Opportunismus, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Opportunismus · Nominativ Plural: Opportunismen
Aussprache
WorttrennungOp-por-tu-nis-mus
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›Opportunismus‹ als Letztglied: ↗Linksopportunismus · ↗Rechtsopportunismus
eWDG, 1974 und DWDS, 2014

Bedeutung

prinzipienloses Verhalten, Preisgabe von Grundsätzen zugunsten von Augenblickserfolgen, TeilerfolgenQuelle: WDG, 1974
Beispiele:
er hat aus Opportunismus so gehandelt
jmdm. Opportunismus vorwerfen

Den originalen WDG-Artikel können Sie hier anschauen.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

opportun · Opportunität · Opportunist · Opportunismus
opportun Adj. ‘genehm, gelegen, angebracht, der Gelegenheit folgend’, entlehnt (1. Hälfte 18. Jh., vielleicht früher) aus gleichbed. lat. opportūnus, eigentlich (aus der Seemannssprache) ‘zur Fahrt bequem’ (vom Wind), vgl. lat. portus ‘Einfahrt, Hafen’. Opportunität f. ‘passende Gelegenheit, Zweckmäßigkeit der Lage’ (17. Jh.), aus gleichbed. lat. opportūnitās (Genitiv opportūnitātis). Adjektiv und Substantiv werden unter dem Einfluß von frz. opportun und opportunité zum Schlagwort in Politik und Diplomatie. Opportunist m. ‘wer sich anpaßt, Gelegenheiten nutzt’ (Mitte 19. Jh.), dann ‘wer seine Politik aus Nützlichkeitserwägungen den Zeitumständen anpaßt, Vertreter des Opportunismus’ (2. Hälfte 19. Jh.), nach ital. opportunista, frz. opportuniste, letzteres zunächst für einen Vertreter der gemäßigten Republikaner unter Gambetta. Opportunismus m. ‘Gelegenheitspolitik, bereitwillige und rasche Anpassung an die politische Lage’ (Ende 19. Jh.), nach frz. opportunisme ‘politische Lehre, die das Vorgehen von den Umständen abhängig macht’, ital. opportunismo.

Thesaurus

Synonymgruppe
Gesinnungslosigkeit · Opportunismus · ↗Prinzipienlosigkeit
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Opportunismus‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bequemlichkeit Charakterlosigkeit Dogmatismus Feigheit Heuchelei Inkompetenz Karrierismus Kleinmut Konformismus Machtgier Mitläufertum Populismus Pragmatismus Realpolitik Revisionismus Sektierertum Zynismus berechnend blank feig grenzenlos hemmungslos machtpolitisch prinzipienlos pur schier tagespolitisch verkleidet wahltaktisch zynisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Opportunismus‹.

Verwendungsbeispiele für ›Opportunismus‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Offenbar kann einer auch in jungen Jahren viel Opportunismus fürs spätere Leben lernen.
Süddeutsche Zeitung, 20.10.2003
Auch darin kann man freilich mehr entdecken als bloßen Opportunismus.
Die Zeit, 17.02.2000, Nr. 8
Sie erdreisten sich, die Argumente des ödesten Opportunismus in den Mund zu nehmen, und dann sagen Sie: Sie geben das zu.
Feuchtwanger, Lion: Die Geschwister Oppermann, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1933], S. 84
Dies wiederum konnte den entschieden ultramontanen Teil des Klerus nicht abhalten, den Nuntius des Opportunismus zu beschuldigen.
o. A.: Die Kirche in der Gegenwart. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1971], S. 16653
Mit dem weder guten noch bösen Opportunismus also marschierte in den eher fromm als unfromm gewesenen Ort das pure Weltliche ein.
Gütersloh, Albert Paris: Sonne und Mond, München: Piper 1984 [1962], S. 268
Zitationshilfe
„Opportunismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Opportunismus>, abgerufen am 28.01.2020.

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