Notwendigkeit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Notwendigkeit · Nominativ Plural: Notwendigkeiten
Aussprache
WorttrennungNot-wen-dig-keit
Wortzerlegungnotwendig-keit
Wortbildung mit ›Notwendigkeit‹ als Letztglied: ↗Existenznotwendigkeit · ↗Heilsnotwendigkeit · ↗Lebensnotwendigkeit · ↗Naturnotwendigkeit · ↗Staatsnotwendigkeit
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
nur im Singular
das Notwendigsein
Beispiele:
eine unumgängliche, absolute, dringende, bittere, innere Notwendigkeit
es besteht eine zwingende Notwendigkeit für diese Maßnahme
die Notwendigkeit einsehen, erkennen
die Notwendigkeit wird nicht angezweifelt
Marxismus Art des Zusammenhangs zwischen Objekten, Prozessen, Systemen der materiellen Welt oder des Bewusstseins, der unter gegebenen Bedingungen nur so und nicht anders sein kann   philosophische Kategorie
Beispiele:
die objektive, logische Notwendigkeit
eine geschichtliche Notwendigkeit
das dialektische Verhältnis von Notwendigkeit und Zufall zeigt sich im Wirken statistischer Gesetzmäßigkeiten
Ein andrer Gegensatz, in dem die Metaphysik befangen ist, ist der von Zufälligkeit und Notwendigkeit [EngelsDialektik d. Natur231]
2.
das Unentbehrliche, unbedingt Erforderliche
Beispiele:
da ist ihr Zimmer: sehr kläglich mit den Notwendigkeiten ihres Handwerks [BöllZug126]
»Einige traurige Notwendigkeiten müssen leider noch heute abend erledigt werden« [WerfelVeruntreuter Himmel71]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Not · nötig · nötigen · Nötigung · Notbehelf · Notdurft · notdürftig · Notdürftigkeit · notgedrungen · Notlüge · Notnagel · Notpfennig · Notstand · Notwehr · notwendig · Notwendigkeit · Notzucht · notzüchtigen
Not f. ‘Armut, Elend, Mangel, schwierige Lage, Bedrängnis, Mühe, Schwierigkeit, Zwang’, ahd. (8. Jh.), mhd. mnd. nōt, asächs. nōd, mnl. noot, nl. nood, afries. nēd, aengl. níed, nēd, engl. need (Plur. needs ‘Bedürfnisse’), anord. nauð, nauðr, schwed. nöd, got. nauþs (germ. *naudi- f.) führt als Abstraktbildung mit ti-Suffix wie apreuß. nautin (Akkusativ) ‘Not’, vielleicht im Anschluß an Verben wie lit. nõvyti ‘bedrücken, vernichten, quälen’, aslaw. unyti ‘verzagen, nachlässig werden’, russ. nyt’ (ныть) ‘anhaltend dumpf schmerzen’, mit aslaw. nǫžda, nužda ‘Zwang, Gewalt, Notwendigkeit’, russ. (älter) nudá (нуда) ‘Zwang, Nötigung, Not’, russ. nuždá (нужда) ‘Not Armut, Elend’ auf eine Wurzel ie. *nāu-, *nəu-, *nū- ‘Tod, Leiche’, verbal ‘bis zur Erschöpfung abquälen, ermattet zusammensinken’. nötig Adj. ‘dringend erforderlich, unentbehrlich, notwendig’, ahd. nōtag, nōtīg ‘in Not, bedrängt’ (9. Jh.), mhd. nōtec, nōtic, nœtic ‘Not habend, bedrängt, dürftig, notwendig, dringend, eilig’. nötigen Vb. ‘jmdn. auffordern, dringend bitten, etw. zu tun’, in der Rechtssprache ‘jmdn. mit Gewalt oder Drohung dazu bringen, etw. zu tun, zu dulden oder zu unterlassen’, ahd. nōtagōn (um 1000), mhd. nōtegen, nōtigen, auch ‘notzüchtigen’, neben gleichbed. frühnhd. nöten, ahd. nōten ‘Gewalt, Zwang antun, drängen’ (8. Jh.); vgl. asächs. nōdian, aengl. nīedan, anord. neyða, got. nauþjan ‘zwingen’. Nötigung f. ‘das Genötigtwerden, Zwang’, ahd. nōtigunga (um 1000), frühnhd. notigung (15. Jh.). Notbehelf m. ‘notdürftiger Behelf, unzureichendes Ersatzmittel’ (Anfang 18. Jh.). Notdurft f. ‘Ausscheidung aus Darm und Blase’, älter ‘zum Leben Nötiges’, heute nur noch in der Wendung seine Notdurft verrichten ‘Darm und Blase entleeren’ (17. Jh.), vgl. mhd. sīne nōtdurft tuon. Ahd. nōtthurft (8. Jh.), mhd. nōtdurft ‘Notwendigkeit, Not, (natürliches) Bedürfnis, Bedarf an notwendigen Dingen (zum Lebensunterhalt)’, asächs. nōdthurft ‘Notwendigkeit, Bedarf an notwendigen Dingen, zwingendes Bedürfnis’, mnl. nootdorft, nl. nooddruft, afries. nēdthreft, got. naudiþaúrfts, zusammengesetzt mit dem schwundstufigen ti-Abstraktum ahd. thurft, mhd. durft, got. þaúrfts ‘Bedürfnis’ (germ. *þurfti-, s. ↗dürftig); notdürftig Adj. ‘nicht befriedigend, behelfsmäßig, nur knapp ausreichend’, mhd. nōtdürftic ‘nötig, notwendig, bedürftig’; Notdürftigkeit f. mhd. nōtdürfticheit ‘Notwendigkeit, Bedürfnis, Erfordernis’, eigentlich ‘was man notwendig braucht’. notgedrungen Adj. ‘aus dringender Notwendigkeit gezwungen, weil es nicht anders geht’ (18. Jh.), eigentlich Part. Prät. von veraltetem notdringen ‘mit Not drängen, nötigen, zwingen’. Notlüge f. ‘durch Not erzwungene Lüge mit dem Ziel, Schaden zu verhindern oder einer Verlegenheit zu entgehen’ (Ende 16. Jh.). Notnagel m. ‘Ersatz, Aushilfe, Lückenbüßer’ (Anfang 18. Jh.). Notpfennig m. ‘für Zeiten der Not aufgespartes Geld’ (17. Jh.). Notstand m. ‘Zustand der Not, der Bedrängnis, gefahrdrohender Zustand’ (17. Jh.). Notwehr f. ‘von einem akuten Notfall erzwungene Verteidigung’ (gegen körperlichen Angriff), mhd. nōtwer. notwendig Adj. ‘nötig, unbedingt erforderlich’, eigentlich ‘geeignet, die Not zu wenden’ (1. Hälfte 16. Jh.), und (nur in älterer Sprache) ‘notgedrungen, sehr dringend, unaufschiebbar’, eigentlich ‘durch Not hervorgebracht’ (ebenfalls 1. Hälfte 16. Jh.); daraus ‘in der Natur der Sache liegend, unvermeidbar’ (18. Jh.), vgl. notwendige Konsequenz; dazu Notwendigkeit f. (16. Jh.). Notzucht f. ‘Vergewaltigung’ (16. Jh.), Rückbildung aus mhd. (rhein.) nōtzühten, das eigentlich wie ahd. nōtzogōn (10. Jh.), mhd. nōtzogen ‘mit Zwang (Not) eine Frau fortziehen, eine Frau rauben’ bedeutet; notzüchtigen Vb. ‘eine Frau vergewaltigen’, mhd. nōtzühtigen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Annahme · ↗Bedingung · ↗Grundannahme · ↗Grundlage · ↗Grundsatz · ↗Grundvoraussetzung · ↗Grundwahrheit · ↗Kondition · ↗Kriterium · Notwendigkeit · ↗Prämisse · ↗These · ↗Vorannahme · ↗Voraussetzung · ↗Vorbedingung  ●  ↗Axiom  fachspr.
Unterbegriffe
  • Prämisse · ↗Vordersatz
  • Rationalprinzip · Wirtschaftlichkeitsprinzip · Ökonomisches Prinzip
  • kosmologisches Postulat · kosmologisches Prinzip
  • Dedekind-Peano-Axiom · Peano-Axiom · Peano-Postulat
  • Zahlungsbedingung · Zahlungskondition
Assoziationen
Synonymgruppe
Anforderung · ↗Bedürfnis · ↗Erfordernis · ↗Forderung · Notwendigkeit · ↗Unabdingbarkeit · ↗Voraussetzung
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bewußtsein Einsicht Reform Sparen Zufall absolut anerkennen begründen bekräftigen bestehen betonen dringend einsehen ergeben erkennen geschichtlich hervorheben hinweisen historisch inner medizinisch militärisch objektiv sachlich unbedingt unterstreichen wirtschaftlich zwingend ökonomisch überzeugen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Notwendigkeit‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Lange hatten die Chefs kein Interesse daran, etwas an den Strukturen zu ändern, jetzt zwingt sie die Notwendigkeit.
Die Zeit, 09.09.2013, Nr. 36
Nur ein Teilnehmer machte Ausführungen zu der Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung.
Hannover, Heinrich: Die Republik vor Gericht 1975 - 1995, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1999], S. 300
Hier in Bonn habe ich ebenfalls die Notwendigkeit unterstrichen, größere kanadische Ziele zu erreichen auf den verschiedensten Gebieten.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1978]
Besteht aber überhaupt eine Notwendigkeit, die Frage, wer ruft, ausdrücklich noch zu stellen?
Heidegger, Martin: Sein und Zeit, Tübingen: Niemeyer 1986 [1927], S. 266
Allein die Notwendigkeit für das Leben entscheidet über den Rang einer Lehre.
Spengler, Oswald: Der Untergang des Abendlandes, München: Beck 1929 [1918], S. 48
Zitationshilfe
„Notwendigkeit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Notwendigkeit>, abgerufen am 12.11.2019.

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