die Neutralität einiger afrikanischer Staaten
die positive Neutralität als Form des Kampfes für den Frieden
d)
unparteiische Haltung
Beispiele:
jmd. steht einer Sache mit Neutralität gegenüber
Als Schiedsrichter müßte er den Kampf mit kühler Neutralität verfolgen [ZuchardtNarr162]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

neutral · Neutralität · neutralisieren · Neutralisation
neutral Adj. ‘unbeteiligt, unparteiisch, als Staat sich nicht an Kriegen oder an militärischen Bündnissen beteiligend’. Mlat. neutralis, Fortsetzung von (nur als grammatischer Terminus bezeugtem) spätlat. neutrālis (s. unten) wird (Mitte 16. Jh.) in die Sprache der Politik entlehnt, später (Ende 18. Jh.) in der Bedeutung ‘weder sauer noch basisch reagierend’ in die der Naturwissenschaften; heute auch ‘zu allem passend’. Als Fachwort der Grammatik wird neutral ‘sächlichen Geschlechts’ im 19. Jh. geläufig, nach spätlat. neutrālis ‘sächlich’, zu lat. neuter (s. ↗Neutrum); verdeutscht durch keingeschlechtig (17. Jh.). Neutralität f. ‘Nichteinmischung, Nichtbeteiligung an Kriegen, militärischen Bündnissen, unparteiisches Verhalten’, entlehnt (Mitte 15. Jh.) aus mlat. neutralitas (Genitiv neutralitatis) ‘Zustand des Nichtgebundenseins an eine von mehreren Seiten oder Parteien’; in seiner Verbreitung durch frz. neutralité (14. Jh.) gefördert. neutralisieren Vb. ‘neutral, unwirksam machen’ (Ende 18. Jh.), in der Chemie ‘saure Reaktion durch Basen und basische Reaktion durch Säuren aufheben’ (um 1800); vgl. frz. neutraliser. Dazu Neutralisation f. (um 1800).

Thesaurus

Synonymgruppe
Neutralität · ↗Unparteilichkeit · ↗Überparteilichkeit
Synonymgruppe
Neutralität · ↗Nüchternheit · ↗Objektivität · ↗Sachlichkeit

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufrechterhaltung Beibehaltung Blockfreiheit Frieden Gebot Integrität Objektivität Staatsvertrag Status Unabhängigkeit Verletzung Wahrung belgisch bewaffnet dauernd geboten gewahren immerwährend parteipolitisch religiös religiös-weltanschaulich respektieren schweizerisch strikt verpflichten wahren weltanschaulich weltanschaulich-religiös wohlwollend österreichisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Neutralität‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch als privatrechtlich organisiertes Unternehmen wolle die Deutsche Bahn ihre Neutralität wahren.
Süddeutsche Zeitung, 21.06.1997
In dieser Situation konnte es lediglich eine relative Neutralität geben.
Der Tagesspiegel, 14.12.1996
Eine ausdrückliche Erklärung der Neutralität ist üblich, aber nicht erforderlich.
o. A. [-r]: Neutralität. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1980]
Sagen Sie, daß Sie nicht wußten, daß Ihr Land sein Wort verpfändet hatte, die Neutralität dieser drei kleinen Länder zu achten?
o. A.: Achtundsiebzigster Tag. Montag, 11. März 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 1383
Ich verlange aber die strikteste Neutralität unter den einzelnen Richtungen.
Tucholsky, Kurt: Ann, 11.10.1920. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1920], S. 15963
Zitationshilfe
„Neutralität“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Neutralität>, abgerufen am 12.11.2019.

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