Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Oblation, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Oblation · Nominativ Plural: Oblationen
Aussprache [oblaˈʦi̯oːn]
Worttrennung Ob-la-ti-on
Herkunft aus oblātiolat ‘Anbieten, Darbieten’, zu offerrelat ‘entgegentragen, anbieten, darbringen’, offerrekirchenlat ‘Gott darbringen, weihen, opfern’ (opfern)
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
christliche Kirche rituelles Versprechen eines Laien (2), nach den Regeln eines Ordens in enger Verbundenheit zu einem bestimmten Kloster zu leben
Kollokationen:
als Akkusativobjekt: eine Oblation ablegen
Beispiele:
Schwester Margareta und Schwester Pia legten ihre Oblation ab. Beide versprachen, unter der Führung des Evangeliums und im Geist des heiligen Benedikt ihren Weg zu gehen und in allem wahrhaft Gott zu suchen. [Fränkischer Tag, 14.04.2012]
Am späten Nachmittag beginnen zwei Kurse »Schweigetage für junge Leute« mit Pfarrer Robert Mayr und das Oblatentreffen. […] Zur Oblation und Oblatenaufnahme am Sonntag um 17 Uhr wird ebenfalls eingeladen. [Fränkischer Tag, 19.06.2014]
Zu den Bräuchen gehörte, daß der Pilger vor Anbruch der Reise eine Messe stiftete und bei entsprechender Oblation den Pilgersegen erhielt. [Olbrich, Harald (Hg.): Lexikon der Kunst. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1993], S. 25784]
allgemeiner Die [mindestens fünfmalige] Erneuerung der Oblation [vor der endgültigen Aufnahme ins Opus Dei] soll nicht Anlaß zu einer Prüfung und Infragestellung des bisherigen Weges sein, sondern vielmehr ausschließlich Anlaß dazu, von ganzem Herzen seine Hingabe im Opus Dei zu erneuern und zu bekräftigen. [Der Spiegel, 19.09.1983]
allgemeiner Frühestens ein halbes Jahr nach der Bitte um Aufnahme in das Opus Dei erfolgt die sogenannte »Admission«. […] Frühestens ein Jahr nach der Admission erfolgt die »Oblation«, mit der man seine Mitgliedschaft in der Vereinigung bis zum nächsten Fest des heiligen Josef (19. März) verspricht. [Der Spiegel, 19.09.1983]
Aufnahme in eine Ordensgemeinschaft als Oblate² (1) oder Oblatin (1) bzw. Leben nach dem abgelegten Versprechen
Kollokationen:
als Akkusativobjekt: seine Oblation bekommen
Beispiele:
Im 99. Lebensjahr, im 72. Jahr seiner Priesterweihe und 78. Jahr seiner Oblation ist am 19. Juni in Hünfeld Pater Prof. Dr. Alfred M[…] gestorben, informiert das Bistum Fulda. [Thüringer Allgemeine, 22.06.2006]
Die Aufnahme in die Gemeinschaft (Oblation) erfolgt an einem Hochfest, zu einem Aposteltag oder zu einem für das Kloster wichtigen Datum[…]. [Hintergrund: Die Rogate-Gemeinschaft, 16.05.2011, aufgerufen am 01.09.2020]
Die Oblation erfolgt durch den Vorsteher des Klosters mit der Bitte um den Heiligen Geist, das Versprechen an die Gemeinschaft, Handauflegung und Segensbitte, die Übergabe eines Gemeinschaftskreuzes und der Einkleidung. [Hintergrund: Die Rogate-Gemeinschaft, 16.05.2011, aufgerufen am 01.09.2020]
2.
katholische Kirche, historisch Rechtsakt im Mittelalter, mit dem die Eltern eines Kindes dessen Eintritt in ein Kloster erklärten, wo es dann aufwuchs
Beispiele:
Eigentlich war die Oblation ein recht praktischer Brauch, um sich überzähliger Verwandter zu entledigen. So konnten Familien vom frühen Mittelalter an ihren Nachwuchs, vorzugsweise Töchter, einem Kloster darbringen, und waren ihn los. [Döbelner Allgemeine Zeitung, 26.02.2016]
Hildegard von Bingen, geboren 1098, war das zehnte Kind einer Adelsfamilie im rheinhessischen Bermersheim. […] Im Alter von acht Jahren gab ihr Vater sie als lebendigen Zehnten, als »Oblation« in die Obhut eines Klosters und sprach dazu die vorgeschriebenen Worte: »Ich halte es für billig, dass wir unserem Schöpfer auch von unserer Frucht geben. Deshalb will ich diese unsere Tochter namens Hildegard …« [Der Tagesspiegel, 20.09.2009]
Nach Basilius sollten die Oblaten erst im Reifealter die Gelübde frei ablegen. Die Trullanische Synode […] ließ nur 10jährige zu. Für das Abendland bestätigen sie die Regel des Cäsarius von Arles für die Nonnen […] und die Benediktinerregel […], die einen eigenen Ritus für die Oblation kennt. Nach den meisten Autoren legt die Oblation eine absolute Verpflichtung zum Ordensstande auf; doch meinen manche, die Oblaten hätten, zur »intelligibilis aetas« […] gekommen, die Oblation erneuern müssen. Das Konzil von Toledo […] erklärte: »Zum Mönch macht entweder die Weihung durch den Vater oder die eigene Profeß.« [Hofmeister, Ph.: Oblaten. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 23625]
3.
christliche Kirche freiwillige Gabe von Gläubigen an die Kirche, Spende für fromme Zwecke an ein Kloster oder eine andere kirchliche Einrichtung
siehe auch Opfergabe
Beispiele:
Sie [die Kartäuser] verboten jeden Besitz außerhalb der Kartausen und lehnten vor allem den Zehntbesitz und die Annahme von Oblationen ab. [Lau, F.: Armut. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 2194]
Strittig blieb das Recht auf die Oblationen, den Kirchenzehnt und die Stolgebühren, doch setzte sich hier oft, vor allem in Frankreich, der Brauch einer Dreiteilung durch, die dem Kirchenherren meist zwei Drittel einbrachte. [Jedin, Hubert (Hg.): Handbuch der Kirchengeschichte. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1966], S. 4197]
Im gleichen Jahre stellte die Reformsynode von Gerona fest, Laien dürften eigentlich keine Kirchen besitzen; wo es sich nicht vermeiden lasse, sei zum mindesten die Einnahme der Oblationen untersagt. [Jedin, Hubert (Hg.): Handbuch der Kirchengeschichte. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1966], S. 4508]
Die Würzburger Synode von 1287 beklagt, »daß mancherorts unter dem Vorwand der Verbesserung der wirtschaftlichen Verwaltung der Kirche Laien durch Laien ohne Zustimmung der Prälaten und Kapitel bestellt werden, um die Oblationen und anderweitigen Einkünfte in Empfang zu nehmen«[.] [Jedin, Hubert (Hg.): Handbuch der Kirchengeschichte. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1966], S. 6550]
4.
besonders katholische Kirche rituelle Opfergabe an eine Gottheit, z. B. die Opferung von Brot und Wein während der katholischen Messe
siehe auch Offertorium
Beispiele:
So viel man aus dem Platon siehet, so enthielten sie sich vom Essen alles dessen, was ein Leben gehabt hatte. Sie gingen hierin so weit, dass sie nicht einmal den Göttern Tiere opferten, sondern ihnen nur bloß Oblationen von Früchten, Kuchen und Honig brachten. (Plato de Legib. Lib. VI. p. 782 und in Epinom. p. 975) [Von den Orphikern und Pythagoräern, 03.07.2013, aufgerufen am 01.09.2020]
Die Oblation des Brots? – Dies kann auch niemand für eine Art von Abendmahl ausgeben, da dergleichen Oblationen auch bei den Heiden üblich waren, und in den Mithrageheimnissen, wo die Seelenwanderung, wie Porphyr sagt, gelehrt wurde, weit schicklicher waren als blutige Opfer. [Von den Mithrageheimnissen der Perser, 02.07.2013, aufgerufen am 01.09.2020]

letzte Änderung:

Zitationshilfe
„Oblation“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Oblation>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Oblatin
Oblate
Oblast
Objektwelt
Objektvariable
Obleute
Oblicht
Obliegenheit
Obliegenheitsverletzung
Obligation