Nießbrauch, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungNieß-brauch
eWDG, 1974

Bedeutung

Jura dingliches Recht auf Nutzung fremder Sachen, fremder Rechte oder eines Vermögens, ohne die Substanz zu schmälern
Beispiel:
ihnen Nutzen und Nießbrauch des Gütchens Rapsin ... auf Lebenszeit zuzuwenden [A. ZweigEinsetzung423]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

genießen · Nießbrauch · Nießnutz · genießbar · Genießer · genießerisch
genießen Vb. ‘Freude, Wohlbehagen bei etw. finden, etw. erhalten, zur Verfügung haben, Speisen und Getränke zu sich nehmen’, ahd. nioʒan (8. Jh.), ginioʒan (9. Jh.), mhd. (ge)nieʒen, asächs. niotan, mnd. genēten, nl. genieten, aengl. nēotan, anord. njōta, schwed. njuta ‘benutzen, genießen’ sowie got. niutan ‘erreichen, erlangen’, ganiutan ‘ergreifen, fangen’ (vgl. got. nuta ‘Fischer’, eigentlich ‘Fänger’) führen auf germ. *neutan, zu ie. *neud- ‘Erstrebtes ergreifen, in Nutzung nehmen’ (wozu auch ↗Genosse, ↗Nutzen, s. d.). Nießbrauch m. ‘Recht auf Nutzung fremden Eigentums’ (17. Jh.), mit mhd. nieʒ, frühnhd. Nieß ‘Benutzung, Nutznießung, Genuß’ (Deverbativum zu mhd. nieʒen, s. oben; daneben Genieß, s. ↗Genuß) gebildete Übersetzung des Rechtsterminus lat. ūsus frūctus; jünger in gleichem Sinne Nießnutz m. (19. Jh.). genießbar Adj. ‘eßbar, bekömmlich’ (17. Jh.; anfangs auch ‘nützlich, vorteilhaft’ wie das ältere genießlich, 16. Jh., s. ↗genüßlich). Genießer m. ‘wer zu genießen versteht’, mhd. genieʒer; dazu genießerisch Adj. ‘nach Art eines Genießers, mit Genuß’ (30er Jahre 20. Jh.).

Thesaurus

Jura
Synonymgruppe
Nießbrauch  ●  Fruchtgenussrecht  österr. · Nutzniessung  schweiz.
Oberbegriffe
  • absolutes Recht · uneingeschränktes Recht

Typische Verbindungen
computergeneriert

Kapitalwert Vermögen Vorbehalt Wohnrecht einräumen lebenslang unentgeltlich vorbehalten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Nießbrauch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch eine Übertragung unter dem "Vorbehalt des Nießbrauchs" ist möglich.
Süddeutsche Zeitung, 04.10.2002
An einem Rechte, das nicht übertragbar ist, kann ein Nießbrauch nicht bestellt werden.
o. A.: Bürgerliches Gesetzbuch. In: Schönfelder: Deutsche Gesetze : Sammlung des Zivil-, Straf- und Verfahrensrechts, München: Beck 1997
Sie können nämlich ihren Kindern Teile ihres Wertpapiervermögens schenken oder ihnen zum Nießbrauch überlassen.
Die Zeit, 27.12.1968, Nr. 52
Ja, wir treiben nichts als Nießbrauch, an unseren Frauen und Kindern, Nießbrauch auch an unserer eigenen Legende.
Schrott, Raoul: Tristan da Cunha oder die Hälfte der Erde; Hanser Verlag 2003, S. 242
Seine Ambitionen waren nicht politischer Natur, Es kam ihm nur darauf an, seinen Kriegern den ewigen Nießbrauch der Ernten Afrikas zu sichern.
Seston, William: Verfall des Römischen Reiches im Westen. Die Völkerwanderung. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 24812
Zitationshilfe
„Nießbrauch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Nießbrauch>, abgerufen am 21.10.2019.

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