Nutte, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Nutte · Nominativ Plural: Nutten
Aussprache  [ˈnʊtə]
Worttrennung Nut-te
Wortbildung  mit ›Nutte‹ als Erstglied: nuttenhaft · nuttig  ·  mit ›Nutte‹ als Letztglied: Edelnutte
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
salopp, abwertend
Synonym zu Prostituierte, Hure (1), Dirne (1)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine billige, männliche Nutte
in Koordination: Nutten und Freier, Zuhälter
Beispiele:
Vor dem Geldautomaten an der Hein‑Hoyer‑Straße stehen jetzt die Nutten gemeinsam mit den Freiern und führen Verkaufsgespräche. [Der Spiegel, 07.06.2006 (online)]
Im Rotlichteck […] stehen knapp bekleidete Nutten, in den Hinterzimmern wird gekokst und gekotzt. [Süddeutsche Zeitung, 17.04.2019]
Ich gehe reell auf den Strich und arbeite als Prostituierte (Hure, Nutte). [konkret, 2000 [1988]]
War sie vielleicht eine Nutte, die gerade einen Kunden bediente? [Wellershoff, Dieter: Die Sirene. Köln: Kiepenheuer & Witsch 1980, S. 87]
bildlich Bei seiner Antrittsvorlesung sagte er, die Kunstwelt sei ein einziges riesiges Bordell, und dann sagte er noch, wer die Zuhälter, Nutten und Freier seien. [Die Zeit, 04.04.2013]
2.
derb, Schimpfwort
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine dreckige, kleine Nutte
als Prädikativ: jmdn. als Nutte beschimpfen, bezeichnen
a)
salopp, abwertend verächtliche Bezeichnung für eine sexuell aktive oder als sexuell leichtfertig angesehene Frau
Synonym zu Flittchen, Hure (2), Schlampe (1 a)
Kollokationen:
als Prädikativ: als Nutte gelten
Beispiele:
Er warnte mich und sagte, Hulda sei eine Nutte, die es mit jedem Kerl treiben würde. [Sexgeschichten, 21.08.2008, aufgerufen am 01.09.2020]
Warum er immer wieder die mondänen kühlen Blonden bevorzugt? »Ich brauche Damen, wirkliche Damen, die dann im Schlafzimmer zu Nutten werden.« [Die Zeit, 09.11.1973]
Auf dem Klo in der Raststätte wäscht sie sich die Achseln, nimmt ordentlich die Pille, und schlendert wie eine kleine Nutte zu ein paar verschwitzten Lastwagenfahrern, die ganz glänzende Augen bekommen. [Süddeutsche Zeitung, 09.03.2019]
Renate ist so eine Art Nutte in den Augen der Jungen. Sie machen ihr Anträge, denn »mit so einer kann man ja«. [Schwarzer, Alice: Der »kleine Unterschied« und seine großen Folgen. Frankfurt a. M.: Fischer-Taschenbuch-Verl. 1977 [1975], S. 29]
Nicht der [die Tochter missbrauchende] Vater, sondern das ausgelieferte kleine Mädchen hat deswegen noch ein schlechtes Gewissen – es wird ihr von ihrer Umwelt aufgezwungen, die ihr die »Schande« zuschreibt, nicht dem Vater. Sie ist die Nutte. [Schwarzer, Alice: Der »kleine Unterschied« und seine großen Folgen. Frankfurt a. M.: Fischer-Taschenbuch-Verl. 1977 [1975], S. 37]
b)
sexualisiertes Schimpfwort für eine Frau
Synonym zu Schlampe (1 b)
Beispiele:
Wie gehen Sie mit jemandem um, der die Kanzlerin als »Nutte« bezeichnet? [Bild am Sonntag, 04.02.2018]
Nicht einmal zur Schule geht er mehr, seitdem »diese Nutte von einer Lehrerin« gesagt hat, »einer von den Rückkehrern soll antworten, als hätten wir keine Namen«. [Süddeutsche Zeitung, 27.05.2021]
Fernab des Mainstreams mit seinen Bravo‑Charts und Plastikmenschen regierten in meinem Kinderzimmer die misogynen Rapper. Ich grölte »Nutte« mit ihnen, und mein Welthass wendete sich doch wieder nur gegen meine eigene Weiblichkeit, meine Mangelhaftigkeit, mich selbst. [Süddeutsche Zeitung, 17.07.2020]
Am Bahnhofsvorplatz soll einer der Männer ein Mädchen (17) als »Nutte« beleidigt und bedrängt haben. [Bild, 02.01.2019]
»Ich begann, in den Ausschüssen Fragen zu stellen: Wohin geht das Geld? Wieso die Eile? Warum fehlen Unterlagen?« Ende Juni 2017 verprügelten zwei Schläger L[…], sie riefen: »Pass auf, du Nutte, wo du deine Nase reinsteckst!« [Süddeutsche Zeitung, 02.11.2018]

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Nutte f. ‘Hure’, vorher ‘nichtregistrierte, sehr junge Prostituierte mit noch kindlichem Aussehen’ (1. Hälfte 19. Jh.), nach berlin. Nutte ‘junges Mädchen’ (Ende 18. Jh.), ‘kleines Wesen’ (19. Jh.); vgl. auch berlin. nuttig ‘winzig, zierlich’, auch ‘unbedeutend, schlecht’ (19. Jh.). Herkunft nicht geklärt. Man hat (trotz fehlendem Umlaut) einen Zusammenhang mit nd. lütt ‘klein’, vgl. ahd. luzzi (9. Jh.), mhd. lütze, lüz ‘klein, gering’, herzustellen versucht, das zu der unter lauschen (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *leud- ‘sich ducken’ gehört. Der veränderte Anlaut könnte auf Einfluß von rotw. Nidde ‘Hure’, jidd. nid(d)o ‘menstruierende Frau’ beruhen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Dirne · Escort · Frau für spezielle Dienstleistungen · Freudenmädchen · Kurtisane · Liebesdame · Liebesdienerin · Liebesmädchen · Sexdienstleisterin · Straßendirne · Straßenprostituierte · käufliches Mädchen  ●  Callgirl  engl. · Escortgirl  engl. · Gunstgewerblerin  scherzhaft · Kokotte  veraltet · Lohndirne  veraltet · Lustdirne  veraltet · Prostituierte  Hauptform · gefallenes Mädchen  verhüllend, altertümelnd · Anbieterin für sexuelle Dienstleistungen  fachspr., Amtsdeutsch, Jargon · Bordsteinschwalbe  ugs. · Dorfmatratze  derb · Edelnutte  derb · Entspannungsdame  geh., verhüllend · Hartgeldnutte  derb · Hetäre  geh. · Horizontale  ugs. · Hure  ugs. · Metze  geh., historisch · Musche  ugs. · Nutte  derb, abwertend · Professionelle  ugs. · Schnepfe  ugs., abwertend · Sexarbeiterin  fachspr. · Straßenmädchen  ugs. · Strichmädchen  ugs. · betreibt das älteste Gewerbe der Welt  ugs. · eine, die es für Geld macht  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Nutte‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Nutte‹.

Zitationshilfe
„Nutte“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Nutte>.

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