Nihilist, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Nihilisten · Nominativ Plural: Nihilisten
Aussprache
WorttrennungNi-hi-list
formal verwandt mitNihilismus
Wortbildung mit ›Nihilist‹ als Erstglied: ↗nihilistisch
Wahrig und DWDS, 2017

Bedeutung

Anhänger, Vertreter des Nihilismus (Lesart 1 u. 2)
Beispiele:
[…] aus dem grüblerischen Pastorensohn ist ein ironischer Nihilist geworden – mit 56 Jahren hat […]Regisseur Ingmar Bergman die Suche nach Gott und dem Sinn des Lebens eingestellt. [Der Spiegel, 12.08.1974, Nr. 33]
Nihilisten glauben […] nicht an immaterielle Ideen, aus denen positive materielle und immaterielle spirituelle Qualitäten geschaffen werden können. [enricokosmus.wordpress.com, 29.09.2012]
Er wäre so gerne ein richtig verhärmter Zyniker gewesen, ein vernichtender Nihilist, der die Gesellschaft mit totaler Verweigerung bestraft. [Neue Zürcher Zeitung, 02.08.2008]
Die »Dämonen« sind ein Jahrzehnt nach Turgenews Roman »Väter und Söhne« erschienen, in dem erstmals eine Gestalt, Bazaroff, als »Nihilist« bezeichnet wurde und Aufsehen erregte: von da an war es, als sei der Nihilismus auf das literarische Pflichtprogramm gesetzt worden. [Rychner, Max: Der Roman im 19. Jahrhundert. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 12405]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Nihilismus · Nihilist
Nihilismus m. Anschauung von der Nichtigkeit und Sinnlosigkeit aller Werte, Normen und Ziele, Bildung zu lat. nihil ‘nichts’. Im Dt. seit ca. 1786 belegt, zunächst zur Bezeichnung eines übertriebenen, verstiegenen Idealismus; vgl. etwa gleichzeitiges frz. nihilisme. Danach (2. Hälfte 19. Jh.) im Dt., Frz. (wie auch in anderen europ. Sprachen) ‘Mißachtung aller geltenden politischen und sittlichen Autorität’ (im Hinblick auf russische Verhältnisse, s. unten). Älter ist Nihilist m. ‘Vertreter, Anhänger des Nihilismus’; zunächst frz. nihiliste ‘wer die menschliche Natur Christi leugnet’ (1761), theologischem Sprachgebrauch folgend (s. unten), in der Revolutionszeit ‘wer keiner politischen Partei angehört’ (1793), im Dt. in philosophischem Sinne als Gegenwort zu Materialist (Jean Paul, 1804). Von besonderer Bedeutung für die Geschichte des Wortes in den europ. Sprachen wird russ. nigilíst (нигилист), ausgehend von Turgenjews Roman „Väter und Söhne“ (1862); der Ausdruck bezeichnet hier einen Vertreter der sich herausbildenden revolutionär-demokratischen Intelligenz der 60er Jahre des 19. Jhs., der sich radikal gegen die herrschende Ideologie und gegen überholte gesellschaftliche Formen wendet; dazu russ. nigilízm (нигилизм). Im Munde von Reaktionären dienen diese Bezeichnungen dagegen gerade der Diskreditierung fortschrittlicher Bestrebungen. Den neuzeitlichen Verwendungen vorauf geht mlat. nichilianistae (Plur.) ‘Ketzer’. Ein Augustin zugeschriebenes spätlat. nihilistus ‘an nichts Glaubender’ läßt sich offenbar nicht verifizieren; vgl. Pöggeler in: Archiv f. Begriffsgesch. 19 (1975) 197 ff.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anarchist Atheist Skeptiker Zyniker moralisch poetisch russisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Nihilist‹.

Zitationshilfe
„Nihilist“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Nihilist>, abgerufen am 21.09.2019.

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