Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Norden, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Nordens · wird nur im Singular verwendet
Abkürzung N
Aussprache  [ˈnɔʁdn̩]
Worttrennung Nor-den
Wahrig und ZDL

Bedeutungen

1.
eine der vier Haupthimmelsrichtungen   Himmelsrichtung, die in Richtung Nordpol weist; auf der Nordhalbkugel der Erde die Richtung des täglichen Sonnentiefstands
Grammatik: meist ohne Artikel
in gegensätzlicher Bedeutung zu Süden (1)
Kollokationen:
in Präpositionalgruppe/-objekt: von Süden nach Norden; nach Norden ziehen
in Koordination: Norden und Süden
hat Präpositionalgruppe/-objekt: in Richtung Norden
Beispiele:
Das Land [Chile] liegt nicht nur am untersten Zipfel des amerikanischen Kontinents, es ist noch dazu so schmal, dass es an manchen Stellen nur wenige Straßen und Brücken gibt, die es ermöglichen, von Süden nach Norden zu fahren. [Süddeutsche Zeitung, 28.04.2020]
Diese sogenannte Tiefenwasserbildung ist eine wichtige Komponente des Golfstromsystems, das kaltes Wasser nach Süden und karibische Wärme nach Norden transportiert und damit Westeuropa ein vergleichsweise mildes Klima beschert. [Süddeutsche Zeitung, 07.11.2020]
Kommt der Wind aus Norden, hat auch das Windrad seinen »Kopf« – das Maschinenhaus – nach Norden ausgerichtet. [Süddeutsche Zeitung, 31.10.2018]
In die Mitte der kürzeren Seite zeichnest du eine Linie und markierst sie mit N für Norden. Fünf Zentimeter vom unteren Rand malst du eine waagerechte Linie auf. […] Um die Zeit [auf der Sonnenuhr] abzulesen, muss der Pfeil mit dem großen N auf der Bodenplatte genau nach Norden zeigen. [Aachener Zeitung, 05.07.2016]
Die Ferienzeit beginnt – und auf den Autobahnen Richtung Süden und Norden wird es eng. [Der Spiegel, 14.06.2015 (online)]
Er drehte den Motor [seines Kutters] auf und nahm Kurs nach Norden. [Boie, Kirsten: Skogland. Hamburg 2005, S. 202]
2.
nördlich gelegenes Gebiet (eines Kontinents, eines Landes, einer Region oder Stadt)
in gegensätzlicher Bedeutung zu Süden (2)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: der reiche, hohe, kühle, kalte Norden; der gesamte, äußerste Norden
als Akkusativobjekt: den Norden kontrollieren, erschüttern, besetzen, bewohnen, verlassen
in Präpositionalgruppe/-objekt: im Norden [eines Landes] liegen, leben, bleiben; aus dem Norden kommen
Beispiele:
Die Christen dominieren den wirtschaftsstärkeren Süden, die Muslime den verarmten Norden [Nigerias]. [Der Spiegel, 06.05.2010 (online)]
Zu Beginn der Pandemie hatte es in Frankreich gewirkt, als sei Corona ein Problem des Nordens. [Süddeutsche Zeitung, 10.09.2020]
Der sprachlichen Vielfalt in Schwarzafrika steht eine Uniformität im Norden des Kontinents gegenüber: Das semitische Arabisch verdrängte im Zuge der islamischen Eroberungen weitgehend die vorher dort gesprochenen Idiome. [Die Welt, 22.02.2019]
In Paris hat die Räumung der beiden letzten großen Flüchtlingslager begonnen. Am frühen Montagmorgen begann die Räumung einer Zeltstadt am Canal Saint‑Martin im Norden der Stadt […]. [Süddeutsche Zeitung, 05.06.2018]
Vor 20.000 bis 55.000 Jahren erwärmte sich die Antarktis immer dann, wenn es im Norden kalt wurde. [Die Zeit, 09.11.2006]
3.
die nördlichen Länder der Erde
in gegensätzlicher Bedeutung zu Süden (3)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: der globale Norden
Beispiele:
Nach Angaben der UN werden aktuell 86 Prozent der zwangsweise Vertriebenen nicht im reichen Norden der Welt aufgenommen, sondern in Entwicklungsländern. [Der Tagesspiegel, 19.06.2021]
Während die Klimakrise in erster Linie in Ländern des globalen Nordens herbeigeführt wird, bekommt der globale Süden die Folgen davon zuerst in aller Härte zu spüren. [Bote der Urschweiz, 15.11.2021]
Kündigt sich im griechischen Exempel [der EU-Subventionen] […] der europäische Nord‑Süd‑Kulturkonflikt (»germanischer Norden« gegen »lateinischen Süden«) an[…]? [Syriza, Podemos und »die Kaste« – Die Zeit, 10.02.2015, aufgerufen am 16.02.2021]

letzte Änderung:

Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Nord · Norden · nordisch · nördlich · Nordlicht · Nordost · Nordosten · Nordpol · Nordsee · nordwärts · Nordwest · Nordwesten
Nord m. (ohne Artikel, besonders in der Seemanssprache und Meteorologie) ‘Himmelsrichtung des tiefsten Sonnenstands, die vom höchsten Sonnenstand am weitesten entfernt liegende Gegend’, (mit Artikel) ‘aus dieser Richtung wehender Wind, Nordwind’. Ahd. nord n. ‘Norden, Nordwind’ (um 1000), mhd. nort n. ‘Norden’, asächs. norð Adv. ‘im Norden, nordwärts’, mnl. nort, noort, nl. noord n. f. und Adv. ‘Norden, nordwärts’, afries. north, aengl. norþ Adj. und Adv. ‘nördlich, nordwärts’, engl. north Adj., Adv. und Subst. ‘nördlich, Norden, Nordwind’, anord. norðr n. und Adv. ‘Norden, nordwärts’, norw. dän. nord, schwed. norr ‘Norden’ (germ. *nurþa-) lassen sich außergerm. wohl mit griech. enérteros, nérteros (ἐνέρτερος, νέρτερος, νέρτεροϛ) ‘unterer, tieferer, unterirdisch’, osk. nertrak ‘von links’, umbr. nertru ‘links’ vergleichen, wobei die germ. Formen als tiefstufige Bildungen zu dem sonst hochstufig bezeugten Komparativ ie. *nertero- und damit zur Wurzel ie. *ner- ‘unten’ bzw. ‘links’ anzusehen sind. Auszugehen wäre dann von einem germ. Richtungsadverb, das im Sinne von ‘weiter unten, weiter links’ entweder die ‘Gegend, wo die Sonne unten ist’ oder die ‘linke Seite des sich gegen Osten (Sonnenaufgang) neigenden Beters’ bezeichnet. – Norden m. (meist ohne Artikel) ‘Himmelsrichtung des tiefsten Sonnenstands’, (mit Artikel) ‘das nördliche Gebiet der Erde, der nördliche Teil eines bestimmten Gebietes und dessen Bewohner’. Ahd. nordan n. ‘Norden, Nordwind’ (11. Jh.), spätmhd. norden n., mnd. nōrden n., mnl. norden, noorden, nl. noorden ‘Norden, Nordseite’, norw. dän. norden ‘Norden’, speziell ‘Skandinavien’, sind Substantivierungen des Richtungsadverbs ahd. nordana (9. Jh.), mhd. norden, asächs. norðan, aengl. norþan, anord. norðan ‘von Norden’ (vgl. ahd. fon nordana, mhd. von norden, wo das Adverb leicht als artikelloses Substantiv aufgefaßt werden kann). Norden ist heute allgemein gebräuchlich für die Himmelsrichtung und das entsprechende Gebiet im Unterschied zu der meist fachsprachlichen, aber auch dichterischen Verwendungsweise von Nord (s. oben). nordisch Adj. ‘den (europäischen) Norden betreffend, zu ihm gehörig, aus ihm stammend, für den europäischen Norden eigentümlich, charakteristisch’, in hd. Form zuerst nortisch ‘nördlich’ (16. Jh.), in heutiger Bedeutung seit dem 17. Jh.; vgl. nl. noords; dän. schwed. nordisk sind aus dem Dt. entlehnt. nördlich Adj. ‘im Norden gelegen, nach Norden gerichtet, aus dem Norden kommend’ (Anfang 18. Jh.), älter nordlich (17. Jh.), nordenlich (15. Jh.), ahd. nordlīh (Hs. 12. Jh.). Nordlicht n. ‘Polarlicht’ (1716), Übersetzung von dän. norw. nordlys, anfangs konkurrierend mit Nordschein (1717). Nordost m. ‘Nordosten, Wind aus Nordosten’, Nordosten m. ‘Himmelsrichtung zwischen Norden und Osten, in dieser Richtung gelegenes Gebiet und dessen Bewohner’, ahd. nordōstan m. n. (10. Jh.), nordōst Adv. (11. Jh.), vgl. auch nordōstrōni Adj. ‘nordöstlich’ (bei Einhard, 9. Jh.), spätmhd. nortōste ‘Nordostwind’. Nordpol m. ‘nördlicher Pol der Erd- und Himmelskugel’ (1678), älter der nordische Polus, Nordwirbel (1664), Nordspitz (1587). Nordsee f. Randmeer des Atlantischen Ozeans (17. Jh.), vgl. nl. Noordzee, vom niederländischen Standpunkt aus benannt im Gegensatz zur Zuiderzee ‘südliche See’; vgl. spätmhd. nordermer, nortmer ‘Nordmeer’. nordwärts Adv. ‘nach Norden zu, in nördliche Richtung’ (17. Jh.). Nordwest m. Nordwesten m. (entsprechend der Bedeutung und Verwendungsweise von Nordost, Nordosten, s. oben), ahd. nordwestan m. n. (10. Jh.), nordwest Adv. (11. Jh.), vgl. auch nordwestrōni Adj. ‘nordwestlich’ (bei Einhard, 9. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Norden‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Norden‹.

Gaza-streifen Gazastreifen Halbinsel Hauptstadt Insel Land Sinai-halbinsel Stadt Westjordanlandes besiedelt dominiert essener frankfurter hofheimer industrialisiert kommunistisch kontrolliert kurdisch kühl langener muslimisch münchner oberurseler protestantisch reich sprendlingener wetterbegünstigt äußerst
Zitationshilfe
„Norden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Norden>.

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