Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Osten, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Ostens · wird nur im Singular verwendet
Abkürzung O
Aussprache  [ˈɔstn̩]
Worttrennung Os-ten
Wahrig und ZDL

Bedeutungen

1.
eine der vier Haupthimmelsrichtungen   Himmelsrichtung, in der die Sonne aufgeht
Grammatik: meist ohne Artikel
Synonym zu Ost (1), in gegensätzlicher Bedeutung zu Westen (1)
Kollokationen:
hat Präpositionalgruppe/-objekt: von Osten nach Westen
Beispiele:
Von der Sonne weiß man […], dass sie jeden Morgen im Osten aufgeht, und trotzdem ist man immer wieder fasziniert von ihr, wenn sie es wieder mal geschafft hat, im Osten aufzugehen. [Süddeutsche Zeitung, 06.07.2019]
Im westlichen Bergland längerer, nach Osten zu nur zeitweiser Schneefall. [Münchner Merkur, 14.01.2021]
An den vier Wänden des Klassenzimmers hängen Zettelchen mit den Buchstaben N, O, S, W. Hala hat verstanden, dass es heute im Sachkundeunterricht um die Himmelsrichtungen geht. [Allgemeine Zeitung, 18.03.2016]
In Hessen lebte man immer davon, dass es ein Verkehrsknotenpunkt war, hier kreuzten sich wichtige Handelswege von Norden nach Süden und von Osten nach Westen. [»Tue recht und scheue niemand« – Die Zeit, 03.06.2015, aufgerufen am 15.02.2021]
Mit dem Schiff geht es auf der Donau gen Osten, nach Bulgarien, und von dort, über Rumänien und die Ukraine, immer weiter ohne Ziel, bis sich der Orient auftut. [Der Standard, 17.03.2013]
Johnsons Antwort [auf die sowjetische Forderung nach einem Rückzug aus dem Israel-Krieg]: Er befahl den beiden Flugzeugträgern »Saratoga« und »America« volle Fahrt in Richtung Osten. [Der Spiegel, 27.04.1970]
2.
östlich gelegenes Gebiet (eines Kontinents, eines Landes, einer Region oder Stadt)
in gegensätzlicher Bedeutung zu Westen (2)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: der Münchner, Berliner, Londoner, Hamburger Osten
als Akkusativobjekt: den Osten erreichen, verlassen
in Präpositionalgruppe/-objekt: im äußersten, gesamten Osten
mit Genitivattribut: der Osten des Landes, der Republik, der Stadt, des Kontinents
Beispiele:
Seit einem halben Jahr […] begehrt der äußerste Osten Russlands gegen Moskau auf. [Leipziger Volkszeitung, 08.01.2021]
Wir wohnten in einem winzigen Haus im Osten Londons. [Süddeutsche Zeitung, 04.12.2020]
Für die Hauptstadtregion mit ihren 35 Millionen Einwohnern galt wie für den gesamten Osten Japans eine Unwetterwarnung. [Der Standard, 10.07.2014]
Slowaken, Tschechen, Polen und viele andere Nationalitäten im Osten Europas waren es gewohnt, in einem quasi permanent prekären Zustand zu leben. [Der Standard, 17.06.2009]
Bei schweren Überschwemmungen im Osten der indonesischen Insel Java verloren 26.000 Menschen ihr Obdach. [Neues Deutschland, 24.02.1987]
3.
Politik die östlichen Länder Europas einschließlich Asiens; östliche Welt
in gegensätzlicher Bedeutung zu Westen (3), siehe auch Morgenland, Orient
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: der russischsprachige, kommunistische, arabische Osten; der Nahe, Mittlere, Ferne Osten
als Akkusativobjekt: den Osten kennen, bereisen; den Osten destabilisieren, demokratisieren
in Präpositionalgruppe/-objekt: die Lage, der Frieden im Osten
in Koordination: Westen und Osten
Beispiele:
Manche Griechen sind […] selbst unsicher, wo sie zwischen Westen und Osten, oströmischer und osmanischer Vergangenheit hingehören. [So ist das Leben – Die Zeit, 26.03.2015, aufgerufen am 15.02.2021]
Proeuropäer stehen Prorussen gegenüber, der Westen und der Osten gehen auf Konfrontation, und Russland und die USA feinden sind an. [Die Zeit, 06.02.2015 (online)]
In wirtschaftlich guten Zeiten […], als man bei der Aufnahme der ehemaligen Staaten des kommunistischen Ostens nicht auf jeden Cent achtete, war das nicht so schwer [die EU-Staaten im Frieden miteinander zu halten]. [Der Standard, 14.11.2012]
4.
Ostdeutschland
a)
Gesamtheit der nach der deutschen Wiedervereinigung neu hinzugekommenen, östlich gelegenen deutschen Bundesländer der ehemaligen DDR (im Gegensatz zu den alten, westlich und südlich gelegenen Bundesländern)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: der alte Osten
als Aktiv-/Passivsubjekt: der Osten holt auf
Beispiele:
Erstmals sei im Osten auch ein bisschen Stolz zu spüren und[…] es zögen mehr Menschen zu als weg, erstmals seit dem Mauerfall. [Süddeutsche Zeitung, 08.12.2020]
Sie [die Bundeskanzlerin] verfolge mit Freude, dass man bei jungen Menschen nicht mehr unterscheiden könne, ob sie aus dem Osten oder aus dem Westen kämen. [Süddeutsche Zeitung, 02.10.2020]
Man verlangt Konzepte, wie der Osten vorankommen kann, um das noch immer vorhandene Gefälle zwischen West und Ost kleiner zu machen. [Die Welt, 01.10.2018]
Der Osten holt angeblich schwer auf: Laut einer Studie haben sich Löhne, Renten, medizinische Versorgung und Bildung seit der Wiedervereinigung deutlich verbessert. [Der Spiegel, 12.09.2010 (online)]
Sollte Frau Merkel [die Wahl] gewinnen, wäre sie die erste demokratisch gewählte Kanzlerin des alten Ostens. [Der Standard, 03.09.2005]
Da [auf der Bewerberliste] stand viel unter »W« wie Westen, wenig unter »O« wie Osten und nichts unter »WO«. [Die Zeit, 31.01.1992]
b)
historisch Staatsgebiet der DDR
Beispiele:
Alles Sportive hatte im Osten eine andere Bedeutung als im Westen, auch die Olympioniken waren anders wertgeschätzt dort. Und tatsächlich sind auch Boxtrainer aus dem Osten viele Jahre später bei den Kampfabenden in der ARD heimliche TV‑Stars geworden. [Süddeutsche Zeitung, 31.10.2020]
Aber [der Begriff] K‑Gruppe weckt […] so schöne grimmige Assoziationen an kommunistische Sektierergruppen der 70er Jahre im Westen und an die FDJ und SED im Osten. [Der Tagesspiegel, 04.01.2002]
Die internationalen Frisurentrends aus Paris haben wir im Osten immer sofort über Prag mitbekommen. [Süddeutsche Zeitung, 08.11.1995]
Die Hand unserer Brüder im Osten Deutschlands zu ergreifen, um schnellstens mit Vertretern der DDR zu beraten, wie freie, gleiche und geheime Wahlen für eine gesamtdeutsche Nationalversammlung durchgeführt werden können, ist dringend notwendig. [Neues Deutschland, 03.02.1952]

letzte Änderung:

Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Osten · Ost · östlich
Osten m. (meist ohne Artikel) ‘Himmelsrichtung des Sonnenaufgangs’, (mit Artikel) ‘das östliche Gebiet der Erde, der östliche Teil eines bestimmten Gebietes und dessen Bewohner’. Ahd. ōstan m. n. (um 1000), mhd. ōsten m. n., mnd. ōsten(e) n., mnl. oosten(e) n., nl. oosten n. sind Substantivierungen des Richtungsadverbs ahd. ōstana ‘von Osten’ (9. Jh.), mhd. ōsten(e) ‘nach, im Osten’, asächs. ōstan(a) ‘im, von Osten’, mnd. ōsten(e) ‘im, nach Osten’, aengl. ēasten(e) ‘von Osten’, anord. austan ‘von Osten’. Dazu gehören weitere Richtungsadverbien wie ahd. ōst ‘im Osten’ (um 800), mnd. ōst ‘im Osten’, mnl. nl. oost ‘nach, im Osten’, aengl. ēast ‘östlich, im, aus dem Osten’ sowie ahd. ōstar ‘im, nach Osten’ (9. Jh.), mhd. ōster ‘im Osten’, asächs. ōstar ‘östlich, ostwärts’, mnd. ōster, mnl. ooster ‘östlich’, aengl. (Komparativ) ēasterra, ēastra ‘östlicher’, anord. austr ‘nach Osten’. Die Formen lassen sich außergerm. vergleichen mit awest. ušastara- ‘östlich’, lat. auster ‘Südwind’, austrālis ‘südlich’, lett. austrumi (Plur.) ‘Osten’, aslaw. zaustra ‘am Morgen’, so daß von ie. *aus(e)st(e)ro- oder auch *aust(e)ro- ‘östlich’ ausgegangen werden kann. Als Formen ohne das Suffix ie. -t(e)ro- vergleichen sich die s-Stämme bzw. deren Weiterbildung aind. uṣā́ḥ ‘Frühlicht’, griech. héos, (ion.) ēṓs (ἕως, ἠώς, aus *āusōs), lat. aurōra (aus *āusōsā oder *ausōsā) ‘Morgenröte’ und mit r-Suffix aind. usráḥ ‘morgendlich’, griech. á͞urion (αὔριον) ‘morgen’, lit. ausŕà ‘Morgenröte, Morgendämmerung’. Erschließbar ist ie. *ā̌us-, *us- ‘Morgenröte’ (wozu auch ablautendes ie. *u̯es-; vgl. dehnstufiges aind. vāsará- Adj. ‘morgendlich, leuchtend’, Subst. ‘Tag’, mir. fāir ‘Sonnenaufgang’). Ost m. (ohne Artikel) ‘Himmelsrichtung des Sonnenaufgangs’ (15. Jh.), (mit Artikel) ‘aus dieser Richtung wehender Wind, Ostwind’ (17. Jh.), wohl (nach Nord und Süd) verkürzt aus Osten (s. oben), unterstützt durch in der Seemannssprache übliches Ost (vgl. mnd. ōst n. ‘Osten’). östlich Adj. ‘aus dem Osten kommend, den Osten betreffend’ (16. Jh.).

Thesaurus

Geografie
Synonymgruppe
Levante · Morgenland · Orient · Osten
Oberbegriffe
Assoziationen
Antonyme

Typische Verbindungen zu ›Osten‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Osten‹.

Zitationshilfe
„Osten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Osten>.

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