Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Ochsenauge, das

Grammatik Substantiv (Neutrum)
Aussprache 
Worttrennung Och-sen-au-ge
Wortzerlegung Ochse Auge

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [Bauwesen] ovales oder rundes Dachfenster, besonders an Barockbauten
  2. 2. [süddeutsch, österreichisch] Spiegelei
eWDG

Bedeutungen

1.
Bauwesen ovales oder rundes Dachfenster, besonders an Barockbauten
2.
süddeutsch, österreichisch Spiegelei
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ochse · ochsen · Ochsenauge
Ochse m. ‘kastriertes männliches Rind’, landwirtschaftlich dagegen auch ‘Zuchtbulle’, ahd. (8. Jh.), asächs. ohso, mhd. ohse, mnd. mnl. osse, nl. os, aengl. oxa, engl. ox, anord. oxi, uxi, schwed. oxe, got. aúhsus, aúhsa führt auf germ. *uhsan-, verwandt mit aind. ukṣā́ ‘Stier’, ukṣáti ‘besprengt, befeuchtet’, toch. B okso ‘Rind, Stier’, kymr. ych ‘Ochse’, mir. oss ‘Hirsch’. Ansetzbar ist ie. *uku̯s-, eine s-Erweiterung der Wurzel ie. *u̯egu̯-, *ū̌gu̯- ‘feucht, netzen’, zu der auch griech. hygrós (ὑγρός) ‘naß, feucht, wäßrig, flüssig, weich, schlaff’, lat. ūvidus ‘feucht, naß’, mnl. wac, nl. wak ‘feucht’ gehören. Auszugehen wäre dann für Ochse von einer Grundbedeutung ‘Befeuchter, (Samen)spritzer’, also ‘(Zucht)bulle’. Falls jedoch eine Bedeutung ‘(kastrierter) Zugochse’ bzw. ‘heranwachsendes Rind’ anzunehmen ist, kann Anschluß an die unter wachsen2 (s. d.) angegebene Wurzel ie. *(a)u̯eg- ‘vermehren, zunehmen’ (mit s-Formans *uks-) erwogen werden; vgl. Zimmer in: Zs. f. vgl. Sprachforsch. 95 (1981) 84 ff. ochsen Vb. ‘eifrig lernen, pauken’ (19. Jh.), eigentlich ‘wie ein als Zugtier verwendeter Ochse schwer arbeiten’, durch die Studentensprache verbreitet (vgl. büffeln). Ochsenauge n. Auge eines Ochsen, eines Rindes; vielfach im bildlichen Vergleich: ‘rundes Dachfenster’ (15. Jh.; vgl. mfrz. frz. œil-de-bœf, 16. Jh.; s. auch Bullauge), landschaftlich ‘Spiegelei’ (16. Jh.), nach seiner Flügelzeichnung ein Tagfalter (19. Jh.), die Augenkrankheit Hydrophthalmus, ‘Augapfelvergrößerung’ (19. Jh.). Schließlich volkstümlicher Name mehrerer Pflanzen (seit dem 17. Jh.) mit großen, gefüllten Blütenköpfchen wie Kamille-, Asternarten, Wucherblume, Löwenzahn u. a. (vgl. Marzell s. v.). Für eine Art Wucherblume (Chrysanthemum) bereits lat. būphthalmus m. (Plinius), griech. būphthalmon (βούφϑαλμον, Dioskorides), zu griech. būs (βοῦς) ‘Rind, Kuh, Ochse’ und griech. ophthalmós (ὀφϑαλμός) ‘Auge’.

Thesaurus

Architektur
Synonymgruppe
Ochsenauge · Oculus · Rundfenster
Oberbegriffe

Verwendungsbeispiele für ›Ochsenauge‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ein Ochsenauge ist die Bezeichnung für die erste brasilianische Briefmarkenausgabe. [Die Zeit, 11.05.1973, Nr. 20]
Vor 100 Jahren waren es noch um die 100, doch Schmetterlinge wie etwa die Berghexe, der Flockenblumen‑Scheckenfalter oder das Kleine Ochsenauge sind bereits ausgestorben. [Süddeutsche Zeitung, 04.07.2001]
Jetzt gibt es Mäuse im Teigmantel, faule Eier auf Porzellan, Schlangenhaut und Ochsenauge, und artig wird der Teller leer gegessen, lieber Joschka! [Die Zeit, 29.10.1998, Nr. 45]
Ihr einziges Manko war dieses Ochsenauge, eine Trübung von Hornhaut und Regenbogenhaut, die bei uns in frühester Kindheit operiert wird. [Süddeutsche Zeitung, 17.06.1998]
Zwischen locker stehenden Kiefern, Mehlbeeren und Eichen der Felspartien blühen der lichthungrige Blaurote Steinsame und Blutroter Storchschnabel, Ochsenauge und Orchideen. [Die Welt, 02.05.2003]
Zitationshilfe
„Ochsenauge“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ochsenauge>.

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