Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Ost, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Ost(e)s · wird nur im Singular verwendet
Abkürzung O
Aussprache  [ɔst]
GrundformOsten
Wortbildung  mit ›Ost‹ als Letztglied: Fernost · Nahost · Nordost · Südost
Wahrig und ZDL

Bedeutungen

1.
Synonym zu Osten (1), in gegensätzlicher Bedeutung zu West (1)
Grammatik: ohne Artikel
Kollokationen:
in Präpositionalgruppe/-objekt: von Ost nach West
hat Präpositionalgruppe/-objekt: Ost bis Südost
Beispiele:
Der schwache Wind dreht auf Ost bis Südost. [Rhein-Zeitung, 14.01.2021]
Nachdem eine Regenfront Deutschland am Donnerstag von West nach Ost überquerte […], wird schon der Freitag sommerlich mit Höchsttemperaturen von 20 Grad an den Küsten bis 27 Grad entlang des Rheins. [Die Zeit, 16.08.2012 (online)]
Der Wind (meist aus W‑SW, anfangs und zum Schluss auch aus O) frischte […] bis mindestens Stärke sechs auf. [Süddeutsche Zeitung, 13.12.2004]
Bei diesem Rennen von West nach Ost quer durch die Vereinigten Staaten strampelte L[…] insgesamt 5.000 Kilometer am Stück herunter und belegte Platz vier. [Frankfurter Rundschau, 16.06.2004]
Die Länge der von West nach Ost verlaufenden Wälle beträgt je nach Belieben 10 und mehr Meter. [Schacht, Wilhelm: Der Steingarten und seine Welt. Ludwigsburg: Ulmer 1953, S. 30]
2.
Synonym zu Osten (2, 3, 4), in gegensätzlicher Bedeutung zu West (2)
Grammatik: ohne Artikel
Kollokationen:
in Präpositionalgruppe/-objekt: Unterschiede zwischen Ost und West
in Koordination: Ost und West [zusammenführen, vereinen, trennen, spalten]
Beispiele:
Die ursprüngliche Idee, 30 Jahre nach dem Wegfall der innerdeutschen Grenze die Wiedervereinigung von Ost und West zu beleuchten, wurde von der Corona‑Pandemie überlagert[…]. [Südkurier, 01.10.2020]
Durch Europa läuft ein Riss nicht nur zwischen Nord und Süd, sondern auch zwischen Ost und West. [Die Welt, 05.11.2019]
Die »Annexion« der Krim, mit den darauf befindlichen strategischen Stützpunkten Russlands, ist eine gut verständliche Reaktion auf die Ost‑Expansion der Nato. Die Hauptkampflinie zwischen Ost und West liegt jetzt 1.000 Kilometer näher an Moskau. [Mittelbayerische, 15.06.2019]
Allerdings habe sich [in Deutschland] wirtschaftlich die Schere zwischen Ost und West während der vergangenen Jahre wieder zulasten des Ostens geöffnet. [Der Spiegel, 03.10.2005 (online)]
3.
in gegensätzlicher Bedeutung zu West (3)
Grammatik: ohne Artikel, als (nachgestelltes) geografisches Bestimmungswort bei Substantiven, meist Eigennamen. Wird ein geografischer Name von einem nachgestellten Substantiv näher bestimmt, so kann man laut § 52 getrennt schreiben oder einen Bindestrich setzen (z. B. München Ost oder München‑Ost).
Beispiele:
Zu DDR‑Zeiten existierten in den Stadtbezirken von Berlin‑Ost staatliche Wohnungstauschdienste, die vor allem den Tausch zwischen Jung und Alt unterstützten und damit vor allem die Wohnungsprobleme junger Familien lindern halfen. [Süddeutsche Zeitung, 18.01.2020]
Wir haben in den vergangenen 30 Jahren viele, viele Milliarden Euro für den Aufbau Ost (= Ostdeutschland) bereitgestellt. [Süddeutsche Zeitung, 13.09.2019]
Die Waldviertler liegen in der Regionalliga Ost auf Rang zwei, einen Punkt hinter Tabellenführer Vienna. [Der Standard, 04.04.2016]
Gestern feierten die fünfstelligen Postleitzahlen […] 20. Geburtstag. Die Wiedervereinigung hatte eine Neustrukturierung nötig gemacht. Bis damals gab es […] neben W‑5400 Koblenz auch noch O‑5400 Sondershausen (W für West, O für Ost[-Deutschland]), der Ort in Thüringen war für eine kurze Zeit unser PLZ‑Zwilling. [Rhein-Zeitung, 02.07.2013]
Selbst […] Georg Baselitz, der 1957 von Berlin Ost nach Berlin West gewechselt war, galt manchen als Reaktionär, weil er gerne Menschen malte und keine bunten Kringel. [Die Zeit, 17.11.2011]
Frau R[…] wird aus ihrer 4‑Raum‑Wohnung (ehemals 98 Mark Ost, jetzt 370 Euro) in eine etwas kleinere Plattenbauwohnung (vielleicht 320 Euro warm) ziehen. [Die Zeit, 17.07.2003]
4.
veraltet, dichterisch aus Osten kommender Wind, Ostwind
in gegensätzlicher Bedeutung zu West (4)
Beispiele:
Scharf blies der Ost; noch flaggte bunt / Des Mantels weiter Schooß, – Jetzt aber ging er in die Welt, / Die Knöpfe ließen los. [Fontane, Theodor: Gedichte. Berlin 1851]
Der Anger dampft, es kocht die Ruhr, Im scharfen Ost die Halme pfeifen, Da trabt es sachte durch die Flur, Da taucht es auf wie Nebelstreifen, Da nieder rauscht es in den Fluß, Und stemmend gen der Wellen Guß Es fliegt der Bug, die Hufe greifen. [Droste-Hülshoff, Annette von: Gedichte. Stuttgart [u. a.] 1844]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Osten · Ost · östlich
Osten m. (meist ohne Artikel) ‘Himmelsrichtung des Sonnenaufgangs’, (mit Artikel) ‘das östliche Gebiet der Erde, der östliche Teil eines bestimmten Gebietes und dessen Bewohner’. Ahd. ōstan m. n. (um 1000), mhd. ōsten m. n., mnd. ōsten(e) n., mnl. oosten(e) n., nl. oosten n. sind Substantivierungen des Richtungsadverbs ahd. ōstana ‘von Osten’ (9. Jh.), mhd. ōsten(e) ‘nach, im Osten’, asächs. ōstan(a) ‘im, von Osten’, mnd. ōsten(e) ‘im, nach Osten’, aengl. ēasten(e) ‘von Osten’, anord. austan ‘von Osten’. Dazu gehören weitere Richtungsadverbien wie ahd. ōst ‘im Osten’ (um 800), mnd. ōst ‘im Osten’, mnl. nl. oost ‘nach, im Osten’, aengl. ēast ‘östlich, im, aus dem Osten’ sowie ahd. ōstar ‘im, nach Osten’ (9. Jh.), mhd. ōster ‘im Osten’, asächs. ōstar ‘östlich, ostwärts’, mnd. ōster, mnl. ooster ‘östlich’, aengl. (Komparativ) ēasterra, ēastra ‘östlicher’, anord. austr ‘nach Osten’. Die Formen lassen sich außergerm. vergleichen mit awest. ušastara- ‘östlich’, lat. auster ‘Südwind’, austrālis ‘südlich’, lett. austrumi (Plur.) ‘Osten’, aslaw. zaustra ‘am Morgen’, so daß von ie. *aus(e)st(e)ro- oder auch *aust(e)ro- ‘östlich’ ausgegangen werden kann. Als Formen ohne das Suffix ie. -t(e)ro- vergleichen sich die s-Stämme bzw. deren Weiterbildung aind. uṣā́ḥ ‘Frühlicht’, griech. héos, (ion.) ēṓs (ἕως, ἠώς, aus *āusōs), lat. aurōra (aus *āusōsā oder *ausōsā) ‘Morgenröte’ und mit r-Suffix aind. usráḥ ‘morgendlich’, griech. á͞urion (αὔριον) ‘morgen’, lit. ausŕà ‘Morgenröte, Morgendämmerung’. Erschließbar ist ie. *ā̌us-, *us- ‘Morgenröte’ (wozu auch ablautendes ie. *u̯es-; vgl. dehnstufiges aind. vāsará- Adj. ‘morgendlich, leuchtend’, Subst. ‘Tag’, mir. fāir ‘Sonnenaufgang’). Ost m. (ohne Artikel) ‘Himmelsrichtung des Sonnenaufgangs’ (15. Jh.), (mit Artikel) ‘aus dieser Richtung wehender Wind, Ostwind’ (17. Jh.), wohl (nach Nord und Süd) verkürzt aus Osten (s. oben), unterstützt durch in der Seemannssprache übliches Ost (vgl. mnd. ōst n. ‘Osten’). östlich Adj. ‘aus dem Osten kommend, den Osten betreffend’ (16. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Ost‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ost‹.

Zitationshilfe
„Ost“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ost>.

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