Objektivität, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Objektivität · Nominativ Plural: Objektivitäten · wird meist im Singular verwendet
WorttrennungOb-jek-ti-vi-tät (computergeneriert)
HerkunftLatein
eWDG, 1974

Bedeutung

Adäquatheit der Widerspiegelung der objektiven Realität, Sachlichkeit im Untersuchen, Darstellen, Urteilen
Gegenwort zu Subjektivität
Beispiele:
die Objektivität wissenschaftlicher Erkenntnis
die Objektivität einer Aussage
die Objektivität der Darstellung, des Urteils
sich [Dativ] den Anschein von Objektivität geben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Objekt · objektiv · Objektiv · Objektivität · Objektivismus
Objekt n. ‘Gegenstand oder Ziel des Denkens und Handelns, Sache von besonderem Interesse, Vertragsgegenstand’, spätmhd. object (14. Jh.), Entlehnung von spätlat. obiectum ‘Vorwurf, Beschuldigung, Hindernis, Einwand’ (im Mlat. der Scholastik auch ‘sich den Sinnen darbietender Gegenstand, Ziel’), lat. obiecta Plur. ‘Vorwürfe, Beschuldigungen’, Substantivierung des neutralen Part. Perf. von lat. obicere (obiectum) ‘entgegenwerfen, -stellen, vorsetzen, darbieten, vorwerfen’ (vgl. lat. ob ‘entgegen, vor, über etw. hin, wegen, für’ und iacere ‘werfen’). Im Dt. versucht man, Objekt (eigentlich ‘das Entgegengestellte, Vorgeworfene’, noch bis ins 18. Jh. auch mit lat. Flexionsendungen) zunächst mit Gegenwurf zu übersetzen (so schon im 14. Jh.), seit dem Ende des 17. Jhs. tritt ↗Gegenstand (s. d.) teilweise an seine Stelle. Die neuere Philosophie (seit Kant) versteht unter Objekt ‘jede Erscheinung der außerhalb des erkennenden Subjekts und unabhängig von dessen Bewußtsein existierenden Wirklichkeit’. Als grammatischer Terminus steht es für ‘Ziel, auf das sich die Aussage eines Satzes richtet, Satzergänzung’ (Ende 17. Jh.). objektiv Adj. ‘unabhängig vom Subjekt und seinem Bewußtsein existierend, tatsächlich vorhanden, der Wirklichkeit gerecht werdend, sachlich, vorurteilsfrei’ (2. Hälfte 18. Jh., im 18./19. Jh. auch objektivisch, um 1800 verdeutscht mit gegenständlich), wohl ein nlat. objectīvus voraussetzend, doch vgl. in anderem Sinne schon mlat. objectivus ‘der Vorstellung angehörend, zum geistigen Bild von einer Sache gehörig’ (bei Scholastikern), mfrz. objectivement Adv. (15. Jh.), frz. objectif, engl. objective (beide 17. Jh.). Objektiv n. ‘dem Gegenstand zugewandte Linse oder Linsengruppe eines optischen Gerätes’ (1. Hälfte 19. Jh.), verkürzt aus Objektivglas (18. Jh., Gegenbildung zu Okularglas, s. ↗Okular), vgl. gleichbed. frz. objectif m. neben verre objectif (17. Jh.). Objektivität f. ‘die Gegebenheiten der objektiven Realität berücksichtigende Betrachtungsweise, Wirklichkeitstreue, Sachlichkeit’, früher auch ‘Gegenständlichkeit, reale Existenz’ (Ende 18. Jh.), latinisierende Ableitung von objektiv (s. oben). Objektivismus m. seit Anfang des 20. Jhs. gebräuchlicher philosophischer Terminus, in der Erkenntnistheorie und Ethik für das Anerkennen allgemeingültiger Wahrheiten bzw. für das Streben nach objektiven Normen des sittlichen Handelns, Lehre, die Erfahrungswerte des objektiv Gegebenen betrachtet.

Thesaurus

Synonymgruppe
Objektivität · ↗Unbefangenheit · ↗Unvoreingenommenheit
Synonymgruppe
Neutralität · ↗Nüchternheit · Objektivität · ↗Sachlichkeit
Antonyme
  • Objektivität

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anschein Bemühen Fairness Gründlichkeit Höchstmaß Neutralität Parteilichkeit Professionalität Sachlichkeit Seriosität Streben Subjektivität Unparteilichkeit Unvoreingenommenheit Verstehen Wertfreiheit Wissenschaftlichkeit anerkennenswert anzweifeln befleißigen bürgen geboten größtmöglich höchstmöglich journalistisch mangelnd scheinbar unbestechlich vortäuschen wissenschaftlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Objektivität‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die scheinbar unangreifbare Objektivität, hinter die sich der Kritiker gern zurückzieht, ist meistens nur eine Pose.
Der Tagesspiegel, 14.09.2003
Das Bemühen um Objektivität, das gerade dem Politiker schwerfällt, ist unverkennbar.
Die Zeit, 27.01.1964, Nr. 04
Aber ich trachte nach Objektivität und möchte mich eher etwas zurückhaltend als zu vertrauensselig zeigen.
Hagenbeck, John u. Ottmann, Victor: Südasiatische Fahrten und Abenteuer, Dresden: Deutsche Buchwerkstätten 1924 [1924], S. 46
Ich möchte nicht sagen, aus Mangel an Objektivität, sondern aus Mangel an Kenntnis seines eigenen Schattens.
Jung, Carl Gustav: Psychologische Typen. In: ders., Gesammelte Werke, Bd. VI, Zürich u. a.: Rascher 1967 [1921], S. 167
Diese ist die »absolute Einheit des Begriffs und der Objektivität«.
Eisler, Rudolf: Philosophen-Lexikon. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1912], S. 12189
Zitationshilfe
„Objektivität“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Objektivität>, abgerufen am 18.08.2019.

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