Ohrfeige, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Ohrfeige · Nominativ Plural: Ohrfeigen
Aussprache
WorttrennungOhr-fei-ge
Wortbildung mit ›Ohrfeige‹ als Grundform: ↗ohrfeigen
DWDS-Vollartikel, 2015

Bedeutung

heftiger Schlag mit der flachen Hand auf die Wange
Beispiele:
Ohrfeigen verletzen in jedem Fall die Würde des Kindes, sie demütigen, rauben Selbstbewusstsein und das Vertrauen in andere – von den körperlichen Folgen ganz zu schweigen. [Der Standard, 17.11.2014]
Im Dezember 2011 beschuldigte die Frau ihren damaligen Kollegen […] der Körperverletzung. Der Koch habe ihr eine heftige Ohrfeige versetzt, wodurch ihr Trommelfell gerissen sei. [Spiegel, 23.09.2014 (online)]
Ihr Gesicht brannte von den Ohrfeigen […]. [Zwerenz, Gerhard: Die Ehe der Maria Braun, München: Goldmann 1979, S. 13]
Ich bedaure, daß ich mich zu einer Ohrfeige habe hinreißen lassen, Herr Kommissär, und natürlich bin ich bereit, die landesübliche Buße sofort zu zahlen. […] Was ist der Tarif? [Frisch, Max: Stiller, Rheda-Wiedenbrück: Bertelsmann 1997 [1954], S. 13]
Worte fand ich nicht, aber ich brachte meine ganze Entrüstung, Scham und Wut in einer einzigen, riesigen Ohrfeige prägnant zum Ausdruck. Gleich darauf begann die Lektion, und der Lehrer bemerkte das Wimmern und die rotgeschwollene Backe meines ehemaligen Freundes[…]. [Hesse, Hermann: Peter Camenzind, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1974 [1904], S. 24]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine knallende, schallende, deftige, kräftige, saftige, schmerzhafte Ohrfeige
als Akkusativobjekt: Ohrfeigen austeilen, verabreichen; jmdm. eine Ohrfeige verpassen; eine Ohrfeige einfangen, einstecken, kassieren
in Präpositionalgruppe/-objekt: jmdn. mit Ohrfeigen bestrafen, traktieren
in Koordination: Ohrfeigen und Kopfnüsse, Schläge, Faustschläge, Fausthiebe
als Aktivsubjekt: eine Ohrfeige trifft jmdn., gilt jmdm., schmerzt
übertragen als schmerzhaft empfundene heftige (beleidigende) Kritik, Widerlegung oder Zurechtweisung, als Missachtung, Abweisung oder Strafe angesehene Handlung
Beispiele:
Nach der schallenden Ohrfeige, die die Wähler der Regierung bei den jüngsten Kommunalwahlen verpasst haben, zögern viele Parlamentarier, ihren Wählern solche Sparmaßnahmen zuzumuten. [Die Zeit, 03.04.2014, Nr. 15]
Unablässig unter Druck wegen der wenig populären Syrienpolitik, musste Davutoglu am Wochenende eine weitere Ohrfeige einstecken: Kairo erklärte den türkischen Botschafter zur unerwünschten Person und wies ihn außer Landes. [Der Standard, 24.11.2013]
Der Präsident des VDI[…] behauptet, 15000 freie Stellen für Ingenieure seien nicht zu besetzen. […] Es ist eine Ohrfeige für die 65000 arbeitslosen Ingenieur/innen (über 45), vom denen sehr viele hoch motiviert und hoch qualifiziert sind. [Die Welt, 19.04.2004]
Dazu passen […] die verbalen Ohrfeigen, welche die Wirtschaftsförderung […] jüngst an die Gegner des Projekts verteilte. Diese wurden als »inkompetente Verhinderer« tituliert. [Neue Zürcher Zeitung, 16.04.2002]
Die Kommission muss aber sorgfältiger arbeiten und die theoretischen Annahmen in der Praxis nachweisen. Das Urteil, das von »zahlreichen Beurteilungsfehlern« spricht, ist in seinen Formulierungen eine Ohrfeige für die Brüsseler Verwaltung. [Süddeutsche Zeitung, 08.06.2002]
Dieser Friedensnobelpreis [für Adolfo Pérez Esquivel] ist eine Ohrfeige für die argentinische Militärregierung, für alle, welche die Menschenrechte in Lateinamerika mißachten. [Archiv der Gegenwart 1980, Bd. 50]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine diplomatische, moralische Ohrfeige
hat Präpositionalgruppe/-objekt: eine Ohrfeige an die Adresse [eines Amtsinhabers, einer Institution]
als Prädikativ: das Gutachten, der Bericht, das Urteil, die Kritik ist eine Ohrfeige für jmdn.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ohr · Ohrfeige · Dachtel · ohrfeigen · Ohrwurm
Ohr n. Gehörorgan bei Mensch und Wirbeltier und sein äußerer, muschelartig gebogener Teil, ahd. (8. Jh.), asächs. ōra, mhd. ōr(e), mnd. ōr, aengl. ēare, anord. eyra, got. (mit grammatischem Wechsel) ausō ‘Ohr’ und (in der erweiterten Bedeutung ‘Ohr, Öhr, Henkel’) mnl. óre, nl. oor, engl. ear, schwed. öra führen auf germ. *auzan- und mit awest. (Dual) uši, griech. ū́s (οὖς aus *οὖσος), dor. ṓs (ὦς, aus *ō‐ͧs) ‘Ohr’, übertragen ‘Henkel’, lat. auris (aus *ausis) ‘Ohr’, air. āu, ō, lit. ausìs, aslaw. ucho, russ. úcho (ухо) ‘Ohr’ auf ie. *ōus-, *əus-, *us- ‘Ohr’. Zu Ohr gebildet ist ↗Öhr (s. d.). Ohrfeige f. ‘Schlag auf die Wange, Backpfeife’, frühnhd. ōrfīge (Ende 15. Jh.), mnd. ōrvīge (neben geläufigerem ōrslach), nl. (älter) oorvijg (späteres nl. oorveeg in Anlehnung an nl. vegen ‘fegen, kehren, wischen’, veeg ‘Streich, Hieb, Schlag’). Grundwort ist wohl die unter ↗Feige (s. d.) behandelte Fruchtbezeichnung, vergleichbar anderen Ausdrücken für ‘Wangenschlag’ wie nhd. (mundartlich) Dachtel f. (eigentlich ‘Dattel’) und mnl. muulpēre, nl. muilpeer (eigentlich ‘Maulbirne’); dazu ohrfeigen Vb. (Anfang 19. Jh.). Ohrwurm m. Insekt mit fadenförmigen Fühlern und Zangen am hinteren Körperende, mhd. ōrwurm (14. Jh.); nach (irriger) Volksmeinung soll das Insekt die Ohren der Menschen aufsuchen, darin leben und das Ohrinnere schädigen. Demselben Motiv folgen auch Synonyme wie Ohrenkriecher, -schlüpfer, -schliefer, -knieper, -zwicker u. ä. Anfangs bezeichnet Ohrwurm (und seine Entsprechungen) sowohl den ‘Ohrenschmerz’ als auch dessen vermeintlichen Erreger, vorgestellt teils als ein imaginärer Krankheitsdämon, teils als das oben beschriebene Insekt. Letzteres ergibt (getrocknet und gestoßen) ein volksmedizinisches Heilmittel gegen Ohrenkrankheiten. Vgl. Pfeifer Tiernamen 629 ff. In übertragener Verwendung Ohrwurm, -würmchen ‘Schmeichler’ (18. Jh.) und ‘sich einschmeichelnde, einprägsame Melodie’ (Mitte 20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Backpfeife · ↗Knallschote · ↗Maulschelle · Ohrfeige  ●  ↗Fotze  derb, österr., bair. · ↗Klatsche  ugs. · Tätschen  ugs., österr. · ↗Watsche  ugs., bair., österr. · ↗Watschen  ugs., bair., österr.
Assoziationen
  • Hiebe · Körperstrafe · ↗Prügel · Schläge · Tracht Prügel · ↗Züchtigung · es setzt Prügel · es setzt was · es setzt was mit dem Rohrstock  ●  (die) Jacke voll  ugs. · ↗(eine) Wucht  ugs., regional · (es gibt) langen Hafer  ugs. · (es gibt) was hinter die Löffel  ugs. · (es gibt) was hinter die Ohren  ugs. · ↗Abreibung  ugs. · ↗Dresche  ugs. · ↗Haue  ugs. · Keile kriegen  ugs. · ↗Kloppe  ugs. · ↗Senge  ugs. · den Arsch voll kriegen  derb · langen Hafer kriegen  ugs.
Synonymgruppe
Klatsche  fig. · Ohrfeige  fig. · ↗Arschtritt  derb, fig. · Tritt in den Arsch  derb, fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beschimpfung Denkzettel Erziehungsmittel Fausthieb Faustschlag Fußtritt Klaps Kopfnuß Mogelpackung Ohrfeige Prügel Tritt austeilen deftig einfangen einstecken gleichkommen hageln klatschend knallend kräftig saftig schallend schmerzen traktieren verabreichen verabreicht verbal verpassen versetzen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ohrfeige‹.

Zitationshilfe
„Ohrfeige“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ohrfeige>, abgerufen am 17.11.2019.

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