Opportunist, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Opportunisten · Nominativ Plural: Opportunisten
Aussprache  [ɔpɔʁtuˈnɪst]
Worttrennung Op-por-tu-nist
Herkunft Latein
Wortzerlegung opportun-ist
Wortbildung  mit ›Opportunist‹ als Erstglied: ↗opportunistisch
eWDG, 1974 und ZDL, 2020

Bedeutungen

1.
Person, die für einen kurzfristigen Vorteil Prinzipien aufgibt
entsprechend der Bedeutung von Opportunismus (1)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein prinzipienloser, bedenkenloser, charakterloser, gewissenloser, hemmungsloser, schamloser, wendiger, feiger Opportunist
als Prädikativ: jmdn. einen Opportunisten nennen
in Koordination: Opportunisten und Karrieristen, Wendehälse, Zyniker
in Präpositionalgruppe/-objekt: jmdn. für einen Opportunisten halten
Beispiele:
als echter Opportunist nahm er jede Chance wahrQuelle: WDG, 1974
Er [ein Rennfahrer] wird deswegen schon mit Niki Lauda verglichen, einem gnadenlosen Pragmatiker und Opportunisten im Cockpit, immer auf seinen eigenen Vorteil bedacht. [Die Welt, 10.09.2019]
Mal waren es Zufälle wie die Tuberkulose, die ihn von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges fernhielt. Doch überdies war Andrić ein Opportunist von Gnaden, der jede Festlegung, jeden Einsatz für eine gefährliche Position mit der Pokermine des Diplomaten vermied. [Die Welt, 31.08.2019]
Er hat große Flexibilität an den Tag gelegt, sich mit Leuten sehr verschiedener und teils gegensätzlicher Interessen umgeben. Einige nennen ihn deshalb einen Pragmatiker, für andere ist er ein Opportunist ohne Haltung. [Süddeutsche Zeitung, 13.12.2018]
Brüning, der seit der Betrauung mit dem Kanzleramt im Frühjahr 1930 den Auswirkungen der Krise und der Deflation zu begegnen hatte, gehörte nicht zur Gattung der spätbürgerlichen Opportunisten und Optimisten, er war der Typus des von sorgendem Verantwortungsgefühl beherrschten und daher eher pessimistischen Politikers – wie das unserer Lage entsprach. [Die Zeit, 25.04.1946, Nr. 10]
2.
DDR
entsprechend der Bedeutung von Opportunismus (2)
Kollokationen:
in Koordination: Opportunisten und Revisionisten, Reformisten
Beispiele:
die politische Niederlage der OpportunistenQuelle: WDG, 1974
Versager, Opportunist, Saboteur, … – das Arsenal von Begriffen war reichhaltig, wenn es galt, Repressalien gegen Kommunisten in ihren eigenen Parteien zu begründen. [Neues Deutschland, 25.08.1990]
Wie er die Gruppen der Opportunisten beschreibt, die sich mit jeder Regierung »einzurichten« verstehen und nach dem Lippenbekenntnis und der lärmenden Zustimmung zur Volksfront schon längst wieder mit der Reaktion paktieren, ist meisterhaft. [Berliner Zeitung, 17.04.1948]
Den Reformisten und Opportunisten in der deutschen Arbeiterbewegung verschlug so viel Undankbarkeit der bürgerlichen Koalitionspartner die Stimme und machte sie nachdenklich. [Neues Deutschland, 17.03.1948]

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

opportun · Opportunität · Opportunist · Opportunismus
opportun Adj. ‘genehm, gelegen, angebracht, der Gelegenheit folgend’, entlehnt (1. Hälfte 18. Jh., vielleicht früher) aus gleichbed. lat. opportūnus, eigentlich (aus der Seemannssprache) ‘zur Fahrt bequem’ (vom Wind), vgl. lat. portus ‘Einfahrt, Hafen’. Opportunität f. ‘passende Gelegenheit, Zweckmäßigkeit der Lage’ (17. Jh.), aus gleichbed. lat. opportūnitās (Genitiv opportūnitātis). Adjektiv und Substantiv werden unter dem Einfluß von frz. opportun und opportunité zum Schlagwort in Politik und Diplomatie. Opportunist m. ‘wer sich anpaßt, Gelegenheiten nutzt’ (Mitte 19. Jh.), dann ‘wer seine Politik aus Nützlichkeitserwägungen den Zeitumständen anpaßt, Vertreter des Opportunismus’ (2. Hälfte 19. Jh.), nach ital. opportunista, frz. opportuniste, letzteres zunächst für einen Vertreter der gemäßigten Republikaner unter Gambetta. Opportunismus m. ‘Gelegenheitspolitik, bereitwillige und rasche Anpassung an die politische Lage’ (Ende 19. Jh.), nach frz. opportunisme ‘politische Lehre, die das Vorgehen von den Umständen abhängig macht’, ital. opportunismo.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandes) Handlanger · ↗Abnicker · ↗Erfüllungsgehilfe · Gesinnungsakrobat · ↗Ja-Sager · ↗Jasager · ↗Konformist · ↗Mitläufer · Opportunist · williger Vollstrecker  ●  ↗Gesinnungslump  derb · ↗Radfahrer  ugs. · ↗Wendehals  ugs. · Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.  ugs., Sprichwort · sein Fähnlein nach dem Winde drehen  ugs.
Oberbegriffe
  • unangenehme Person  ●  ↗Unsympath  männl. · Unsympathin  weibl.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Opportunist‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Opportunist‹.

Zitationshilfe
„Opportunist“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Opportunist>, abgerufen am 20.09.2020.

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