Notstand, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungNot-stand (computergeneriert)
WortzerlegungNotStand1
Wortbildung mit ›Notstand‹ als Erstglied: ↗Notstandsgebiet · ↗Notstandsgesetz · ↗Notstandsgesetzgebung
 ·  mit ›Notstand‹ als Letztglied: ↗Befehlsnotstand · ↗Bildungsnotstand · ↗Erklärungsnotstand · ↗Pflegenotstand
eWDG, 1974

Bedeutung

gefahrdrohender Zustand, zu dessen Behebung außerordentliche Maßnahmen erforderlich sind und der juristisch ein Rechtfertigungsgrund für ein sonst nicht erlaubtes Verhalten ist
a)
gefahrdrohender Zustand im Bereich des öffentlichen Lebens, besonders bei Naturkatastrophen
Beispiele:
durch das Erdbeben, die Überschwemmung trat für den Bezirk ein Notstand ein
wegen der entstandenen Schäden wurde es notwendig, den öffentlichen Notstand auszurufen, zu verkünden
b)
gefahrdrohender Zustand im persönlichen Bereich
Beispiele:
er sah in der drohenden Haltung des Mannes einen Notstand
der Notstand lässt es zu, dass notwendige strafbare Handlungen straffrei ausgehen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Not · nötig · nötigen · Nötigung · Notbehelf · Notdurft · notdürftig · Notdürftigkeit · notgedrungen · Notlüge · Notnagel · Notpfennig · Notstand · Notwehr · notwendig · Notwendigkeit · Notzucht · notzüchtigen
Not f. ‘Armut, Elend, Mangel, schwierige Lage, Bedrängnis, Mühe, Schwierigkeit, Zwang’, ahd. (8. Jh.), mhd. mnd. nōt, asächs. nōd, mnl. noot, nl. nood, afries. nēd, aengl. níed, nēd, engl. need (Plur. needs ‘Bedürfnisse’), anord. nauð, nauðr, schwed. nöd, got. nauþs (germ. *naudi- f.) führt als Abstraktbildung mit ti-Suffix wie apreuß. nautin (Akkusativ) ‘Not’, vielleicht im Anschluß an Verben wie lit. nõvyti ‘bedrücken, vernichten, quälen’, aslaw. unyti ‘verzagen, nachlässig werden’, russ. nyt’ (ныть) ‘anhaltend dumpf schmerzen’, mit aslaw. nǫžda, nužda ‘Zwang, Gewalt, Notwendigkeit’, russ. (älter) nudá (нуда) ‘Zwang, Nötigung, Not’, russ. nuždá (нужда) ‘Not Armut, Elend’ auf eine Wurzel ie. *nāu-, *nəu-, *nū- ‘Tod, Leiche’, verbal ‘bis zur Erschöpfung abquälen, ermattet zusammensinken’. nötig Adj. ‘dringend erforderlich, unentbehrlich, notwendig’, ahd. nōtag, nōtīg ‘in Not, bedrängt’ (9. Jh.), mhd. nōtec, nōtic, nœtic ‘Not habend, bedrängt, dürftig, notwendig, dringend, eilig’. nötigen Vb. ‘jmdn. auffordern, dringend bitten, etw. zu tun’, in der Rechtssprache ‘jmdn. mit Gewalt oder Drohung dazu bringen, etw. zu tun, zu dulden oder zu unterlassen’, ahd. nōtagōn (um 1000), mhd. nōtegen, nōtigen, auch ‘notzüchtigen’, neben gleichbed. frühnhd. nöten, ahd. nōten ‘Gewalt, Zwang antun, drängen’ (8. Jh.); vgl. asächs. nōdian, aengl. nīedan, anord. neyða, got. nauþjan ‘zwingen’. Nötigung f. ‘das Genötigtwerden, Zwang’, ahd. nōtigunga (um 1000), frühnhd. notigung (15. Jh.). Notbehelf m. ‘notdürftiger Behelf, unzureichendes Ersatzmittel’ (Anfang 18. Jh.). Notdurft f. ‘Ausscheidung aus Darm und Blase’, älter ‘zum Leben Nötiges’, heute nur noch in der Wendung seine Notdurft verrichten ‘Darm und Blase entleeren’ (17. Jh.), vgl. mhd. sīne nōtdurft tuon. Ahd. nōtthurft (8. Jh.), mhd. nōtdurft ‘Notwendigkeit, Not, (natürliches) Bedürfnis, Bedarf an notwendigen Dingen (zum Lebensunterhalt)’, asächs. nōdthurft ‘Notwendigkeit, Bedarf an notwendigen Dingen, zwingendes Bedürfnis’, mnl. nootdorft, nl. nooddruft, afries. nēdthreft, got. naudiþaúrfts, zusammengesetzt mit dem schwundstufigen ti-Abstraktum ahd. thurft, mhd. durft, got. þaúrfts ‘Bedürfnis’ (germ. *þurfti-, s. ↗dürftig); notdürftig Adj. ‘nicht befriedigend, behelfsmäßig, nur knapp ausreichend’, mhd. nōtdürftic ‘nötig, notwendig, bedürftig’; Notdürftigkeit f. mhd. nōtdürfticheit ‘Notwendigkeit, Bedürfnis, Erfordernis’, eigentlich ‘was man notwendig braucht’. notgedrungen Adj. ‘aus dringender Notwendigkeit gezwungen, weil es nicht anders geht’ (18. Jh.), eigentlich Part. Prät. von veraltetem notdringen ‘mit Not drängen, nötigen, zwingen’. Notlüge f. ‘durch Not erzwungene Lüge mit dem Ziel, Schaden zu verhindern oder einer Verlegenheit zu entgehen’ (Ende 16. Jh.). Notnagel m. ‘Ersatz, Aushilfe, Lückenbüßer’ (Anfang 18. Jh.). Notpfennig m. ‘für Zeiten der Not aufgespartes Geld’ (17. Jh.). Notstand m. ‘Zustand der Not, der Bedrängnis, gefahrdrohender Zustand’ (17. Jh.). Notwehr f. ‘von einem akuten Notfall erzwungene Verteidigung’ (gegen körperlichen Angriff), mhd. nōtwer. notwendig Adj. ‘nötig, unbedingt erforderlich’, eigentlich ‘geeignet, die Not zu wenden’ (1. Hälfte 16. Jh.), und (nur in älterer Sprache) ‘notgedrungen, sehr dringend, unaufschiebbar’, eigentlich ‘durch Not hervorgebracht’ (ebenfalls 1. Hälfte 16. Jh.); daraus ‘in der Natur der Sache liegend, unvermeidbar’ (18. Jh.), vgl. notwendige Konsequenz; dazu Notwendigkeit f. (16. Jh.). Notzucht f. ‘Vergewaltigung’ (16. Jh.), Rückbildung aus mhd. (rhein.) nōtzühten, das eigentlich wie ahd. nōtzogōn (10. Jh.), mhd. nōtzogen ‘mit Zwang (Not) eine Frau fortziehen, eine Frau rauben’ bedeutet; notzüchtigen Vb. ‘eine Frau vergewaltigen’, mhd. nōtzühtigen.

Thesaurus

Politik
Synonymgruppe
Ausnahmesituation · ↗Ausnahmezustand · ↗Krisensituation · ↗Notlage · Notstand  ●  (da) brennt der Baum  ugs., fig. · (da) brennt die Hütte  ugs., fig. · Holland in Not  ugs., fig. · Matthäi am Letzten  ugs.
Assoziationen
  • (der) Ernstfall  ●  (der) casus belli  geh.
  • Akt der Verzweiflung · ↗Verzweiflungstat · aus der Not geboren (sein) · verzweifelter Versuch
  • in Schwierigkeiten (sein) · in Schwierigkeiten (stecken) · in einer schwierigen Situation sein · in einer schwierigen Situation stecken  ●  (sich) in schwierigem Fahrwasser befinden  fig.
Politik
Synonymgruppe
Ausnahmezustand · ↗Kriegsrecht · Notstand
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausrufung Behebung Falle Linderung Notwehr Proklamation Verhängung Verkündung abhelfen akut ausgerufen ausriefen ausrufen außergesetzlich beheben bundesstaatlich entschuldigend humanitär inner national permanent personell polizeilich proklamieren rechtfertigend sexuell verhängen verhängt äußer übergesetzlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Notstand‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Regierung solle den Notstand möglichst schnell erklären, forderte er.
Der Tagesspiegel, 29.12.1999
Die per Referendum eingeführte Verfassung regelt den Notstand zwar eindeutig.
Süddeutsche Zeitung, 20.09.1999
Als Ursachen kommen für ihn die oben angeführten wirtschaftlichen und sozialen Notstände in Frage.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1930, S. 174
Diese Frage ist zu prüfen im Hinblick auf den sogenannten beruflichen Notstand.
o. A.: Zweihundertzehnter Tag. Freitag, 23. August 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 27505
Er schloß die Verleihung von Kirchengut bei staatlichem Notstand nicht aus.
o. A.: Die mittelalterliche Kirche. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1966], S. 3749
Zitationshilfe
„Notstand“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Notstand>, abgerufen am 19.04.2019.

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