Objektiv, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Objektivs · Nominativ Plural: Objektive
WorttrennungOb-jek-tiv (computergeneriert)
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›Objektiv‹ als Erstglied: ↗Objektivlinse  ·  mit ›Objektiv‹ als Letztglied: ↗Aufnahmeobjektiv · ↗Fernobjektiv · ↗Fotoobjektiv · ↗Spezialobjektiv · ↗Wechselobjektiv · ↗Weitwinkelobjektiv · ↗Zoomobjektiv
eWDG, 1974

Bedeutung

dem Gegenstand zugewandte Linse optischer Geräte
Beispiele:
das Objektiv der Kamera, des Fernrohrs, Mikroskops
das Objektiv einstellen
ins Objektiv sehen
das fotografische Objektiv
die Objektive der Kameras waren auf die Tänzerin gerichtet
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Objekt · objektiv · Objektiv · Objektivität · Objektivismus
Objekt n. ‘Gegenstand oder Ziel des Denkens und Handelns, Sache von besonderem Interesse, Vertragsgegenstand’, spätmhd. object (14. Jh.), Entlehnung von spätlat. obiectum ‘Vorwurf, Beschuldigung, Hindernis, Einwand’ (im Mlat. der Scholastik auch ‘sich den Sinnen darbietender Gegenstand, Ziel’), lat. obiecta Plur. ‘Vorwürfe, Beschuldigungen’, Substantivierung des neutralen Part. Perf. von lat. obicere (obiectum) ‘entgegenwerfen, -stellen, vorsetzen, darbieten, vorwerfen’ (vgl. lat. ob ‘entgegen, vor, über etw. hin, wegen, für’ und iacere ‘werfen’). Im Dt. versucht man, Objekt (eigentlich ‘das Entgegengestellte, Vorgeworfene’, noch bis ins 18. Jh. auch mit lat. Flexionsendungen) zunächst mit Gegenwurf zu übersetzen (so schon im 14. Jh.), seit dem Ende des 17. Jhs. tritt ↗Gegenstand (s. d.) teilweise an seine Stelle. Die neuere Philosophie (seit Kant) versteht unter Objekt ‘jede Erscheinung der außerhalb des erkennenden Subjekts und unabhängig von dessen Bewußtsein existierenden Wirklichkeit’. Als grammatischer Terminus steht es für ‘Ziel, auf das sich die Aussage eines Satzes richtet, Satzergänzung’ (Ende 17. Jh.). objektiv Adj. ‘unabhängig vom Subjekt und seinem Bewußtsein existierend, tatsächlich vorhanden, der Wirklichkeit gerecht werdend, sachlich, vorurteilsfrei’ (2. Hälfte 18. Jh., im 18./19. Jh. auch objektivisch, um 1800 verdeutscht mit gegenständlich), wohl ein nlat. objectīvus voraussetzend, doch vgl. in anderem Sinne schon mlat. objectivus ‘der Vorstellung angehörend, zum geistigen Bild von einer Sache gehörig’ (bei Scholastikern), mfrz. objectivement Adv. (15. Jh.), frz. objectif, engl. objective (beide 17. Jh.). Objektiv n. ‘dem Gegenstand zugewandte Linse oder Linsengruppe eines optischen Gerätes’ (1. Hälfte 19. Jh.), verkürzt aus Objektivglas (18. Jh., Gegenbildung zu Okularglas, s. ↗Okular), vgl. gleichbed. frz. objectif m. neben verre objectif (17. Jh.). Objektivität f. ‘die Gegebenheiten der objektiven Realität berücksichtigende Betrachtungsweise, Wirklichkeitstreue, Sachlichkeit’, früher auch ‘Gegenständlichkeit, reale Existenz’ (Ende 18. Jh.), latinisierende Ableitung von objektiv (s. oben). Objektivismus m. seit Anfang des 20. Jhs. gebräuchlicher philosophischer Terminus, in der Erkenntnistheorie und Ethik für das Anerkennen allgemeingültiger Wahrheiten bzw. für das Streben nach objektiven Normen des sittlichen Handelns, Lehre, die Erfahrungswerte des objektiv Gegebenen betrachtet.

Thesaurus

Technik
Synonymgruppe
Brennglas · ↗Linse · ↗Linsensystem · Objektiv · ↗Okular
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Abbildungsgleichung · Linsengleichung

Typische Verbindungen
computergeneriert

Befund Berichterstattung Betrachtung Beurteilung Bewertung Faktor Gegebenheit Geist Gesetzmäßigkeit Gültigkeit Idealismus Kriterium Maßstab Notwendigkeit Realität Sachverhalt Tatbestand Tatsache Wahrheit Würdigung einigermaßen fair meßbar möglichst nachprüfbar neutral sachlich scheinbar subjektiv unparteiisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Objektiv‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Angesichts dessen weiterhin von sozialer Verantwortung zu schwadronieren, ist objektiv zynisch.
Süddeutsche Zeitung, 12.02.2002
Hat sich in den vier Monaten irgendein Anzeige objektiver Parameter verändert?
Der Tagesspiegel, 31.07.2000
Aber selbst wenn nur die Macht gesucht war, führt diese dann doch die Verantwortung objektiv mit sich.
Jonas, Hans: Das Prinzip der Verantwortung, Frankfurt a. M.: Insel-Verl. 1979, S. 182
Man wird diese Darstellungen nicht als objektiv gültig ansehen dürfen.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1931, S. 163
Und um die objektive Welt unseres Wissens steht es nicht anders.
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 10512
Zitationshilfe
„Objektiv“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Objektiv>, abgerufen am 20.09.2019.

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