Ohnmacht, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Ohnmacht · Nominativ Plural: Ohnmachten · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungOhn-macht (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Ohnmacht‹ als Erstglied: ↗Ohnmachtsanfall · ↗Ohnmachtsanwandlung  ·  mit ›Ohnmacht‹ als Grundform: ↗ohnmächtig
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
Bewusstlosigkeit
Gegenwort zu Bewusstsein
Beispiele:
in eine (tiefe, schwere, lange, leichte) Ohnmacht sinken
eine Ohnmacht umfing, überkam sie
gehoben eine plötzliche Ohnmacht wandelte sie an
sie (ver)sank, fiel, lag in Ohnmacht
aus der Ohnmacht erwachen, wieder zu Bewusstsein kommen
umgangssprachlich aus einer Ohnmacht in die andere fallen
erschöpft sein bis zur Ohnmacht
einer Ohnmacht nahe sein
2.
Machtlosigkeit
Beispiele:
eine wirtschaftliche, finanzielle, militärische, klägliche Ohnmacht
das Gefühl, Bewusstsein seiner Ohnmacht bedrückte ihn
seine Ohnmacht schwer empfinden
zur Ohnmacht verurteilt sein
der Mensch in seiner Ohnmacht gegenüber den entfesselten Naturgewalten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ohnmacht · ohnmächtig
Ohnmacht f. ‘Bewußtlosigkeit, Schwäche, Machtlosigkeit’, mhd. āmaht (13. Jh.), mnd. āmacht ‘Bewußtlosigkeit, Mangel an Kraft’, eine Bildung, die für das Ahd. nur aus dem Adjektiv (s. unten) zu erschließen ist (vgl. aber bedeutungsähnliches ahd. unmaht, 9. Jh., aengl. unmiht, got. unmahts ‘Schwäche, Krankheit’), setzt sich aus dem unter ↗Macht (s. d.) dargestellten Substantiv und einem meist Trennung oder Verneinung ausdrückenden Nominalpräfix kontinentalwestgerm. ā-, aengl. ǣ- ‘fort, weg, zurück, nach’ (s. ↗Ameise, vgl. ferner ahd. āteili, āteilīg, mnd. āteilec ‘unbeteiligt, ausgeschlossen’, ahd. āmād, mhd. āmāt ‘Nachmahd’, ahd. āwiggi, mhd. āwicke, anfrk. āwigki, mnl. mnd. āwech ‘Abweg, unwegsame Gegend’, aengl. ǣwǣde ‘unbekleidet’) zusammen. Dieses westgerm. Präfix ist wohl mit aind. ā́ ‘her, heran, hinzu’ (z. B. in āttah Part.adj. ‘empfangen’), griech. o- (ὀ-) ‘nahe bei, an, zu, mit’ (z. B. in okéllein, ὀκέλλειν ‘ans Land treiben’), urslaw. *ja- (teilweise mit abschwächender bzw. annähernder Funktion, s. Vasmer 3, 475) zur Partikel ie. *ē̌, *ō̌ ‘nahe bei, zusammen mit’ (wahrscheinlich verwandt mit dem Pronominalstamm ie. *e-, s. ↗er, ↗es) zu stellen. Durch Vokalverdunklung vor Nasal (s. ↗ohne) entwickelt sich spätmhd. ōmaht (Mitte 14. Jh.), frühnhd. Om(m)acht (neben bis ins 16. Jh. noch gebräuchlichem Am(m)acht), das mit ohne in Verbindung gebracht und zu Ohnmacht (16. Jh.) umgebildet wird. Diese Lautgestalt begünstigt offensichtlich die (besonders seit dem 18. Jh. sich ausbreitende) allgemeinere Verwendung im Sinne von ‘Macht-, Hilflosigkeit, erzwungenes Unvermögen’. ohnmächtig Adj. ‘ohne Bewußtsein, kraft-, machtlos, nicht fähig zu handeln’, ahd. āmahtīg ‘macht-, kraftlos, schwach’ (um 1000), mhd. āmehtec, frühnhd. am(m)echtig, mnd. mnl. āmachtich, āmechtich ‘kraftlos, schwach, bewußtlos’; Anlehnung an mhd. āne ‘ohne’ führt bereits um 1300 zur Variante mhd. ānmehtic, Trübung des Vokals ergibt spätmhd. ōmehtig, ōnmehtig (14. Jh.), frühnhd. omechtig, onmechtig, ohnmächtig.

Thesaurus

Synonymgruppe
Besinnungslosigkeit · ↗Bewusstlosigkeit · Ohnmacht · Ohnmächtigkeit
Unterbegriffe
Antonyme

Typische Verbindungen
computergeneriert

Allmacht Arroganz Eingeständnis Einzelner Erniedrigung Gefühl Hilflosigkeit Hoffnungslosigkeit Macht Mächtiger Ratlosigkeit Resignation Scham Schmerz Schreck Trauer Vernunft Verzweiflung Wut Zorn eingestehen erwachen fallen fällen gefallen kompensieren offenbaren verdammen vortäuschen Übermacht

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ohnmacht‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Mann sei in Ohnmacht gefallen, ebenso wie sein 34-jähriger Sohn, der ihm helfen wollte.
Die Welt, 09.11.1999
Er bekämpft allerdings auch die jetzige Politik der nationalen Ohnmacht.
Der Tagesspiegel, 07.11.1999
Es tat mir sehr weh, und ich fiel in Ohnmacht.
o. A.: Fünfundvierzigster Tag. Dienstag, 29. Januar 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 21285
Daß wir so, notgedrungen, einige Zeit im geschlossenen Zimmer saßen, brachte E. fast eine Ohnmacht ein.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1931. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1931], S. 228
Als sie mich um den Hals nahm, fiel ich in Ohnmacht.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 18340
Zitationshilfe
„Ohnmacht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ohnmacht>, abgerufen am 19.06.2019.

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