Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Opfer, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Opfers · Nominativ Plural: Opfer
Aussprache 
Worttrennung Op-fer (computergeneriert)
eWDG

Bedeutungen

1.
schmerzlicher Verzicht
Beispiele:
ein Opfer für jmdn. bringen
kein Opfer an Zeit scheuen
ein solches, ein so großes Opfer kann ich nicht annehmen
das ist für mich kein Opfer (zu nennen)
das Studium kostete mich damals Opfer genug
um das Studium abzuschließen, musste sie manches Opfer auf sich nehmen, musste sie sich [Dativ] manche Opfer auferlegen
kein Opfer ist mir zu groß dafür, für das Kind
unter größten persönlichen Opfern
2.
unter schmerzlichem Verzicht dargebrachte Spende
Beispiel:
für sie ist diese kleine Summe bereits ein Opfer
3.
Gabe für eine Gottheit
Beispiel:
Weil niemand unser Reich vor dir betrat, / Der an Dianens heilgen Stufen nicht / Nach altem Brauch, ein blutig Opfer, fiel [ GoetheIphigenieI 2]
4.
jmd., der eine Missetat, etw. Schlimmes erdulden musste
Beispiele:
die Opfer des Faschismus
die Opfer der Kriege
er wurde das Opfer eines Verkehrsunglücks
mehrere Menschenleben wurden die Opfer der Naturkatastrophe
sie wurden ein Opfer der Flammen (= verbrannten)
ein Opfer des Meeres (= ein Ertrunkener)
das Erdbeben forderte zahlreiche Opfer (= viele kamen um)
ein wehrloses Opfer
die Zahl, alle Namen der Opfer
umgangssprachlich, scherzhaftwer ist das arme Opfer?
gehoben jmd., etw. fällt einer Sache zum Opfer
Beispiele:
jmd. fällt einer Intrige zum Opfer (= fällt durch eine Intrige)
das alte Gemäuer fiel der Spitzhacke zum Opfer (= fiel durch sie)
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

opfern · Opfer
opfern Vb. ‘etw. einer Gottheit darbringen, unter Verzicht spenden, hingeben’, ahd. opharōn ‘eine Arbeit verrichten, ein religiöses Opfer darbringen’ (8. Jh.), mhd. opfern, (md.) oppern ‘ein (religiöses) Opfer darbringen’, mnd. opperen ist als Wort der südd. Kirchensprache entlehnt aus kirchenlat. operārī ‘Gott ein Opfer bringen, Almosen spenden’, lat. ‘beschäftigt sein, arbeiten, wirken, verrichten’ (s. operieren). Neben diesem über die Alpen ins Dt. eingedrungenen Verb steht ahd. offrōn ‘Gott schenken, weihen, opfern’ (9. Jh.), mhd. offern, das wie anfrk. offrōn, mnl. nl. offeren, aengl. offrian, engl. to offer, anord. (aus dem Aengl.) offra über die galloroman.-rhein. Kirchensprache aus lat. offerre ‘entgegentragen, anbieten, darbringen’, kirchenlat. ‘Gott darbringen, weihen, opfern’ hervorgegangen ist. Vgl. Frings/M. Germania Romana 2 (1968) 340 ff. Opfer n. ahd. ophar (8. Jh.), mhd. opfer, opher, asächs. mnd. opper, Rückbildung aus dem Verb.

Thesaurus

Synonymgruppe
Opfer · Todesopfer · Tote
Assoziationen
  • Opferforschung · Viktimologie
  • (die) Königin der Herzen · Diana Frances Spencer · Diana Spencer · Lady D. · Lady Di · Lady Diana · Prinzessin Diana
Synonymgruppe
Assoziationen
Assoziationen
Synonymgruppe
Betroffener · Leidtragender · Opfer  ●  Geschädigter  fachspr., Amtsdeutsch
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Entführter · Geisel · Gekidnappter
  • Verletzter
Assoziationen
  • Unbeteiligter · Unschuldiger
Antonyme
Synonymgruppe
(das) geborene Opfer · Mobbingopfer  ●  (jemandes) Fußabtreter  fig. · Zielscheibe  fig. · Arsch vom Dienst  derb · Opfer  ugs., jugendsprachlich · Prügelknabe  ugs., Hauptform · Schlagball  ugs. · Watschenmann  ugs. · immer auf die Kleinen!  ugs., Spruch, scherzhaft-ironisch · mit mir kann man's ja machen  ugs., Spruch
Assoziationen
  • (nur) ein dummes Gesicht machen  ●  am Arsch des Propheten sein derb, scherzhaft, sarkastisch · angeschmiert sein ugs. · belämmert dastehen ugs. · blöd dastehen ugs. · der Angeschmierte sein ugs. · der Blöde sein ugs. · der Dumme sein ugs. · der Gelackmeierte sein ugs. · die Arschkarte (gezogen) haben ugs., fig. · die Blöde sein ugs. · dumm dastehen ugs., fig.
  • (sich) alles gefallen lassen · (sich) nicht wehren · alles mit sich machen lassen · kein Ehrgefühl (im Leibe) haben · keinen Stolz haben
  • (ein) Bauernopfer (sein)  ●  zum Sündenbock gemacht werden variabel · den Sack schlagen, aber den Esel meinen geh., sprichwörtlich, variabel
  • Feindbild · Sündenbock  ●  Zielscheibe fig. · (ein) Böser ugs. · Arsch vom Dienst derb · Buhmann ugs.
  • Backpfeifengesicht ugs. · Gesicht wie ein Feuermelder ugs. · Gesicht zum Reinschlagen derb · Ohrfeigengesicht ugs.
  • (etwas) auf sich nehmen müssen · (für etwas) geradestehen müssen · verantwortlich gemacht werden (für)  ●  (den) Kopf hinhalten müssen (für) fig.
  • (seine) Wut auslassen an · (sich) abreagieren an  ●  (ein) Ventil finden fig. · (sein) Mütchen kühlen (an) geh., veraltend
  • (jemandes) Würde verletzen  ●  (für jemanden) Dreck sein derb · (für jemanden) nur der Bimbo sein derb · (jemanden) wie Dreck behandeln derb · (jemanden) wie den letzten Dreck behandeln derb · (jemandes) Fußabtreter sein ugs.
  • (bloßes) Spielmaterial negativ, fig. · Schachfigur (Person) fig. · Spielball (einer Sache) fig., negativ · Verfügungsmasse negativ, fig.
  • Büttel · Handlanger  ●  (jemandes) Lakai abwertend · (jemandes) Laufbursche abwertend · (jemandes) Marionette fig. · (jemandes) Wasserträger fig. · (jemandes) Bimbo derb, abwertend · (jemandes) Lellek ugs., ruhrdt., polnisch · (jemandes) Schani ugs., österr. · Arsch vom Dienst derb · Mädchen für alles ugs. · nützlicher Idiot ugs., Jargon, politisch, fig.
Synonymgruppe
Nichtskönner  abwertend · Totalausfall  abwertend · Verlierer(typ)  abwertend · Versager  Hauptform · (armes) Würstchen  ugs., fig. · Blindgänger  ugs., fig. · Dulli  ugs. · Flasche  ugs., fig. · Graupe  ugs., fig. · Heini  ugs. · Krücke  ugs., fig. · Lellek  ugs. · Lohle  ugs., schwäbisch · Loser  ugs., engl. · Lulli  ugs. · Lusche  ugs. · Luschi  ugs. · Niete  ugs., fig. · Null  ugs., fig. · Nullnummer  ugs. · Nulpe  ugs. · Opfer  ugs., jugendsprachlich, fig. · Pfeife  ugs., fig. · Pfeifenheini  ugs. · Schwachmat  ugs. · Waserl  ugs., österr. · Wurst  ugs., fig. · armer Wicht  ugs., veraltend
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Opfer‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Opfer‹.

Verwendungsbeispiele für ›Opfer‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nur so kann man sich vor dem Schicksal schützen, ständig ihr Opfer zu werden. [Schwanitz, Dietrich: Bildung, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 606]
Und nur unter schweren Opfern soll ein Umkehren möglich sein. [Rieger, Wilhelm: Einführung in die Privatwirtschaftslehre, Erlangen: Palm & Enke 1964 [1928], S. 14]
Oft fallen die Autoren solcher Theorien nur dem Zwang der Namen zum Opfer. [Gehlen, Arnold: Der Mensch, Berlin: Junker und Dünnhaupt 1940, S. 403]
Hier sind wir aber, um weiter vorwärts zu kommen, zu einem gewissen Opfer an Genauigkeit gezwungen. [Planck, Max: Einführung in die Theoretische Optik, Leipzig: Hirzel 1927, S. 70]
Es rechtfertigt die unsagbaren Opfer, die jeder von uns erbringen musste. [o. A.: Protestkundgebung der Flüchtlingsorganisation der Sudentendeutschen Partei in Dresden, 19.09.1938]
Zitationshilfe
„Opfer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Opfer>.

Weitere Informationen …

Diesen Artikel teilen:

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Operntext
Operntenor
Opernsängerin
Opernsänger
Opernstar
Opferaltar
Opferanwalt
Opferbecken
Opferberatung
Opferbereitschaft