Niedertracht, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Niedertracht · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungNie-der-tracht
Wortbildung mit ›Niedertracht‹ als Erstglied: ↗niederträchtig
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
bewusst gemeine, hinterhältige, boshafte Gesinnung
Beispiele:
diese Tat ist ein erneuter Beweis seiner Niedertracht
etw. aus Niedertracht tun, verhindern
sie [Angehörige der bürgerlichen Mittel- und Oberschicht] selber meinten, ihre Welt sei bis obenan von ... Haß und Niedertracht angefüllt [G. Hauptm.Quint1,349]
2.
auf 1 beruhende Handlung
Beispiele:
eine Niedertracht begehen
Die Verheimlichung ... war eine ausgesuchte Niedertracht [WelkHoher Befehl426]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nieder · nieder · Niederung · niedrig · erniedrigen · niedrigen · Niedertracht · niederträchtig · niederdeutsch · nieden · hienieden
nieder Adv. ‘herab, herunter, hinunter, hinab, zu Boden’, ahd. nidar ‘unter’ Präp. (10. Jh.), ‘unten, herunter, herab’ Adv. (um 800), mhd. nider Adv. ‘hinunter, herunter’, asächs. niðar, mnd. nēder, mnl. nēder(e), nl. neder, neer, aengl. niþer, anord. niðr, schwed. ned sowie aind. nitarā́m ‘niederwärts, nach unten’ sind komparativische Ableitungen (ie. *nitero- ‘niederer’) von in aind. ‘nieder, herab, rückwärts, hinein’ enthaltenem ie. *ni- ‘nieder’ (s. auch ↗Nest), während verwandtes aslaw. nizъ ‘nieder, hinab, unten’, russ. vniz (вниз) ‘hinab, abwärts’ sowie griech. (episch) né͞iatos (νείατος) ‘unterster, äußerster’ auf ie. *ni-, *nei- führen. nieder Adj. ‘niedrig’, ahd. nidari ‘nieder, niedrig, tief, klein, gering’ (8. Jh.), mhd. nider(e), asächs. niðari, mnd. nēder, mnl. nēder(e), nl. neer, afries. nither, nether, aengl. niþera, neoþera, engl. nether, anord. neð(ar)ri, schwed. nedre (germ. *niþra), tr-Ableitung vom Stamm ie. *ni- ‘nieder, unten’. Niederung f. ‘flaches, niedrig gelegenes Land, Ebene’ (Ende 17. Jh., geläufig 19. Jh.), zuvor ‘Erniedrigung, Demütigung’, ahd. nidarunga ‘Verdammung’ (9. Jh.), mhd. niderunge ‘Erniedrigung’, mnd. nēderinge, Abstraktbildung zu ahd. nideren (um 800), mhd. nider(e)n ‘niedrig machen, herabsetzen, erniedrigen’, mnd. nēderen. niedrig Adj. ‘unten befindlich, tief gelegen, nicht hoch, gering an Wert und Würde, untergeordnet’ (16. Jh.), mnd. nēderich, Weiterbildung zum Adj. nieder. erniedrigen Vb. ‘demütigen, herabsetzen’ (16. Jh.), Weiterbildung von älterem gleichbed. niedrigen Vb. (niderigen, 15. Jh.). Niedertracht f. ‘Gemeinheit in Gesinnung und Handlung’ (Mitte 18. Jh.), rückgebildet aus niederträchtig Adj. ‘gemein, schäbig’ (17. Jh.), ‘gesenkt, geneigt, niedrig, tiefliegend, unterwürfig, verzagt, geringen Standes’ (16. Jh.), spätmhd. nidertrehtic ‘von oben herab angesehen, gering geschätzt, verächtlich’, zu mhd. sich tragen ‘sich benehmen, betragen’ (s. ↗tragen, ↗Tracht). niederdeutsch Adj. zur Bezeichnung des (vor allem durch die 2. Lautverschiebung nicht oder kaum betroffenen) nördlichen Sprachstandes des Deutschen; zuerst auf die niederländische Sprache bezogen (2. Hälfte 15. Jh.), ausgehend wohl von der ‘niedrig gelegenen, flachen’ Beschaffenheit des Landes (vgl. Nider teutschelant, 2. Hälfte 15. Jh., und die Bezeichnung Niederlande), auch zur Kennzeichnung des dort lebenden Volkes (nider dütsch, 1. Hälfte 16. Jh.) und seiner Sprache (durchgängig seit 1641, Schottel); s. das Gegenwort ↗hochdeutsch. nieden Adv. ‘unten, in der Tiefe, auf dieser Erde’, ahd. nidana (9. Jh.), mhd. niden(e), asächs. niđana, mnl. neden(e) (vgl. nl. beneden), afries. nida, aengl. niðan, neoðan, anord. neðan aus (mit einem die Richtung angebenden Suffix -ana) germ. *niþana ‘von unten her’. Bereits Adelung erklärt: „nur noch … in der höhern poetischen Schreibart“. Entsprechend hienieden Adv. ‘hier unten, auf Erden’, ahd. hier nidana (9. Jh.), danach in der Zusammenrückung mhd. hieniden(e), mit hie, einer Nebenform von ↗hier (s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Abscheulichkeit · ↗Falschheit · ↗Gemeinheit · Niedertracht · ↗Niederträchtigkeit
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Arglist · ↗Biestigkeit · ↗Boshaftigkeit · ↗Bosheit · ↗Bösartigkeit · ↗Böswilligkeit · ↗Gehässigkeit · ↗Gemeinheit · ↗Heimtücke · ↗Hinterhältigkeit · ↗Hinterlist · Niedertracht · ↗Ruchlosigkeit · ↗Teufelei · ↗Tücke · ↗Verschlagenheit · böse / miese / schlechte / üble Absicht  ●  ↗Sadismus  fig. · ↗Schweinerei  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Niedertracht · ↗Niederträchtigkeit · ↗Tücke
Synonymgruppe
Bösartigkeit · ↗Heimtücke · ↗Infamie · Niedertracht

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abgrund Ausmaß Bosheit Brutalität Dummheit Feigheit Gemeinheit Gesinnung Gier Gipfel Grausamkeit Habgier Haß Heimtücke Heuchelei Hochmut Korruption Lüge Neid Tracht Universalgeschichte Verrat Verzweiflung menschlich moralisch pur regierungsamtlich unglaublich verbergen zutrauen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Niedertracht‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Um dieses Ziel zu erreichen, war ihm jede Niedertracht recht.
Die Zeit, 22.05.2013, Nr. 01
Das kleinste Detail erkannte er als Symbol umfassender Niedertracht im Dritten Reich.
Die Welt, 14.06.2003
Ein großer Teil ihrer Niedertracht war der ganzen Welt bekannt.
o. A.: Zweihundertvierzehnter Tag. Donnerstag, 29. August 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 32161
Ich stellte das entsprechende Mädchen zur Rede und versuchte, ihm die Niedertracht seiner Handlungsweise klarzumachen.
Maltzan, Maria von: Schlage die Trommel und fürchte dich nicht, Berlin: Ullstein 1998 [1986], S. 49
Er verspinnt sich immer tiefer in ein verzweiflungsvolles Grübeln über die Gemeinheit und Niedertracht der anderen.
Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 244
Zitationshilfe
„Niedertracht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Niedertracht>, abgerufen am 15.10.2019.

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