Obere, der oder die

GrammatikSubstantiv (Maskulinum, Femininum) · Genitiv Singular: Oberen · Nominativ Plural: Obere(n)
Mit Pluralendung ‑n wird das Wort in der schwachen Flexion (bestimmter Artikel) und der gemischten Flexion (Indefinitpronomen, Possessivpronomen) gebildet, z. B. die, alle Oberen, in der starken Flexion ist die Endung unmarkiert, z. B. zwei, einige Obere.
WorttrennungObe-re
Grundformober1
Wortbildung mit ›Obere‹ als Letztglied: ↗Kirchenobere · ↗Parteiobere
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
jmd., der, die in einer Hierarchie an hoher Stelle steht
Beispiele:
Hier am Flughafen schlägt das Herz der Stadt. Das wissen Dubais Obere. [Spiegel, 09.09.2014 (online)]
Wenn nämlich ein Oberer – ob Kirchenmann, Politiker oder Firmenchef – die Last der Verantwortung einfach von oben herab abzuladen versucht, dann läuft tatsächlich etwas schief, und zwar keineswegs auf der unteren Ebene. [Die Welt, 20.01.2004]
[…] Essens Obere übersahen einen wahrhaft historischen Trend: das Ende des schwerindustriellen Zeitalters. [Welt am Sonntag, 02.11.2003]
In nur neun Monaten hatte Shanghai sein Hochstraßennetz. Das war deshalb möglich, weil wenige Obere mit vielen Unteren ziemlich menschenunwürdig umgesprungen sind. [Süddeutsche Zeitung, 06.02.2001]
[…] Organisationen […], in denen Gehorsam gegen unbekannte Obere oder unbedingter Gehorsam gegen bekannte Obere versprochen wird. [o. A.: Siebzigster Tag. Donnerstag, den 28. Februar 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 9133]
2.
Geistliche(r) in leitender, bestimmender Position
Beispiele:
Im Juni 2013 schrieb der Münsteraner Bischof Felix Genn an [die Ordensschwester] Milgitha: »Als Ihr höchster Oberer verlange ich von Ihnen zu Recht Gehorsam.« [Die Zeit, 10.04.2014, Nr. 16]
Der Obere des Ordens hat sich vorbehalten, zu entscheiden, was mit dem Pater passiert. [Spiegel, 04.09.2012 (online)]
Alle fünf Kirchen des Ortes sind [durch das Erdbeben] schwer beschädigt. Auch die Obere des Klarissenklosters Santa Chiara, Schwester Gemma Antonucci, gehört zu den Verschütteten. [Der Standard, 06.04.2009]
Viele Christen haben sich angewöhnt, ihre Oberen einfach nicht mehr ernstzunehmen. [Süddeutsche Zeitung, 10.01.1998]
Später gründete er [Albertus Magnus] in Köln eine Dominikaner-Hochschule, wurde Oberer der deutschen Ordensprovinz, vorübergehend auch Bischof von Regensburg, durchwanderte als Lehrer und Prediger ganz Europa und fand neben all diesen Aufgaben auch noch Zeit für ein wissenschaftliches Opus von 40 Bänden. [o. A. [A. W.]: Albertus Magnus. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1980]]
Zitationshilfe
„Obere“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Obere>, abgerufen am 02.04.2020.

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