Oberwasser, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungOber-was-ser (computergeneriert)
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
oberhalb eines Wehres, einer Schleuse gestautes Wasser
Beispiel:
zwei Wehre ... zwischen denen der Wasserspiegel auf die Höhe des Unterwassers abgesenkt oder auf die Höhe des Oberwassers angestaut werden konnte [Natur u. Heimat1960]
2.
umgangssprachlich jmd. hat Oberwasserjmd. ist im Vorteil, ist überlegen
Beispiele:
seitdem er diesen Beweis in Händen hatte, hatte er (wieder) Oberwasser
durch diesen Satz bekam, gewann er Oberwasser
Ich witterte für mich Oberwasser [GrassKatz80]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ober · Ober · Oberst · Oberin · Obers · Schlagobers · oberhalb · Oberwasser · Obrigkeit
ober Adj. (heute nur mit Flexionsendung der obere, ein oberer) ‘oben befindlich, höher gelegen, auf höherer Stufe stehend, übergeordnet’, ahd. obaro (8. Jh.), mhd. ober ist wie das Adjektiv aengl. yferra ‘nachfolgend, höher’ und die Adverbien anord. ofar(r) ‘weiter oben’, got. ufarō ‘darüber’ eine komparativische Bildung mit r-Suffix zu der unter ↗ob Präp. (s. d.) behandelten Ortsbestimmung. Die germ. Formen sind vergleichbar mit aind. úparaḥ ‘der untere, hintere, spätere’, awest. upara- ‘der obere, höhere, überlegene’, griech. hýperon, hýperos (ὕπερον, ὕπερος) ‘Mörserkeule’, lat. superus ‘der obere’, die einen Komparativ ie. *upero- fortsetzen. Neben ahd. obaro tritt ein gleichbed. ahd. (besonders obd.) obarōro (um 800) mit zusätzlicher Komparativendung; diesem entspricht der Superlativ ahd. obarōsto (8. Jh.), auch obaristo (11. Jh.), mhd. ob(e)rest, ob(e)rōst, ob(e)rist, öbrist ‘der oberste, höchste’. Substantiviertes mhd. die oberen Plur., frühnhd. ain ober (15. Jh., mit Bewahrung der endungslosen Nominativform des Mhd.) bezeichnet Personen von höherem Rang oder Stand, daher Ober m. ihrem Wert nach unter dem König stehende Spielkarte im deutschen Kartenspiel (Anfang 16. Jh., im Frühnhd. auch Oberbild, 15. Jh., Obermann, Oberbub, 16. Jh.), zu unterscheiden von Ober ‘Kellner’ (Ende 19. Jh.), einer jungen Kürzung aus Oberkellner ‘Zahlkellner’ (18. Jh., vgl. aber schon mhd. oberkelner ‘oberster Kellermeister’, 14. Jh.). Auf Substantivierung des Superlativs beruht Oberst m. ‘hoher militärischer Befehlshaber, Regimentskommandeur’, namentlich ‘im Rang unmittelbar unter dem General (major) stehender Offizier’ (16. Jh., bis ins 18. Jh. auch in der beim Adjektiv nicht mehr gebräuchlichen Form Obrist); daneben wird im älteren Nhd. (vom 15. Jh. an) außerhalb des militärischen Bereichs der Oberste ganz allgemein im Sinne von ‘Vorgesetzter, Vorsteher’ verwendet, ebenso die Oberste ‘Vorsteherin’ (16. Jh.), später ersetzt durch Oberin f. (Ende 18. Jh., seit dem 19. Jh. besonders für ‘Vorsteherin eines Klosters, Heimleiterin, leitende Krankenschwester’). Obers n. bair. öst. ‘Rahm, Sahne’ (17. Jh.), eigentlich Ober(e)s (der Milch), substantiviertes Neutrum von ober. Schlagobers n. ‘Schlagsahne’. oberhalb Präp. mit Genitiv ‘über’, älter auch Adv. ‘weiter oben gelegen, darüber’, mhd. oberhalbe(n), oberhalp Adv. und Präp.; zum zweiten Glied s. ↗-halb, ↗-halben. Oberwasser n. seit dem 19. Jh. (besonders nordd. und md.) vor allem ‘Vorteil, günstige Position’ in Fügungen wie Oberwasser haben, bekommen, auch jmdm. Oberwasser geben; das zugrundeliegende Bild entstammt dem Mühlenwesen, wo von oben auf das Mühlrad fallendes Wasser (vgl. oberschlächtiges Rad) vorteilhafter für den Antrieb ist. Frühere Belege (vom 15. Jh. an) zeigen Oberwasser in wechselndem Gebrauch für ‘aufgestautes Wasser’, ‘Gebirgswasser’ oder ‘Oberlauf eines Gewässers’. Obrigkeit f. ‘Träger der staatlichen oder kirchlichen Macht, Regierung’ (16. Jh.), zuvor spätmhd. oberkeit, frühnhd. Ober-, Öberkeit in der Bedeutung ‘Herrschaft, Macht, Gewalt’, vgl. mnd. overicheit ‘Macht, Oberherrschaft, Behörde’.

Typische Verbindungen
computergeneriert

behalten bekommen gewinnen kriegen radikal spüren verschaffen verspüren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Oberwasser‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Kurt Beck legt noch eins drauf, auch er hat Oberwasser momentan.
Die Zeit, 04.02.2008, Nr. 05
Auch weil es so läuft, bekommen die jungen Männer wieder Oberwasser.
Süddeutsche Zeitung, 24.09.1999
So hat Bill Gates mit seinem Windows 95 weiter Oberwasser.
C't, 1995, Nr. 11
Die Politik des Perikles wurde fortgesetzt, und die Leute, die ihn ein Jahr zuvor zu Fall gebracht hatten, bekamen nicht Oberwasser.
Heuß, Alfred: Hellas. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 3871
Bei dem deutschen Umsturz von 1918 erhielten die Republikaner mit dem Zusammenbruch der machtpolitischen Grundlagen der Monarchie, mit dem Zusammenbruch der Heeresmacht plötzlich Oberwasser.
Schultze-Pfaelzer, Gerhard: Propaganda, Agitation, Reklame, Berlin: Stilke 1923, S. 2
Zitationshilfe
„Oberwasser“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Oberwasser>, abgerufen am 09.12.2019.

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