Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Obacht, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Obacht · wird nur im Singular verwendet
Aussprache  [ˈoːbaχt]
Worttrennung Ob-acht
Wortzerlegung ob2 Acht2
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

umgangssprachlich
a)
Synonym zu Vorsicht (1)
Beispiele:
Besondere Obacht sollten Pilzsammler walten lassen, die abseits der Wege durch den Wald gehen, die könne man nicht mit Absperrbändern vor dem Holzeinschlag warnen. [Leipziger Volkszeitung, 25.08.2017]
Obacht ist bei akut verstärkten Arthrosebeschwerden geboten. [Aachener Zeitung, 26.09.2020]
Besonders für kleine Kinder ist beim Baden in sehr flachen Buchten an der Bundeswasserstraße bei vorbeifahrenden Schiffen Obacht geboten. [Fränkischer Tag, 20.06.2019]
Obacht ist geboten, wenn der Kinderzahnarzt Extraleistungen wie zahnfarbene Füllungen oder eine Versiegelung der Milchzähne verkaufen will, sagt Verbraucherschützerin H[…]. [Döbelner Allgemeine Zeitung, 20.01.2018]
Mofas, Eselskarren und Pferdekutschen kreuzen und überholen hier auf engstem Raum, so dass es einiger Obacht bedarf, um nicht unter die Räder zu geraten. [Neue Zürcher Zeitung, 28.12.2006]
α)
Phrasem:
Obacht geben (= vorsichtig sein)
Synonym zu vorsehen (2)
Beispiele:
Stolpert jemand über einen hochstehenden Gullydeckel, könnte man ja sagen, dass er halt besser Obacht geben muss. [Badische Zeitung, 12.07.2019]
In der Torgauer Straße sind besonders Autofahrer, die von der Muldebrücke stadteinwärts unterwegs sind, angehalten, Obacht zu geben. [Leipziger Volkszeitung, 07.02.2020]
Mit ihrem Anruf am Heißen Draht möchte unsere Leserin vor allem andere Friedhofsbesucher sensibilisieren, Obacht zu geben und ein Gespür dafür zu entwickeln, wenn sich jemand verdächtig verhält. [Schweriner Volkszeitung, 22.11.2017]
Der Zug kam und die Passagiere wurden freundlich, aber entschieden gewarnt, sie sollten Obacht geben beim Einsteigen. [Süddeutsche Zeitung, 12.03.2013]
β)
Phrasem:
Obacht geben, dass … (= durch Aufmerksamkeit dafür sorgen, dass etw. geschieht oder verhindert wird)
Beispiele:
Ich werde […] Obacht geben, dass die weitgehend von mir bis 2025 organisierten Fördermittel zweckentsprechend verwendet werden. [Leipziger Volkszeitung, 26.08.2020]
Leuchtend gelb gekleidete Schülerlotsen, die den Kindern vor und nach Schulschluss beim Überqueren von Straßen helfen oder Obacht geben, dass beim Ein‑ und Aussteigen in den Schulbus nichts passiert. [Landshuter Zeitung, 23.09.2020]
In den Ferien ist eine Vollzeittätigkeit durchaus möglich. […] Bleibt […] Potenzial für einen Sommerjob, müssen besonders Bafög‑Empfänger Obacht geben, dass sie über das Jahr verteilt nicht mehr als 4.812 Euro verdienen, denn sonst wird ihr Anspruch gekürzt. [Die Welt, 06.07.2009]
Wer Maler, Klempner oder Tischler im Haus hat, sollte Obacht geben, dass die Kosten in der Rechnung aufgeschlüsselt sind. [Die Welt, 02.10.2006]
In Menschenmengen sollten sie auf Taschendiebe achten und Obacht geben, daß niemand in der Kassenschlange einen Blick in ihr Portemonnaie erheischt. [Welt am Sonntag, 18.12.2005]
Gib Obacht, dass du nicht fällst. [Spöket på Canterville, 1944, aufgerufen am 31.10.2014]
b)
Phrasem:
(auf jmdn., etw.) Obacht geben (= aufmerksam sein und dadurch sich selbst oder andere Personen vor einer Gefahr, einer Verletzung o. Ä. schützen)
Beispiele:
Im Stadtverkehr muss man schon schwer Obacht geben auf die Fußgänger. [Reutlinger General-Anzeiger, 27.06.2017]
Ich schütze mich und andere durch die Maske, vermeide Nähe zu Leuten und gebe Obacht beim Einkaufen. [Südkurier, 02.09.2020]
Die Niederösterreicherin muss Obacht auf ihr lädiertes Knie geben und immer wieder Ruhephasen einlegen, fühlt sich nach den Tagen am Strand aber ausgezeichnet. [Der Standard, 11.02.2010]
Auf Dan Coats, den amerikanischen Botschafter, […] gab ein ganzer Trupp gut gebauter, unbeteiligt blickender Männer Obacht. [Der Tagesspiegel, 17.02.2003]
c)
drückt einen Hinweis oder eine Warnung aus
Synonym zu Vorsicht (1 ●)
Beispiele:
Obacht beim Autokauf! Nicht nur die Pannenanfälligkeit, sondern auch die Höhe eventueller Reparaturkosten sollten berücksichtigt werden. [Der Spiegel, 14.12.2007 (online)]
Obacht in der Nähe von Kraftwerken [Überschrift] […] Sobald es wärmer wird, ziehen die Urner Gewässer Badende an. Um diese vor Gefahren in Kraftwerk‑Nähe zu schützen, werden Sicherheitsmassnahmen getroffen. [Luzerner Zeitung, 26.05.2018]
Gleich bei ihrem Einstand begeben sich unsere Helden in Lebensgefahr. Im fernen Neunforn marschieren sie durch den Dschungel. Angeführt werden sie von einem Eingeborenen, der nur mit einer Gartenschere bewaffnet ist, und der gelegentlich ruft: »Obacht, Brennnesseln.« [Thurgauer Zeitung, 03.09.2016]
Obacht, sonst machst du ihr schönes Kleid dreckig. [La joie de vivre, 2012, aufgerufen am 31.10.2014]
Obacht, nun wird die Abfahrt eng und steil, da haben selbst Erwachsene Mühe, die Stiefel in den Schnee zu stemmen und zu bremsen! [Bild am Sonntag, 05.02.2006]
d)
selten die Obacht über etw.
Beispiele:
Nach seinem Transport an den Sempachersee wurde der monumentalen Holzskulptur die Obacht über den Sempachersee aufgetragen. [Luzerner Zeitung, 15.10.2020]
Für Erstaunen sorgte […] die Nachricht, daß er [der gebürtige Westfale] bei HeimatHamburg ausgerechnet die Obacht über alles Organisatorische bekommt. Denn S[…] hatte sich in seiner Zeit als Landesvorsitzender […] nicht gerade den Ruf erworben, besonders sorgsam mit ihm anvertrautem Geld umzugehen oder gar ein Organisationstalent zu sein. [Hamburger Abendblatt, 06.05.2006]
Lehrern jene Obacht zu übertragen, die dem Gesetzgeber und Erziehungsberechtigten obliegt, dürfte gewiss der einfachste, aber auch der denkbar schlichteste Weg sein. [Leipziger Volkszeitung, 21.01.2005]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ob1 · Obacht · beobachten · Obdach · obdachlos · Obhut · Obmann · obliegen · Obliegenheit · obsiegen · obwalten · obgedacht · obgemeldet · obberührt · obgenannt
ob1 Präp. ‘wegen, auf Grund’, heute ungebräuchlich, jedoch bis ins jüngere Nhd. noch in gehobener oder altertümelnder Ausdrucksweise; die ursprüngliche Funktion der aus einem lokalen Adverb hervorgegangenen Präposition, ein räumliches Verhältnis anzugeben (‘oberhalb von’, vgl. den Ortsnamen Rothenburg ob der Tauber), ist nur im Schweiz. länger bewahrt, während sich sonst nahe verwandtes über (s. d.) durchsetzt. Reste des adverbiellen Gebrauchs begegnen im präfixartigen ersten Glied nominaler und verbaler Komposita (s. unten). Ahd. oba (8. Jh.), mhd. ob(e) Adv. ‘oben, oberhalb’, Präp. ‘über, oberhalb von’, aengl. ufe- (in ufeweard Adj. ‘aufwärts gerichtet, ansteigend, höher, später’, Subst. ‘Oberteil, Außenseite’), anord. of Präp. Adv. ‘auf, über, durch, zwischen, wegen, gegen’, got. uf Präp. ‘unter’ gehen wie aind. úpa ‘gegen, hin, zu’, apers. upā̌ ‘hin, bei, in’, griech. hypó (ὑπό) Präp. ‘unter’, hýpo (ὕπο) Adv. ‘unten’, lat. sub Präp. ‘unter’ auf ie. *upo, *up, *eup ‘unten an etw. heran’, dann ‘(von unten) hinauf, über’ (s. auch auf) zurück. Obacht f. ‘Aufmerksamkeit, Beachtung, Vorsicht’ (Anfang 17. Jh.), namentlich im Obd. verbreitete Zusammensetzung mit Acht2 (s. d., daneben älteres Aufacht, zuerst 16. Jh.); heute vor allem in der Fügung Obacht geben ‘achtgeben, aufpassen’ (19. Jh., älter auch etw. in Obacht nehmen, halten, 17. Jh.); dazu beobachten Vb. ‘(über einen längeren Zeitraum) aufmerksam und genau betrachten, im Auge behalten, einhalten, sorgfältig beachten’ (Mitte 17. Jh., bis Ende des 18. Jhs. auch obachten), im wissenschaftlichen Sprachgebrauch häufig für lat. observāre, frz. observer (s. Observatorium). Obdach n. ‘(vorübergehende) Unterkunft, Bleibe’, ahd. obthah ‘Dach, schützende Einfriedung’ (10. Jh.), mhd. ob(e)dach ‘Dach, Unterkunft, Schutz, Überzug, Baumkrone’, im jüngeren Nhd. meist auf die Sphäre gehobenen Stils beschränkt; dazu von der Verwaltungssprache ausgehendes obdachlos Adj. ‘wohnungslos, ohne Bleibe’ (2. Hälfte 19. Jh., vgl. Asyl für Obdachlose, Ende 19. Jh., Obdachlosenasyl, 20. Jh.). Obhut f. ‘fürsorgliche Beaufsichtigung’ (Mitte 17. Jh.), intensivierende Zusammensetzung mit Hut2 f. (s. d.). Obmann m. ‘wer anderen übergeordnet ist, sie vertritt, Anführer, Vorsteher, Vertrauensmann’, auch ‘Schiedsrichter’, mhd. obeman; im Rechtswesen des 19./20. Jhs. Bezeichnung für den Vorsitzenden und Sprecher der Geschworenen. Als Pluralform steht Obleute (seit Ende 14. Jh.) neben Obmänner. obliegen Vb. heute nur geläufig in unpersönlicher Verwendung etw. obliegt jmdm. ‘etw. ist jmds. (dienstliche) Aufgabe’ (so seit Ende 19. Jh., zuerst obd.; älter etw. liegt jmdm. ob, um 1600), früher ebenfalls jmd. obliegt einer Sache, liegt einer Sache ob ‘jmd. beschäftigt sich mit einer Sache, befleißigt sich ihrer’ (16. Jh.), wohl nach den entsprechenden Gebrauchsweisen von lat. incumbere ‘sich worauf legen, werfen, auf jmdm. lasten’ (spätlat. ‘jmds. Aufgabe sein’); voraus geht ahd. oba liggen ‘obenauf liegen’ (9. Jh.), mhd. obe (ge)ligen ‘oben liegen, die Oberhand gewinnen, siegen, überwinden’, noch fortlebend in frühnhd. obliegen, dann im Nhd. in diesen Bedeutungen nicht mehr üblich. Zum Verb im neueren Sinne stellt sich Obliegenheit f. ‘Aufgabe, Pflicht’ (Ende 17. Jh., den seit Beginn des 16. Jhs. gebräuchlichen substantivierten Infinitiv das Obliegen ablösend). Veraltende Bildungen sind obsiegen Vb. ‘den Sieg davontragen’ (15. Jh.) und obwalten Vb. ‘die Herrschaft ausüben, lenken, leiten’, dann ‘herrschen, vorhanden sein’ (18. Jh.), die höchstens noch in gewählter Rede vorkommen, ferner vorwiegend kanzleisprachliche Partizipialadjektive wie obgedacht, obgemeldet, obberührt (16. Jh.), obgenannt (18. Jh.) ‘oben erwähnt’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Achtung! · Augen auf! · Vorsicht! · Vorsichtig (mit) ...! · aufgepasst! · aufpassen! · pass auf! · passen sie auf! · passt auf!  ●  Hab acht!  veraltet · Obacht!  österr., süddt. · Augen auf im Straßenverkehr!  ugs., Spruch · Holzauge, sei wachsam!  ugs., Spruch · Spitz pass auf  ugs., Spruch, veraltend

Typische Verbindungen zu ›Obacht‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Obacht‹.

Zitationshilfe
„Obacht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Obacht>.

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