Orient, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Orient(e)s · wird nur im Singular verwendet
Aussprache  ['oːʀi̯ɛnt]
Worttrennung Ori-ent
Wortbildung  mit ›Orient‹ als Erstglied: ↗Orientbeule · ↗Orientteppich  ·  formal verwandt mit: ↗Orientale · ↗Orientalist
Herkunft aus oriēnslat ‘Osten, Morgen, Gegend, Länder in Richtung Sonnenaufgang (von Rom aus gesehen)’ < orīrīlat ‘sich erheben, aufgehen, entstehen, geboren werden’
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
geographischer Raum Vorderasiens und Mittelasiens   Das Wort wird im Hinblick auf tatsächliche oder angenommene kulturelle Gemeinsamkeiten dieser Region und im Gegensatz zu Okzident (2) verwendet.
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: der Alte, Vordere, Mittlere Orient; der vorderasiatische Orient
als Akkusativobjekt: den Orient bereisen, besuchen
in Präpositionalgruppe/-objekt: Gewürze, Tänze aus dem Orient
als Genitivattribut: Gewürze, Wohlgerüche des Orients; die Hochkulturen, Kulturen, Kulturvölker des Orients
Beispiele:
Arabienkenner Hartmut Fiebig reiste auf alten Handelsstraßen von der Glitzermetropole Dubai über die omanische Hauptstadt Muskat bis zum legendären jemenitischen Kaffee‑Exporthafen Mokka. In beeindruckenden Bildern zeigt er die landschaftliche und kulturelle Vielfalt zwischen Persisch‑Arabischem Golf und Rotem Meer, liefert aktuelle politische Einblicke und nimmt die Leser mit auf eine abenteuerliche Reise durch die arabische Welt. Kaum eine Region gibt so viele Rätsel auf wie der Orient. [Leipziger Volkszeitung, 04.12.2010]
Die Festung von Bam fungierte als wachende und schützende Trutzburg auf dem südlichen Weg der Seidenstraße, auf welcher sich viele Jahrhunderte lang der Austausch von Waren und Informationen zwischen Indien, Mittelasien, dem Vorderen Orient und Europa abspielte. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.12.2003]
Felsreliefs, monumentale, häufig in Verbindung mit Inschriften in stehende Felswände oder große Felsblöcke gemeißelte Reliefs v.a. in den Berggebieten des alten Orients, bes. in Kleinasien und Iran. [Olbrich, Harald (Hg.): Lexikon der Kunst. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1989], S. 8811]
Abendland oder Okzident ist eine seit der Antike bekannte Bezeichnung für das westl. und mittlere (seltener auch das östl.) Europa im Gegensatz zu Asien, speziell Vorderasien (Morgenland oder Orient). [Olbrich, Harald (Hg.): Lexikon der Kunst. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1987], S. 152]
In Rom wird während des 4. Jh.s die bei den Tempeln übliche Westrichtung noch beibehalten, doch im Orient befindet sich schon im 4. Jh. der Altar im Osten. [Deichmann, F. W.: Basilika. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 3111]
Die moderne Verwaltungsorganisation beginnt in der obersten Leitung in den okzidentalen Staaten (und übrigens ähnlich auch in den für die dortige Entwicklung vorbildlichen Patrimonialstaaten des Orients: China, Persien, Khalifenreich, osmanisches Reich) durchweg mit kollegialen Behörden. [Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.), Grundriß der Sozialökonomik, Tübingen: Mohr 1922 [1909–1914, 1918–1920], S. 164]
2.
spezieller durch die arabisch-islamische Kultur und deren politischen Einfluss geprägte Gebiete in Vorderasien und Mittelasien
siehe auch Morgenland, Gegenwort zu Okzident (2)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: der arabische, islamische Orient
Beispiele:
Höhepunkte sind hier die beiden Familienfeste, zu denen jede Familie traditionelle Speisen aus ihrer syrischen Heimat mitbringt: gefüllte Weinblätter, Reis mit Hühnchen, arabisches Gemüse mit den typischen Gewürzen des Orients und Süßspeisen. [Leipziger Volkszeitung, 17.02.2020]
Ich fände es im Übrigen gut, wenn neben den EU‑Staaten auch arabische Staaten [bei der Einrichtung einer Schutzzone] mitmachen, damit die Bruchlinie nicht zwischen Westen und Osten, Christen und Muslimen, Okzident und Orient verläuft. Sondern klar wird, dass die internationale Gemeinschaft die Absicherung einer solchen Schutzzone mitträgt und verteidigt. [Die Welt, 23.10.2019]
Wie vor tausend Jahren assoziieren heute die meisten den Orient mit der islamischen Welt des Nahen Ostens, während doch Indien, Japan und China einst genauso dazuzählten. [Die Zeit, 19.10.2017]
Sie wird nicht nur die Türkei selbst tiefgreifend verändern, sondern auch auf die umliegenden Länder ausstrahlen und einen neuen, an den Leitlinien der Aufklärung ausgerichteten Dialog zwischen Okzident und Orient, zwischen Europa und dem Islam, begründen helfen. [Die Zeit, 20.10.2005]
Neben vielem anderen verdankt der Westen auch die Gartenkultur dem Orient, vor allen den Persern[…]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.04.2005]
3.
gehoben Himmelsrichtung, in der die Sonne scheinbar aufgeht, OstenWDG
Gegenwort zu Okzident (1)WDG
Kollokationen:
in Koordination: Orient und Okzident, Abendland
Beispiele:
»Ex oriente lux«, aus dem Osten kommt das Licht: Die Ausstrahlung des Auferstehungsorts Jesu bot Christen eine neue Orientierung, wörtlich abgeleitet von »Orient«, die Richtung, wo die Sonne aufgeht. [Mittelbayerische, 04.04.2015]
Die Saint‑Simonisten stachen – mit eigens dafür entworfener neuer Garderobe – gen Orient in See, um dort weiter Ausschau nach der »obersten Mutter« zu halten und Möglichkeiten zum Bau des Suez‑Kanals zu eruieren. [Süddeutsche Zeitung, 16.09.2006]
Von hier aus geht die Fahrt weiter gen Orient, wo die Gäste die Jahrtausend alte Kultur Indiens erleben können. [Die Welt, 07.08.2001]
Sie weigert sich energisch einzuschlafen und bezirzt ihren gutmütigen Vater zu Traumreisen in alle Himmelsrichtungen: in den Orient, ans Meer, in die Berge[…]. [Die Zeit, 28.03.1986]

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Orient · orientalisch · Orientale · Orientalist · orientieren · Orientierung
Orient m. ‘Himmelsrichtung, Gegend, in der die Sonne aufgeht, Osten, Morgenland, östlich gelegene Länder’ (Gegensatz Okzident), mhd. ōrīent, ōrient, ōrjent, entlehnt aus lat. oriēns (Genitiv orientis) ‘Osten, Morgen, Gegend, Länder in Richtung Sonnenaufgang (von Rom aus gesehen)’, substantiviertem Part. Präs. von lat. orīrī ‘sich erheben, aufgehen, entstehen, geboren werden’, wohl nach lat. in oriente sōle ‘in Richtung der aufgehenden Sonne’. orientalisch Adj. ‘den Orient betreffend, östlich, morgenländisch’ (Mitte 16. Jh.), lat. orientālis, afrz. frz. oriental; vgl. spätmhd. ōrientisch. Orientale m. ‘Bewohner der Länder des Orients’ (17. Jh.). Orientalist m. ‘Lehrer, Forscher orientalischer Sprachen, Literatur, Kultur’ (Ende 17. Jh.). orientieren Vb. ‘etw. nach dem Aufgang der Sonne, nach den Himmelsrichtungen ausrichten’ (2. Hälfte 18. Jh.), danach ‘die Lage bestimmen, ausrichten, einstellen, in Kenntnis setzen’, (reflexiv) ‘sich zurechtfinden, sich einen Überblick verschaffen’, entlehnt aus gleichbed. frz. orienter, s’orienter; Orientierung f. (19. Jh.).

Thesaurus

Geografie
Synonymgruppe
Levante · ↗Morgenland · Orient · ↗Osten
Oberbegriffe
Assoziationen
Antonyme

Typische Verbindungen zu ›Orient‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Orient‹.

Zitationshilfe
„Orient“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Orient>, abgerufen am 15.01.2021.

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