Ostdeutsch, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular 1: Ostdeutsch · Genitiv Singular 2 (selten): Ostdeutschs · wird nur im Singular verwendet
Nebenform Ostdeutsche · Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Ostdeutschen · wird nur im Singular verwendet
Die Verwendung der beiden möglichen Formen des Wortes richtet sich einerseits nach formalen Kriterien, andererseits tendenziell auch nach der beabsichtigten Bedeutung. Die Form ohne ‑e ist die einzige Möglichkeit, wo sonst starke Formen des Adjektivs gefordert wären (Ich mag kein Ostdeutsch). Sie wird gewöhnlich dann verwendet, wenn von verschiedenen Ausprägungen der Sprache die Rede ist (das typische Ostdeutsch, im Ostdeutsch des 18. Jahrhunderts) und steht häufiger als Subjekt und Objekt (ohne Artikel: Ich mag Ostdeutsch) als in anderen Rollen (der Fortbestand unseres Ostdeutsch(s)). Die Form mit ‑e, die immer mit Artikel steht, kann in allen Fällen verwendet werden, wo schwache Adjektivendungen vorkommen (aus dem Ostdeutschen ins Schriftdeutsche gelangen, der Fortbestand unseres Ostdeutschen). Sie wird gewöhnlich verwendet, wenn die Sprache allgemein gemeint ist (das Ostdeutsche ist eine bunte Sprachmischung).
Aussprache [ˈɔstdɔɪ̯tʃ] · [ˈɔstdɔɪ̯tʃə]
Worttrennung Ost-deutsch ● Ost-deut-sche
Grundform ostdeutsch
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

Gesamtheit der in Ostdeutschland gesprochenen Mundarten oder der darauf beruhenden Akzente   Anders als Nieder-, Mittel-, Ober- und Hochdeutsch (2) handelt es sich hier um eine regionale, nicht sprachwissenschaftliche Bestimmung. Gemeint sind überwiegend ostmitteldeutsche Dialekte oder entsprechende Einschläge im Hochdeutschen (1).
Beispiele:
Den Begriff »langweilig« kannten wir gar nicht, so wie die Griechen kein Wort für »Ausländer«, sondern nur das Wort »Gast« kennen, gab es im Ostdeutschen keinen speziellen Ausdruck für »Langeweile«. [Die Zeit, 11.04.2013]
Und dann kommt richtig Stimmung auf, denn die Satire‑Partei »Die Partei« betritt die Szene. Junge Männer, schwarze Anzüge, schmale rote Krawatten, Megafon, sie fordern: »Keine Ausländer ins Europa‑Parlament« oder »Ostdeutsch als Amtssprache«. [Welt am Sonntag, 07.09.2014]
Die Abgeordneten der Linken können in ostdeutscher Mundart untereinander reden und haben das Recht, Gesetzestexte ins Ostdeutsche übersetzen zu lassen. [Die Welt, 12.12.2013]
»Neubausiedlung« heißt das Ensemble von Wohnungsbatterien auf Ostdeutsch. Plattenbauten. [Süddeutsche Zeitung, 17.10.2012]
Wie nennen Sie Ihren Schatz? Hoffentlich nicht Broiler, denn das ist ein Brathuhn auf Ostdeutsch. [Bild, 16.03.2001]

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Typische Verbindungen zu ›Ostdeutsch‹, ›Ostdeutsche‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ostdeutsche‹.

Zitationshilfe
„Ostdeutsch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ostdeutsch#1>, abgerufen am 23.04.2021.

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Ostdeutsche, die oder der

Grammatik Substantiv (Femininum, Maskulinum) · Genitiv Singular: Ostdeutschen · Nominativ Plural: Ostdeutsche(n)
Mit Pluralendung ‑n wird das Wort in der schwachen Flexion (bestimmter Artikel) und der gemischten Flexion (Indefinitpronomen, Possessivpronomen) gebildet, z. B. die, keine Ostdeutschen, in der starken Flexion ist die Endung unmarkiert, z. B. zwei, einige Ostdeutsche.
Aussprache [ˈɔstdɔɪ̯tʃə]
Worttrennung Ost-deut-sche
Wortzerlegung OstenDeutsche2
Wortbildung  mit ›Ostdeutsche‹ als Erstglied: ↗Ossi
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

Person, die im Osten Deutschlands geboren wurde oder lebt
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ausreisewillige, abgewanderte, benachteiligte, gebürtige Ostdeutsche
als Dativobjekt: den Ostdeutschen etw. nachsagen, versprechen, signalisieren
in Koordination: Ostdeutsche und Westdeutsche
in Präpositionalgruppe/-objekt: eine Äußerung über Ostdeutsche; eine Umfrage unter Ostdeutschen
Beispiele:
Brandenburgs Ministerpräsident […] beklagt, dass es wirtschaftlich noch immer eine deutliche Teilung zwischen Ost und West gebe, die vielen Ostdeutschen zu schaffen mache. [Süddeutsche Zeitung, 29.12.2018]
Ginge es nach [SPD-Fraktionschef] Mützenich, dann wäre die Sache klar: […] Er will eine Ostdeutsche in diesem Amt [der Bundestags-Vizepräsidentin]. [Süddeutsche Zeitung, 17.11.2020]
[Thüringens Ministerpräsident] Ramelow selbst inszeniert sich gern als Stimme der Ostdeutschen, der deren Sorgen und Frustrationen versteht. [Die Welt, 09.08.2019]
Ostdeutschland ist noch in einem Transformationsprozess, ein gewisser Teil der älteren Ostdeutschen verharrt deshalb in einer größeren Skepsis gegenüber der offenen Gesellschaft und ihrer Freiheit. [Welt am Sonntag, 04.08.2019]
Derbe Electro‑Schunkler [sic!] wie »Bratwurstzange« […] machen Rummelsnuff zum Unikat im deutschen Pop. Niemand sonst bringt Humor, einschüchterndes Erscheinungsbild, Sanftmut und Sentimentalität so mit den Klischees des Kumpels, des Ostdeutschen und des harten Hundes zusammen. [Süddeutsche Zeitung, 29.05.2018]
Ursprünglich dachte ich, die geistig‑sozialen Eigenarten der Ostdeutschen würden am besten sichtbar, wenn ich sie durchgehend ins Verhältnis zum Habitus ihrer ost‑ und mitteleuropäischen Nachbarn sowie zu den charakteristischen Eigenschaften ihrer westdeutschen Landsleute setzte. [Engler, Wolfgang: Die Ostdeutschen. Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1999], S. 8]

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„Ostdeutsche“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ostdeutsche#2>, abgerufen am 23.04.2021.

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