Ohr, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Ohr(e)s · Nominativ Plural: Ohren
Aussprache
Wortbildung mit ›Ohr‹ als Erstglied: ↗-ohrig · ↗Ohrclip · ↗Ohrclipp · ↗Ohrenarzt · ↗Ohrenbeichte · ↗Ohrenbläser · ↗Ohrenheilkunde · ↗Ohrenklappe · ↗Ohrenkneifer · ↗Ohrenkrankheit · ↗Ohrenkriecher · ↗Ohrenmarke · ↗Ohrenmensch · ↗Ohrensausen · ↗Ohrenschmalz · ↗Ohrenschmaus · ↗Ohrenschmerz · ↗Ohrenschützer · ↗Ohrensessel · ↗Ohrenstuhl · ↗Ohrenweide · ↗Ohrenzeuge · ↗Ohrfeige · ↗Ohrfeigengesicht · ↗Ohrgehänge · ↗Ohrklip · ↗Ohrklipp · ↗Ohrkneifer · ↗Ohrläppchen · ↗Ohrmarke · ↗Ohrmuschel · ↗Ohrperle · ↗Ohrring · ↗Ohrschmuck · ↗Ohrspeicheldrüse · ↗Ohrwurm · ↗Öhrchen
 ·  mit ›Ohr‹ als Letztglied: ↗Elefantenohr · ↗Eselsohr · ↗Hasenohr · ↗Hundeohr · ↗Hängeohr · ↗Innenohr · ↗Langohr · ↗Lauscherohr · ↗Mittelohr · ↗Plüschohr · ↗Schlappohr · ↗Schlitzohr · ↗Schweineohr · ↗Schweinsohr · ↗Spitzohr
 ·  mit ›Ohr‹ als Binnenglied: ↗Hals-Nasen-Ohren-Arzt · ↗Hals-Nasen-Ohrenarzt · ↗Sumpfohreule · ↗Waldohreule
eWDG, 1974

Bedeutung

paariges, am Kopf sitzendes Gehörorgan und Gleichgewichtsorgan des Menschen und der Wirbeltiere
Beispiele:
das innere, äußere Ohr
sie hat gute, schlechte Ohren
die feinen Ohren des Fuchses
ein geschultes, geübtes Ohr
mir gellen, dröhnen noch die Ohren vom Lärm der Maschinen
mein Ohr hat mich nicht getäuscht, es hat geklopft
er hört schwer auf beiden Ohren, hört nur auf einem Ohr, ist taub auf einem Ohr
es braust mir in den Ohren
er hatte ein ständiges, leises Sausen in den Ohren
Ohrmuschel
Beispiele:
kleine, hübsche, rosige, rote, spitze, anliegende, abstehende Ohren
seine Ohren brannten vor Kälte, wurden rot
bei sehr großer Kälte können leicht die ungeschützten Ohren erfrieren
sich [Dativ] die Ohren zuhalten, zustopfen
der Hund spitzt die Ohren, lässt die Ohren hängen
das Pferd legt die Ohren an, zurück
das Tier richtet, stellt die Ohren auf
mit Präposition
in Verbindung mit »am«, »an«
Beispiele:
ich friere an den Ohren
sie wurde rot bis an, über die Ohren
er nahm, packte das Kaninchen an den Ohren
jmdn. am Ohr ziehen, zupfen
in Verbindung mit »auf«
Beispiel:
er drückte den Hut aufs Ohr, schob die Mütze aufs rechte Ohr
in Verbindung mit »bei«
Beispiel:
jmdn. bei den Ohren nehmen
in Verbindung mit »hinter«
Beispiele:
sich hinterm Ohr kratzen
er kraulte den Hund hinterm Ohr
die Hand hinters Ohr halten
umgangssprachlich er bekam eins hinter die Ohren (= einen Schlag an den Hinterkopf)
in Verbindung mit »in«
Beispiele:
der Pfiff der Lokomotive gellt mir in die, den Ohren
jmdm. etw. ins Ohr sagen, flüstern, raunen
man musste dem Schwerhörigen ins Ohr schreien
in Verbindung mit »mit«
Beispiel:
scherzhaft kannst du mit den Ohren wackeln?
in Verbindung mit »über«
Beispiel:
die Decke, Mütze über die Ohren ziehen
in Verbindung mit »um«
Beispiel:
der Wind pfiff mir um die Ohren
bildlich
Beispiele:
umgangssprachlich jmd. ist ganz (Auge und) Ohr (= jmd. ist sehr aufmerksam)
jmd. hat kein Ohr (= keinen Sinn) für etw.
für Lyrik hat er kein Ohr
umgangssprachlich er hatte sein Ohr ständig an der Masse (= er informierte sich ständig über die Meinung der Masse)
umgangssprachlich haben dir nicht die Ohren geklungen? (= von dir ist gesprochen worden)
umgangssprachlich du hast wohl keine Ohren? (= hörst du nicht?)
umgangssprachlich er predigte tauben Ohren (= mahnte vergeblich)
umgangssprachlich die Wände haben Ohren (= wir werden belauscht)
umgangssprachlich mach die Ohren auf! (= höre gut zu!)
umgangssprachlich die Ohren steifhalten (= den Mut nicht verlieren) (= gesund bleiben)
umgangssprachlich die Ohren hängen lassen (= mutlos sein)
umgangssprachlich jmdm. die Ohren vollheulen
sein Ohr verschließen (= nicht zuhören)
bei jmdm. ein offenes, (bereit)williges Ohr (= Gehör, Teilnahme) finden
gehoben jmdm. ein geneigtes Ohr leihen, schenken (= jmds. Anliegen wohlwollend anhören)
umgangssprachlich lange, spitze Ohren machen (= aufmerksam lauschen)
salopp wasch dir deine Ohren! (= höre besser zu!)
ich traute meinen Ohren nicht (= glaubte, ich hätte mich verhört)
mit Präposition
in Verbindung mit »auf«
Beispiele:
salopp er sitzt wohl auf seinen Ohren? (= er hört nicht zu)
umgangssprachlich sich aufs Ohr legen (= schlafen)
in Verbindung mit »für«
Beispiele:
das war nicht für deine Ohren (bestimmt) (= solltest du nicht hören)
für norddeutsche Ohren klingt das fremd
in Verbindung mit »hinter«
Beispiele:
umgangssprachlich er hat es (faustdick) hinter den Ohren (= ist gerissen, durchtrieben)
umgangssprachlich das kannst du dir hinter die Ohren schreiben (= mußt du dir gut merken)
umgangssprachlich, abwertend er ist noch nicht trocken, noch nass, grün hinter den Ohren (= ist noch unerfahren, unreif)
in Verbindung mit »in«, »im«
Beispiele:
diese Bemerkung klang ihm wenig angenehm in den Ohren (= er hörte sie nicht gern)
umgangssprachlich jmdm. mit etw. in den Ohren liegen (= jmdm. immer wieder etw. vortragen, um es durchzusetzen)
die Melodie geht einem gleich ins Ohr (= man behält sie leicht)
ich habe die Melodie, seine Worte noch im Ohr (= kann mich genau auf sie besinnen)
umgangssprachlich jmdm. einen Floh ins Ohr setzen (= in jmdm. einen schwererfüllbaren Wunsch, einen Gedanken erwecken, der ihn nicht mehr losläßt)
in Verbindung mit »mit«
Beispiel:
umgangssprachlich mit halbem Ohr hinhören, zuhören (= nicht mit ganzer Aufmerksamkeit hinhören, zuhören)
salopp mit den Ohren schlackernsehr erstaunt sein
Beispiel:
Du schlackerst mit den Ohren, wenn ich Dir die Namen vorlese [M. WalserHalbzeit646]
in Verbindung mit »über«
Beispiele:
umgangssprachlich bis über beide Ohren verliebt sein, in Schulden stecken (= sehr verliebt, sehr verschuldet sein)
salopp jmdn. übers Ohr hauen (= jmdn. betrügen, übervorteilen)
salopp jmdm. das Fell über die Ohren ziehen (= jmdn. arg betrügen)
in Verbindung mit »um«
Beispiele:
umgangssprachlich sich [Dativ] die Nacht um die Ohren schlagen (= die Nacht nicht schlafen)
umgangssprachlich sich [Dativ] den Wind um die Ohren wehen lassen (= Erfahrungen sammeln)
umgangssprachlich jmd. hat viel, zu viel um die Ohren (= ist zu sehr belastet)
in Verbindung mit »zu«
Beispiele:
mir ist etw. zu Ohren gekommen (= ich habe etw. gehört)
umgangssprachlich die Warnung ging zum einen Ohr hinein und zum anderen wieder heraus (= wurde nicht beachtet)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ohr · Ohrfeige · Dachtel · ohrfeigen · Ohrwurm
Ohr n. Gehörorgan bei Mensch und Wirbeltier und sein äußerer, muschelartig gebogener Teil, ahd. (8. Jh.), asächs. ōra, mhd. ōr(e), mnd. ōr, aengl. ēare, anord. eyra, got. (mit grammatischem Wechsel) ausō ‘Ohr’ und (in der erweiterten Bedeutung ‘Ohr, Öhr, Henkel’) mnl. óre, nl. oor, engl. ear, schwed. öra führen auf germ. *auzan- und mit awest. (Dual) uši, griech. ū́s (οὖς aus *οὖσος), dor. ṓs (ὦς, aus *ō‐ͧs) ‘Ohr’, übertragen ‘Henkel’, lat. auris (aus *ausis) ‘Ohr’, air. āu, ō, lit. ausìs, aslaw. ucho, russ. úcho (ухо) ‘Ohr’ auf ie. *ōus-, *əus-, *us- ‘Ohr’. Zu Ohr gebildet ist ↗Öhr (s. d.). Ohrfeige f. ‘Schlag auf die Wange, Backpfeife’, frühnhd. ōrfīge (Ende 15. Jh.), mnd. ōrvīge (neben geläufigerem ōrslach), nl. (älter) oorvijg (späteres nl. oorveeg in Anlehnung an nl. vegen ‘fegen, kehren, wischen’, veeg ‘Streich, Hieb, Schlag’). Grundwort ist wohl die unter ↗Feige (s. d.) behandelte Fruchtbezeichnung, vergleichbar anderen Ausdrücken für ‘Wangenschlag’ wie nhd. (mundartlich) Dachtel f. (eigentlich ‘Dattel’) und mnl. muulpēre, nl. muilpeer (eigentlich ‘Maulbirne’); dazu ohrfeigen Vb. (Anfang 19. Jh.). Ohrwurm m. Insekt mit fadenförmigen Fühlern und Zangen am hinteren Körperende, mhd. ōrwurm (14. Jh.); nach (irriger) Volksmeinung soll das Insekt die Ohren der Menschen aufsuchen, darin leben und das Ohrinnere schädigen. Demselben Motiv folgen auch Synonyme wie Ohrenkriecher, -schlüpfer, -schliefer, -knieper, -zwicker u. ä. Anfangs bezeichnet Ohrwurm (und seine Entsprechungen) sowohl den ‘Ohrenschmerz’ als auch dessen vermeintlichen Erreger, vorgestellt teils als ein imaginärer Krankheitsdämon, teils als das oben beschriebene Insekt. Letzteres ergibt (getrocknet und gestoßen) ein volksmedizinisches Heilmittel gegen Ohrenkrankheiten. Vgl. Pfeifer Tiernamen 629 ff. In übertragener Verwendung Ohrwurm, -würmchen ‘Schmeichler’ (18. Jh.) und ‘sich einschmeichelnde, einprägsame Melodie’ (Mitte 20. Jh.).

Thesaurus

Anatomie
Synonymgruppe
Gehör · ↗Hörorgan · Ohr  ●  ↗Lauscher  ugs. · Lauschlappen  ugs. · ↗Löffel  ugs. · Ohrwaschl  ugs., österr., bair.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auge Fell Floh Handy Hörer Knopf Kopfhörer Mund Nase abbeißen abschneiden abstehend dringen dröhnen fliegen flüstern hauen klingeln klingen leihen link menschlich offen recht spitzen stoßen taub trauen verschließen zuhalten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ohr‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auf dem Ohr hören die Polen, anders als ihre empfindlichen tschechischen Nachbarn, schlecht.
Die Zeit, 30.05.1997, Nr. 23
Er kann mich kein zweites Mal schlagen, hier mit den Kissen auf den Ohren, hier in meinem eigenen Bett.
Beyer, Marcel: Flughunde, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1995 [1995], S. 71
Die restlichen Ergebnisse nahm sie nur mit halbem Ohr wahr.
Jentzsch, Kerstin: Seit die Götter ratlos sind, München: Heyne 1999 [1994], S. 161
Vergiß nicht, deinem Kopf auch ein Paar schmucke Ohren anzusetzen.
Braun, Anne u. Nell, Edith: Man muß sich nur zu helfen wissen, Leipzig: Verl. für die Frau 1971, S. 126
Sie kratzte eine bestimmte Stelle am Kopf, zwei Finger breit über dem rechten Ohr.
Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 04.03.1927
Zitationshilfe
„Ohr“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ohr>, abgerufen am 19.12.2018.

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