Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Offizin, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Offizin · Nominativ Plural: Offizinen
Aussprache [ɔfiˈʦiːn]
Worttrennung Of-fi-zin
Wortbildung  mit ›Offizin‹ als Erstglied: offizinell
DWDS-Vollartikel

Bedeutung

historisch Werkstatt, Arbeitsstätte
Beispiele:
SM steht für SACRA MONETA (Heilige Münzstätte), K für Cyzikus, die Münzstätte, und T gibt die Werkstatt (Offizin) an, die diese Münze geprägt hat. [Burrer, Friedrich / Günther, Rosemarie: Vergöttlicht oder verdammt? Römische Kaiserfrauen im Spiegel der Münzen. Speyer: Numismatische Gesellschaft 2006, S. 164]
Selbständige große Werkstattzentren [für Töpferwaren] (wie La Graufesenque, Banassac, Montans) entstanden, die […] seit trajan. Zeit das Entstehen großer mittelgall. […] Werkstätten begünstigten (Lezoux u. a.). Die Stabilisierung des röm. Limes am Oberrhein und der oberen Donau unter Domitian ließ große Offizinen in O‑Gallien und im Rheinland, die z. T. bis ins 3. Jh. arbeiteten, entstehen. Diese Werkstätten und ihre auswärtigen Filialen […] beherrschten den Markt bis nach Britannien […]. [Olbrich, Harald (Hg.): Lexikon der Kunst. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1994], S. 27996]
Mit der Erwähnung der Offizin auf den Spes‑publica‑Münzen dieser Sonderausgaben wollte man offenbar betonen, daß diese Antoniniane in einer anderen Werkstätte ausgebracht wurden als die übrigen, die »normalen« Spes‑publica‑Prägungen, die somit nur in der zweiten Offizin geschlagen worden sein können. [Ziegler, Ruprecht: Der Schatzfund von Brauweiler. Köln: Rheinland-Verlag 1983, S. 46]
Vielleicht gehörte er [Silvinus] als Teilhaber zum gleichen Töpfereiunternehmen. Wahrscheinlich umfasste diese Offizin verschiedene Töpferöfen und bestand einige Jahrzehnte, also rund vom Jahre 100 n. Chr. bis zirka in die Mitte des 2. Jahrhunderts. [[o. A.]: Schriften für Ur- und Frühgeschichte der Schweiz. Bd. 6. Basel: Institut Rheinsprung 1949, S. 41]
a)
Werkstatt, die Druckerzeugnisse produziert
Beispiele:
Er brachte das Dokument über die Alpen und ließ es bei Andreas Lutz in dessen Ingolstädter Offizin drucken. [Die Zeit, 22.11.2006]
Die traditionsreiche, ins 18. Jahrhundert zurückreichende Offizin Haag‑Drugulin, bei der Veräußerung durch die Treuhand fast unter die Räder des blanken Kommerzes gekommen und damit der Zerstörung preisgegeben, arbeitet weiter, nicht zuletzt als Bestandteil des Museums für Druckkunst […]. [Die Zeit, 10.01.1997]
Offizin (lat./ital. officina »Werkstätte, Atelier«), bes. im 16./17. Jh., doch auch noch heute bei graph. Großbetrieben gebräuchl. Bezeichnung für eine Buchdruckerei[…]. [Olbrich, Harald (Hg.): Lexikon der Kunst. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1993], S. 23640]
Als sich im Gefolge der Reformation die Zerrüttung der alten Ständeordnung zu einer […] bedrohlichen sozialrevolutionären Situation zuspitzte und die Bauern zu den Waffen griffen, multiplizierte und potenzierte der Buchdruck ihre Parolen. Binnen eines Jahres brachten es 1525 die »Zwölf Artikel« der oberschwäbischen Aufrührer auf 24 Drucke aus 18 Offizinen. [Wittmann, Reinhard: Geschichte des deutschen Buchhandels. In: Lehmstedt, Mark (Hg.): Geschichte des deutschen Buchwesens. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1991], S. 7796]
Flink sammelte [der Verleger Franz] Greno die als unmodern ausgemusterten Schriften und Matritzen, als die alten Druckereien vom Blei‑ zum Photo‑ und Computer‑Satz übergingen. Seine Nördlinger Werkstatt ist die größte Offizin in Europa, die mit den alten Materialien und mit der alten Technik noch täglich arbeitet. [Ikarus – gelandet, 17.07.1987, aufgerufen am 18.08.2015]
Die eigene Druckerei betrieb Ulhart in der St. Katharinengasse, später in der Kirchgasse bei St. Ulrich. […] Die Offizin übernahm der Sohn, Philipp d. J. [Wohnhaas, Theodor: Ulhart. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1966], S. 76311]
b)
Arbeits- und Verkaufsraum in einer Apotheke
Beispiele:
Ursprünglich hatte der Patient keinen Zugang zur Offizin, in der der Apotheker seinem Handwerk, der Herstellung von Arzneimitteln, nachging. Die Ausgabe der fertigen Arznei erfolgte durch ein Fenster zum Hausflur oder zur Straße. [Hinze-Boll, Annette: – zu Nutz und Frommen des kranken Menschen. 150 Jahre Adler-Apotheke zu Borbeck. Bd 1. Essen: Klartext Verlag 2006, S. 55]
Die dem Haus vorgebaute Fassade aus rotem Backstein mit dem hohen Giebel und den grün und schwarz lasierten Steinen stammt von 1899, ebenso die kunstvoll eichenholzgeschnitzte »Offizin«, der denkmalgeschützte Verkaufsraum der Apotheke. [Unser Logenplatz, 16.02.2006, aufgerufen am 18.08.2015]
In der Regel bestehen Apotheken aus der Offizin (Verkaufsraum und Rezeptur, in der beispielsweise Salben hergestellt werden), Vorratsraum mit Material‑ und Kräuterkammer, Laboratorium und Arzneikeller. [Frankfurter Rundschau, 02.01.1998]
Nun präsentiert sich die Adler‑Apotheke in einem neuen und schönen Gewand, nach einer einjährigen Umbauzeit: eine auf 60 Quadratmeter erweiterte Offizin, mit drei Annahmestellen, an denen die Patienten nur wenige Minuten auf ihre Medikamente warten müssen[…]. [Berliner Zeitung, 27.03.1980]
Zuerst waren es im 11./12. Jh. offene Kramläden gleich anderen Verkaufsbuden, meist im Schutze einer Kirche, später auch des Rathauses oder anderer kommunaler Bauten angesiedelt. Diese Bretterbuden waren zunächst noch im Besitz wandernder Arzneihändler. Seit E. 13. Jh. sind steinerne A.n (= Apotheken) belegt […]. Seit dieser Zeit stabilisierte sich auch der Begriff »apotheca« für den Verkaufsraum (auch Offizin gen.). [Olbrich, Harald (Hg.): Lexikon der Kunst. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1987], S. 1518]
Mit dem raschen Aufstieg der Apotheker in die städt. Oberschicht wurden auch die Gebäude anspruchsvoller. Neben sog. »Gewölbena.n« in den Kellern von Bürger‑ und Patrizierhäusern trat immer mehr die Offizin im Erdgeschoß dieser Häuser als Verkaufs‑ und z. T. auch Arzneiherstellungsraum, ausgestattet mit Verkaufs‑ u. a. Arbeitstischen, Schränken mit Apothekergefäßen (Büchsen, Krüge u. a.), Geräten (bes. Mörser, Waage, andere Stoß‑ und Presseinrichtungen). [Olbrich, Harald (Hg.): Lexikon der Kunst. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1987], S. 1518]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Offizin · offizinell
Offizin f. ‘Werkraum (nicht gewöhnlicher Handwerker), Apotheke, Buchdruckerei’, Entlehnung (17. Jh.) von lat. officīna ‘Werkstätte’, nach opificīna, zu lat. opifex ‘Arbeiter, Handwerker, Bildner’, aus lat. opus ‘Arbeit, Beschäftigung, Handlung, Werk’ und lat. facere ‘machen, tun’. offizinell Adj. ‘als Heilmittel erhältlich, heilkräftig’, gelehrte Bildung (18. Jh.) nach nlat. officīnālis ‘heilkräftig, in der Apotheke gebraucht’.

Typische Verbindungen zu ›Offizin‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Offizin‹.

Zitationshilfe
„Offizin“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Offizin>.

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