Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Ohr, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Ohr(e)s · Nominativ Plural: Ohren
Aussprache  [oːɐ̯]
Mehrwortausdrücke  Arsch mit Ohren · Augen und Ohren aufhalten · Augen und Ohren offen halten · Eierschalen hinter den Ohren · Floh im Ohr · Musik in jmds. Ohren · Ohren wie ein Luchs haben · Satz heiße Ohren · Satz heißer Ohren · Satz rote Ohren · Satz roter Ohren · dein Wort in Gottes Ohr · die Ohren auf Durchzug schalten · die Ohren auf Durchzug stellen · die Ohren hängen lassen · die Ohren spitzen · die Ohren steifhalten · die Wände haben Ohren · ein offenes Ohr haben · einen Floh ins Ohr setzen · einen kleinen Mann im Ohr haben · es faustdick hinter den Ohren haben · ganz Ohr · grün hinter den Ohren · jmdm. das Fell über die Ohren ziehen · jmdm. die Ohren lang ziehen · jmdm. die Ohren langziehen · jmdm. die Ohren schlackern lassen · jmdm. einen Floh ins Ohr setzen · jmdm. etw. um die Ohren hauen · jmdm. schlackern die Ohren · jmdm. zu Ohren kommen · jmdn. mit den Ohren schlackern lassen · lange Ohren machen · mit den Ohren schlackern · mit einem Ohr hinhören · mit einem Ohr zuhören · mit halbem Ohr hinhören · mit halbem Ohr zuhören · nicht ganz trocken hinter den Ohren · nicht trocken hinter den Ohren · nichts für fremde Ohren · noch feucht hinter den Ohren · seine Ohren überall haben · sich aufs Ohr hauen · sich aufs Ohr legen · sich die Nacht um die Ohren hauen · sich die Nacht um die Ohren schlagen · spitze Ohren machen · tauben Ohren predigen · trocken hinter den Ohren · viel um die Ohren haben · übers Ohr hauen
eWDG

Bedeutung

paariges, am Kopf sitzendes Gehörorgan und Gleichgewichtsorgan des Menschen und der Wirbeltiere
Beispiele:
das innere, äußere Ohr
sie hat gute, schlechte Ohren
die feinen Ohren des Fuchses
ein geschultes, geübtes Ohr
mir gellen, dröhnen noch die Ohren vom Lärm der Maschinen
mein Ohr hat mich nicht getäuscht, es hat geklopft
er hört schwer auf beiden Ohren, hört nur auf einem Ohr, ist taub auf einem Ohr
es braust mir in den Ohren
er hatte ein ständiges, leises Sausen in den Ohren
Ohrmuschel
Beispiele:
kleine, hübsche, rosige, rote, spitze, anliegende, abstehende Ohren
seine Ohren brannten vor Kälte, wurden rot
bei sehr großer Kälte können leicht die ungeschützten Ohren erfrieren
sich [Dativ] die Ohren zuhalten, zustopfen
der Hund spitzt die Ohren, lässt die Ohren hängen
das Pferd legt die Ohren an, zurück
das Tier richtet, stellt die Ohren auf
mit Präposition
Grammatik: in Verbindung mit »am«, »an«
Beispiele:
ich friere an den Ohren
sie wurde rot bis an, über die Ohren
er nahm, packte das Kaninchen an den Ohren
jmdn. am Ohr ziehen, zupfen
Grammatik: in Verbindung mit »auf«
Beispiel:
er drückte den Hut aufs Ohr, schob die Mütze aufs rechte Ohr
Grammatik: in Verbindung mit »bei«
Beispiel:
jmdn. bei den Ohren nehmen
Grammatik: in Verbindung mit »hinter«
Beispiele:
sich hinterm Ohr kratzen
er kraulte den Hund hinterm Ohr
die Hand hinters Ohr halten
umgangssprachlicher bekam eins hinter die Ohren (= einen Schlag an den Hinterkopf)
Grammatik: in Verbindung mit »in«
Beispiele:
der Pfiff der Lokomotive gellt mir in die, den Ohren
jmdm. etw. ins Ohr sagen, flüstern, raunen
man musste dem Schwerhörigen ins Ohr schreien
Grammatik: in Verbindung mit »mit«
Beispiel:
scherzhaftkannst du mit den Ohren wackeln?
Grammatik: in Verbindung mit »über«
Beispiel:
die Decke, Mütze über die Ohren ziehen
Grammatik: in Verbindung mit »um«
Beispiel:
der Wind pfiff mir um die Ohren
bildlich
Beispiele:
umgangssprachlichjmd. ist ganz (Auge und) Ohr (= jmd. ist sehr aufmerksam)
jmd. hat kein Ohr (= keinen Sinn) für etw.
für Lyrik hat er kein Ohr
umgangssprachlicher hatte sein Ohr ständig an der Masse (= er informierte sich ständig über die Meinung der Masse)
umgangssprachlichhaben dir nicht die Ohren geklungen? (= von dir ist gesprochen worden)
umgangssprachlichdu hast wohl keine Ohren? (= hörst du nicht?)
umgangssprachlicher predigte tauben Ohren (= mahnte vergeblich)
umgangssprachlichdie Wände haben Ohren (= wir werden belauscht)
umgangssprachlichmach die Ohren auf! (= höre gut zu!)
umgangssprachlichdie Ohren steifhalten (= den Mut nicht verlieren) (= gesund bleiben)
umgangssprachlichdie Ohren hängen lassen (= mutlos sein)
umgangssprachlichjmdm. die Ohren vollheulen
sein Ohr verschließen (= nicht zuhören)
bei jmdm. ein offenes, (bereit)williges Ohr (= Gehör, Teilnahme) finden
gehobenjmdm. ein geneigtes Ohr leihen, schenken (= jmds. Anliegen wohlwollend anhören)
umgangssprachlichlange, spitze Ohren machen (= aufmerksam lauschen)
saloppwasch dir deine Ohren! (= höre besser zu!)
ich traute meinen Ohren nicht (= glaubte, ich hätte mich verhört)
mit Präposition
Grammatik: in Verbindung mit »auf«
Beispiele:
salopper sitzt wohl auf seinen Ohren? (= er hört nicht zu)
umgangssprachlichsich aufs Ohr legen (= schlafen)
Grammatik: in Verbindung mit »für«
Beispiele:
das war nicht für deine Ohren (bestimmt) (= solltest du nicht hören)
für norddeutsche Ohren klingt das fremd
Grammatik: in Verbindung mit »hinter«
Beispiele:
umgangssprachlicher hat es (faustdick) hinter den Ohren (= ist gerissen, durchtrieben)
umgangssprachlichdas kannst du dir hinter die Ohren schreiben (= mußt du dir gut merken)
umgangssprachlicher ist noch nicht trocken, noch nass, grün hinter den Ohren (= ist noch unerfahren, unreif)
Grammatik: in Verbindung mit »in«, »im«
Beispiele:
diese Bemerkung klang ihm wenig angenehm in den Ohren (= er hörte sie nicht gern)
umgangssprachlichjmdm. mit etw. in den Ohren liegen (= jmdm. immer wieder etw. vortragen, um es durchzusetzen)
die Melodie geht einem gleich ins Ohr (= man behält sie leicht)
ich habe die Melodie, seine Worte noch im Ohr (= kann mich genau auf sie besinnen)
umgangssprachlichjmdm. einen Floh ins Ohr setzen (= in jmdm. einen schwererfüllbaren Wunsch, einen Gedanken erwecken, der ihn nicht mehr losläßt)
Grammatik: in Verbindung mit »mit«
Beispiel:
umgangssprachlichmit halbem Ohr hinhören, zuhören (= nicht mit ganzer Aufmerksamkeit hinhören, zuhören)
salopp mit den Ohren schlackernsehr erstaunt sein
Beispiel:
Du schlackerst mit den Ohren, wenn ich Dir die Namen vorlese [ M. WalserHalbzeit646]
Grammatik: in Verbindung mit »über«
Beispiele:
umgangssprachlichbis über beide Ohren verliebt sein, in Schulden stecken (= sehr verliebt, sehr verschuldet sein)
umgangssprachlichjmdn. übers Ohr hauen (= jmdn. betrügen, übervorteilen)
saloppjmdm. das Fell über die Ohren ziehen (= jmdn. arg betrügen)
Grammatik: in Verbindung mit »um«
Beispiele:
umgangssprachlichsich [Dativ] die Nacht um die Ohren schlagen (= die Nacht nicht schlafen)
umgangssprachlichsich [Dativ] den Wind um die Ohren wehen lassen (= Erfahrungen sammeln)
umgangssprachlichjmd. hat viel, zu viel um die Ohren (= ist zu sehr belastet)
Grammatik: in Verbindung mit »zu«
Beispiele:
mir ist etw. zu Ohren gekommen (= ich habe etw. gehört)
umgangssprachlichdie Warnung ging zum einen Ohr hinein und zum anderen wieder heraus (= wurde nicht beachtet)
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A2.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ohr · Ohrfeige · Dachtel · ohrfeigen · Ohrwurm
Ohr n. Gehörorgan bei Mensch und Wirbeltier und sein äußerer, muschelartig gebogener Teil, ahd. (8. Jh.), asächs. ōra, mhd. ōr(e), mnd. ōr, aengl. ēare, anord. eyra, got. (mit grammatischem Wechsel) ausō ‘Ohr’ und (in der erweiterten Bedeutung ‘Ohr, Öhr, Henkel’) mnl. óre, nl. oor, engl. ear, schwed. öra führen auf germ. *auzan- und mit awest. (Dual) uši, griech. ū́s (οὖς aus *οὖσος), dor. ṓs (ὦς, aus *ō‐ͧs) ‘Ohr’, übertragen ‘Henkel’, lat. auris (aus *ausis) ‘Ohr’, air. āu, ō, lit. ausìs, aslaw. ucho, russ. úcho (ухо) ‘Ohr’ auf ie. *ōus-, *əus-, *us- ‘Ohr’. Zu Ohr gebildet ist Öhr (s. d.). – Ohrfeige f. ‘Schlag auf die Wange, Backpfeife’, frühnhd. ōrfīge (Ende 15. Jh.), mnd. ōrvīge (neben geläufigerem ōrslach), nl. (älter) oorvijg (späteres nl. oorveeg in Anlehnung an nl. vegen ‘fegen, kehren, wischen’, veeg ‘Streich, Hieb, Schlag’). Grundwort ist wohl die unter Feige (s. d.) behandelte Fruchtbezeichnung, vergleichbar anderen Ausdrücken für ‘Wangenschlag’ wie nhd. (mundartlich) Dachtel f. (eigentlich ‘Dattel’) und mnl. muulpēre, nl. muilpeer (eigentlich ‘Maulbirne’); dazu ohrfeigen Vb. (Anfang 19. Jh.). Ohrwurm m. Insekt mit fadenförmigen Fühlern und Zangen am hinteren Körperende, mhd. ōrwurm (14. Jh.); nach (irriger) Volksmeinung soll das Insekt die Ohren der Menschen aufsuchen, darin leben und das Ohrinnere schädigen. Demselben Motiv folgen auch Synonyme wie Ohrenkriecher, -schlüpfer, -schliefer, -knieper, -zwicker u. ä. Anfangs bezeichnet Ohrwurm (und seine Entsprechungen) sowohl den ‘Ohrenschmerz’ als auch dessen vermeintlichen Erreger, vorgestellt teils als ein imaginärer Krankheitsdämon, teils als das oben beschriebene Insekt. Letzteres ergibt (getrocknet und gestoßen) ein volksmedizinisches Heilmittel gegen Ohrenkrankheiten. Vgl. Pfeifer Tiernamen 629 ff. In übertragener Verwendung Ohrwurm, -würmchen ‘Schmeichler’ (18. Jh.) und ‘sich einschmeichelnde, einprägsame Melodie’ (Mitte 20. Jh.).

Öhr n. ‘ohrartige Öffnung, längliches Loch am oberen Ende der Nähnadel, durch das der Faden zu ziehen ist’, ahd. ōri (um 1000), mhd. œr(e), ōr(e), eine nur im dt. Sprachgebiet bezeugte j-Ableitung von dem unter Ohr (s. d.) behandelten Substantiv. In verschiedenen anderen Sprachen haben dagegen die Bezeichnungen für Ohr auch den übertragenen Sinn ‘Öhr’ und ‘Henkel’ angenommen.

Thesaurus

Anatomie
Synonymgruppe
Gehör · Hörorgan · Ohr  ●  Lauscher  ugs. · Lauschlappen  ugs. · Löffel  ugs. · Ohrwaschl  ugs., österr., bayr.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Ohr‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ohr‹.

Verwendungsbeispiele für ›Ohr‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vergiß nicht, deinem Kopf auch ein Paar schmucke Ohren anzusetzen. [Braun, Anne u. Nell, Edith: Man muß sich nur zu helfen wissen, Leipzig: Verl. für die Frau 1971, S. 126]
Man zieht sich das dicke Fell über die Ohren und knöpft es obendrein zu? [Lehmann, Arthur-Heinz: Mensch, sei positiv dagegen!, Dresden: Heyne 1939 [1939], S. 113]
Es gibt Tiere ohne Augen; es gibt solche ohne Ohren. [Frisch, Karl von: Du und das Leben, Berlin: Verlag d. Druckhauses Tempelhof 1947 [1947], S. 107]
Aber die antike Musik höheren Stils war nichts als eine Plastik fürs Ohr. [Spengler, Oswald: Der Untergang des Abendlandes, München: Beck 1929 [1918], S. 284]
Und das ist auch bitter notwendig, denn sonst fliegt uns der ganze Laden bald um die Ohren. [Der Spiegel, 10.08.1998]
Zitationshilfe
„Ohr“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ohr>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Ohnmachtshappen
Ohnmachtsgefühl
Ohnmachtsanwandlung
Ohnmachtsanfall
Ohnmacht
Ohrclip
Ohren wie ein Luchs haben
Ohrenarzt
Ohrenbeichte
Ohrenbläser