Nord, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Nord(e)s · wird nur im Singular verwendet
Nebenform N
Aussprache  [nɔʁt]
GrundformNorden
Wahrig und ZDL

Bedeutungen

1.
Synonym zu Norden (1), in gegensätzlicher Bedeutung zu Süd (1)
Grammatik: ohne Artikel
Beispiele:
Im Osten und am Alpenostrand bläst zeitweise lebhafter Wind aus Nordwest bis Nord, sonst weht schwacher bis mäßiger Wind. [Der Standard, 19.04.2016]
Zu Anfang kam er [der Wind] meist aus W bis SW, aber in der Mitte vorwiegend aus N bis O: Die Hauptursache für so viel Kälte. [Süddeutsche Zeitung, 11.11.2003]
N steht für die Himmelsrichtung Nord, die Maßeinheit Newton und im Straßenverkehr für Nürnberg und Norwegen. [Die Welt, 04.05.2001]
Ganz Nordirland nimmt Anteil an dem Ereignis [British Open im Golf], was sich […] auch geografisch erklären lässt. »Du kannst von Nord nach Süd in eineinhalb Stunden fahren und von Ost nach West in zwei Stunden«[…]. [Süddeutsche Zeitung, 18.07.2019]
Stattdessen machte man einen Abstecher Richtung Norden – und erreichte die nördlichste Position, die ein konventionell betriebenes Schiff, das kein Eisbrecher war, bis dato erreicht hat: 85°40,7’ Nord und 135°39,6’ Ost – man war nur noch 259 Meilen entfernt vom Nordpol. [Süddeutsche Zeitung, 01.06.2017]
Als sie [die London Church of England] den ersten Bischof für Neuseeland einsetzte, wurde seine Diözese nach Breitengraden bestimmt: von 50 Grad Süd bis 34 Grad Nord. [Die Zeit, 12.04.1985]
Die Wildgänse sind ganz sichere Wetterpropheten; ziehen sie gen Nord, so ist wärmere Witterung zu erwarten; nehmen sie ihren Strich gen Süd, so kann man auf das Auftreten von Kälte und Schnee rechnen. [Welt und Wissen, 18/3 (1929)]
2.
Synonym zu Norden (2, 3), in gegensätzlicher Bedeutung zu Süd (2)
Grammatik: ohne Artikel
Kollokationen:
in Koordination: Nord und Süd
Beispiele:
Hier [in der Bundeswehr] arbeiten Menschen aus dem Osten und Westen Deutschlands, aus Nord und Süd, junge und ältere, solche mit und ohne ausländische Wurzeln. [Der Spiegel, 12.06.2012 (online)]
Deutschland ist nicht nur Berlin, München, Fraport, VW und Elbphilharmonie, sondern auch: Nord und Süd, Ost und West, Berg und Tal, »overcrowded« und »uncrowded«, Dinkelsbühl, Thüringer Brätel und der Bäcker um die Ecke. [Die Welt, 18.04.2020]
Das ideale Europa bedeutete für mich stets eine Verschmelzung von Nord und Süd, wie sie schon aus der klugen Mittelmeerpolitik Friedrichs II. Anfang des 13. Jahrhunderts herauszulesen war. [Die Zeit, 01.09.2011]
Als Durchgangsland zwischen Ost und West, zwischen Nord und Süd und in seinem Bemühen um gutes Einvernehmen mit seinen Nachbarn wird Slowenien einen ganz eigenen Beitrag zum europäischen Zusammenwachsen leisten können. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1996]]
3.
in gegensätzlicher Bedeutung zu Süd (3)
Grammatik: ohne Artikel, als (nachgestelltes) geografisches Bestimmungswort bei Substantiven, meist Eigennamen. Wird ein geografischer Name von einem nachgestellten Substantiv näher bestimmt, so kann man laut § 52 getrennt schreiben oder einen Bindestrich setzen (z. B. München Nord oder München‑Nord).
Beispiele:
In der Regionalliga Nord spielen in dieser Saison acht Mannschaften aus Schleswig‑Holstein und Hamburg. [Süddeutsche Zeitung, 14.05.2020]
In Hamburg‑Nord wird […] sogar überlegt, Einfamilienhäuser zu verbieten. [Welt am Sonntag, 02.02.2020]
Im Jahr 2018 wird […] die Fahrbahn zwischen Autobahnkreuz München Nord und der Anschlussstelle Aschheim/Ismaning neu aufgelegt und in dieser Zeit der Verkehr auf die Trasse in Richtung Norden verlegt. [Süddeutsche Zeitung, 12.09.2016]
Die Stadt Starnberg erhält einen neuen Bahnhof, den sogenannten Bahnhof Nord. [Süddeutsche Zeitung, 14.07.1993]
4.
veraltet, meist dichterisch aus Norden kommender Wind, Nordwind
in gegensätzlicher Bedeutung zu Süd (4)
Beispiele:
Alle jene[…] Blüten sind gefallen / Von des Nordes winterlichem Wehn. [Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller. München / Wien: Carl Hanser 2004, S. 290]
Ich widmete ihm [dem Kaufmann] zur Erinnerung einige Verse, die hier ein bescheidenes Plätzchen finden mögen: Die Blätter weiß von Kalkstaub, die der Nord nicht abriß und der Hundstern nicht verbrannte. [Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von: Erinnerungen 1848–1914. In: Simons, Oliver (Hg.): Deutsche Autobiographien 1690–1930. Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1928], S. 73740]
Jhr Kinder der Natur, die ihr so spät erscheint, Da man den Untergang des Pflanzenreichs beweint, Warum last ihr euch noch bei stürmerischen Wehen, Des rauhend kalten Nords, beim Regenwetter sehen? [Ebeling, Johann Justus: Andächtige Betrachtungen aus dem Buche der Natur und Schrift. Bd. 3. Hildesheim 1747]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Nord · Norden · nordisch · nördlich · Nordlicht · Nordost · Nordosten · Nordpol · Nordsee · nordwärts · Nordwest · Nordwesten
Nord m. (ohne Artikel, besonders in der Seemanssprache und Meteorologie) ‘Himmelsrichtung des tiefsten Sonnenstands, die vom höchsten Sonnenstand am weitesten entfernt liegende Gegend’, (mit Artikel) ‘aus dieser Richtung wehender Wind, Nordwind’. Ahd. nord n. ‘Norden, Nordwind’ (um 1000), mhd. nort n. ‘Norden’, asächs. norð Adv. ‘im Norden, nordwärts’, mnl. nort, noort, nl. noord n. f. und Adv. ‘Norden, nordwärts’, afries. north, aengl. norþ Adj. und Adv. ‘nördlich, nordwärts’, engl. north Adj., Adv. und Subst. ‘nördlich, Norden, Nordwind’, anord. norðr n. und Adv. ‘Norden, nordwärts’, norw. dän. nord, schwed. norr ‘Norden’ (germ. *nurþa-) lassen sich außergerm. wohl mit griech. enérteros, nérteros (ἐνέρτερος, νέρτερος, νέρτεροϛ) ‘unterer, tieferer, unterirdisch’, osk. nertrak ‘von links’, umbr. nertru ‘links’ vergleichen, wobei die germ. Formen als tiefstufige Bildungen zu dem sonst hochstufig bezeugten Komparativ ie. *nertero- und damit zur Wurzel ie. *ner- ‘unten’ bzw. ‘links’ anzusehen sind. Auszugehen wäre dann von einem germ. Richtungsadverb, das im Sinne von ‘weiter unten, weiter links’ entweder die ‘Gegend, wo die Sonne unten ist’ oder die ‘linke Seite des sich gegen Osten (Sonnenaufgang) neigenden Beters’ bezeichnet. Norden m. (meist ohne Artikel) ‘Himmelsrichtung des tiefsten Sonnenstands’, (mit Artikel) ‘das nördliche Gebiet der Erde, der nördliche Teil eines bestimmten Gebietes und dessen Bewohner’. Ahd. nordan n. ‘Norden, Nordwind’ (11. Jh.), spätmhd. norden n., mnd. nōrden n., mnl. norden, noorden, nl. noorden ‘Norden, Nordseite’, norw. dän. norden ‘Norden’, speziell ‘Skandinavien’, sind Substantivierungen des Richtungsadverbs ahd. nordana (9. Jh.), mhd. norden, asächs. norðan, aengl. norþan, anord. norðan ‘von Norden’ (vgl. ahd. fon nordana, mhd. von norden, wo das Adverb leicht als artikelloses Substantiv aufgefaßt werden kann). Norden ist heute allgemein gebräuchlich für die Himmelsrichtung und das entsprechende Gebiet im Unterschied zu der meist fachsprachlichen, aber auch dichterischen Verwendungsweise von Nord (s. oben). nordisch Adj. ‘den (europäischen) Norden betreffend, zu ihm gehörig, aus ihm stammend, für den europäischen Norden eigentümlich, charakteristisch’, in hd. Form zuerst nortisch ‘nördlich’ (16. Jh.), in heutiger Bedeutung seit dem 17. Jh.; vgl. nl. noords; dän. schwed. nordisk sind aus dem Dt. entlehnt. nördlich Adj. ‘im Norden gelegen, nach Norden gerichtet, aus dem Norden kommend’ (Anfang 18. Jh.), älter nordlich (17. Jh.), nordenlich (15. Jh.), ahd. nordlīh (Hs. 12. Jh.). Nordlicht n. ‘Polarlicht’ (1716), Übersetzung von dän. norw. nordlys, anfangs konkurrierend mit Nordschein (1717). Nordost m. ‘Nordosten, Wind aus Nordosten’, Nordosten m. ‘Himmelsrichtung zwischen Norden und Osten, in dieser Richtung gelegenes Gebiet und dessen Bewohner’, ahd. nordōstan m. n. (10. Jh.), nordōst Adv. (11. Jh.), vgl. auch nordōstrōni Adj. ‘nordöstlich’ (bei Einhard, 9. Jh.), spätmhd. nortōste ‘Nordostwind’. Nordpol m. ‘nördlicher Pol der Erd- und Himmelskugel’ (1678), älter der nordische Polus, Nordwirbel (1664), Nordspitz (1587). Nordsee f. Randmeer des Atlantischen Ozeans (17. Jh.), vgl. nl. Noordzee, vom niederländischen Standpunkt aus benannt im Gegensatz zur Zuiderzee ‘südliche See’; vgl. spätmhd. nordermer, nortmer ‘Nordmeer’. nordwärts Adv. ‘nach Norden zu, in nördliche Richtung’ (17. Jh.). Nordwest m. Nordwesten m. (entsprechend der Bedeutung und Verwendungsweise von Nordost, Nordosten, s. oben), ahd. nordwestan m. n. (10. Jh.), nordwest Adv. (11. Jh.), vgl. auch nordwestrōni Adj. ‘nordwestlich’ (bei Einhard, 9. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Nord... · nördlich
Chemie
Synonymgruppe
Stickstoff · Stickstoffgas  ●  N  Elementsymbol · Nitrogenium  fachspr.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Nord‹ (berechnet)

A-junior Analyst Bau Isenburg-zentrums Kirchenkreis Volkshochschule bauen bäko-zentrale gewinnen oberliga regionalliga reizen stoppen verbandsliga verbinden wolfacher

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Nord‹.

Zitationshilfe
„Nord“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Nord>.

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