Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Objektivist, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Objektivisten · Nominativ Plural: Objektivisten
Aussprache [ɔpjɛktiˈvɪst]
Worttrennung Ob-jek-ti-vist
Wortzerlegung objektiv -ist
Wortbildung  mit ›Objektivist‹ als Erstglied: Objektivistin · objektivistisch
Wahrig und DWDS

Bedeutungen

1.
Philosophie Anhänger einer Richtung der Erkenntnistheorie, die davon ausgeht, dass es eine vom erkennenden Subjekt unabhängige objektive Erkenntnis von realen Dingen, Wahrheiten und Werten gibt
in gegensätzlicher Bedeutung zu Subjektivist (1)
Beispiele:
Er [der Essayist Charles Jencks] möchte dem ewigen Streit der beiden Schulen von Objektivisten und Subjektivisten entgehen, die entweder Schönheit für etwas Gegebenes »da draußen« halten, beziehungsweise das Schöne allein im Auge des Betrachters entstehen sehen. [Die Zeit, 06.09.2001]
Es gibt in der Tat eine große und sehr rege philosophische Diskussion darüber, was sich eigentlich hinter den Begriffen »Krankheit« und »Gesundheit« verbirgt – unter anderem zwischen »Objektivisten«, die glauben, dass man Krankheit völlig ohne Bezug auf das Befinden der Patienten definieren kann und sollte, und ihren Gegnern, die das anders sehen. [Warkus’ Welt: Krank oder gesund?, 15.03.2018, aufgerufen am 18.08.2021]
Für Subjektivisten entscheidet die Einschätzung der Betroffenen, ob ein Leben gut ist, Objektivisten suchen nach einem davon unabhängigen Kriterium. […] Dem Objektivisten werden viele zugestehen, daß es kein gutes Leben ist, etwa beglückt im Drogenrausch dahinzudämmern, auch wenn der Betroffene mit seiner Existenz völlig zufrieden ist. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.07.1998]
2.
Marxismus, abwertend Anhänger eines methodischen Prinzips, dass wissenschaftliche Theorie auf einer unabhängigen Objektivität (und unbeeinflusst von gesellschaftlichen Realitäten) basiert
Beispiele:
In der Auseinandersetzung mit sogenannten wissenschaftlichen Objektivisten sagte Lenin folgendes: »Der Objektivist läuft, wenn er die Notwendigkeit einer gegebenen Reihe von Tatsachen beweist, stets Gefahr, auf den Standpunkt eines Apologeten dieser Tatsachen zu geraten. Der Materialist enthüllt die Klassengegensätze und bestimmt damit seinen Standpunkt. Der Objektivist spricht von ›unüberwindlichen geschichtlichen Tendenzen‹.[«] [Neues Deutschland, 09.06.1950]
Der Künstler darf kein unparteiischer Beobachter und Objektivist, kein bloßer Fotograf sein. [Berliner Zeitung, 30.07.1950]
3.
Ethik, Philosophie Anhänger der philosophischen Lehre der russisch-amerikanischen Schriftstellerin Ayn Rand (1905 bis 1982), in der die objektivistische Ethik einem rationalen Egoismus entspricht
Beispiele:
Ayn Rand hinterließ in Amerika eine schillernde Schar von Bewunderern. Es gibt objektivistische Gruppen, Seminare und Institute. Mit ihrem Radikalkapitalismus entsprechen die Objektivisten einerseits dem Zeitgeist, mit anderem stehen sie jedoch in schroffem Gegensatz dazu. [Die Zeit, 05.09.1997]
Die Genies sind normalerweise Männer, und die männerbündeln gerne: zum Beispiel die »Objektivisten«, die dem von der Autorin Ayn Rand in den fünfziger Jahren ins Leben gerufenen Anarchokapitalismus huldigen. [Neue Zürcher Zeitung, 29.04.2016]

letzte Änderung:

Zitationshilfe
„Objektivist“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Objektivist>.

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