Ostmitteldeutsch, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular 1: Ostmitteldeutsch · Genitiv Singular 2: selten Ostmitteldeutschs · wird nur im Singular verwendet
Nebenform Ostmitteldeutsche · Substantiv · Genitiv Singular: Ostmitteldeutschen
Die Verwendung der beiden möglichen Formen des Wortes richtet sich einerseits nach formalen Kriterien, andererseits tendenziell auch nach der beabsichtigten Bedeutung. Die Form ohne ‑e ist die einzige Möglichkeit, wo sonst starke Formen des Adjektivs gefordert wären (Ich verstehe kein Ostmitteldeutsch). Sie wird gewöhnlich dann verwendet, wenn von verschiedenen Ausprägungen der Sprache die Rede ist (das typische Ostmitteldeutsch, im Ostmitteldeutsch des 18. Jahrhunderts) und steht häufiger als Subjekt und Objekt (ohne Artikel: Ich verstehe Ostmitteldeutsch) als in anderen Rollen (der Fortbestand unseres Ostmitteldeutsch(s)). Die Form mit ‑e, die immer mit Artikel steht, kann in allen Fällen verwendet werden, wo schwache Adjektivendungen vorkommen (aus dem Ostmitteldeutschen ins Hochdeutsche gelangen, der Fortbestand unseres Ostmitteldeutschen). Sie wird gewöhnlich verwendet, wenn die Sprache allgemein gemeint ist (das Ostmitteldeutsche ist eine bunte Dialektgruppe).
Aussprache [ˈɔstmɪtl̩dɔɪ̯tʃ] · [ˈɔstmɪtl̩dɔɪ̯tʃə]
Worttrennung Ost-mit-tel-deutsch ● Ost-mit-tel-deut-sche
Grundform ostmitteldeutsch
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

Gesamtheit der im mittleren Ostdeutschland beheimateten Mundarten des Mitteldeutschen
Oberbegriff zu Sächsisch, Thüringisch
Beispiele:
Luther legte seiner Bibelübersetzung das Ostmitteldeutsche zugrunde, nicht nur weil es die Sprache seines Sachsens war, sondern weil er dieser Mundart, die genau an der Grenze zwischen dem südlichen oberdeutschen und dem nördlichen niederdeutschen Raum entstanden war, am ehesten zutraute, überall verstanden zu werden. [Die Welt, 09.09.2019]
Das Wort »Topf« stammt aus dem Ostmitteldeutschen und ist im größten Teil Altbayerns mundartlich nicht geläufig; dafür steht »Hafen« (die Mehrzahl lautet meist gleich). [Mittelbayerische, 27.03.2020]
Doch Luthers Ostmitteldeutsch bereitete den Lesern im schwäbisch‑bairischen, aber vor allem im schweizerisch‑alemannischen Raum etliche Mühe. [St. Galler Tagblatt, 16.01.2019]
Es [Blinde Kuh] gelangte vom Ostmitteldeutschen durch Luther 1526 in die Hochsprache: »also spielt auch die Vernunft der blinden Kue mit Gott« (Weimarer Ausgabe 19, 207). [Röhrich, Lutz: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994] [1973], S. 832]
Die [Zipser] Mundart, sich teilend in das Oberzipserische, Hobgartensche (im NO (= Nordosten) an der polnischen Grenze) und Gründlerische, gehört zum Ostmitteldeutschen und zeigt starke Beziehungen zu Schlesien. [Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1934, S. 661]

letzte Änderung:

Zitationshilfe
„Ostmitteldeutsch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ostmitteldeutsch>, abgerufen am 26.09.2021.

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