Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Pöbel, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Pöbels · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Pö-bel
Wortbildung  mit ›Pöbel‹ als Erstglied: pöbelhaft  ·  mit ›Pöbel‹ als Grundform: Pöbelei  ·  formal verwandt mit: pöbeln
eWDG

Bedeutung

veraltend, abwertend ungebildete, oft gewaltbereite Menschen aus der gesellschaftlichen Unterschicht
Beispiele:
Ich bekenne mich selbstverständlich zu dem von Ihnen als Pöbel bezeichneten Proletariat [ WeiskopfAbschied v. Frieden1,608]
das Volk, das ihn beschimpfte und anspie, wurde neben ihm zu Pack und Pöbel [ Hesse3,444]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Pöbel · pop(e)lig · pöbelhaft · pöbeln · anpöbeln
Pöbel m. ‘rohe Volksmasse’. Mhd. bovel, povel (seit 1200), popil (13. Jh.), povil, bofel (1. Hälfte 14. Jh.) ‘Volk, Volksmenge, Leute’, frühnhd. (bis ins 15. Jh. ohne verächtlichen Nebensinn) bovel, povel, pofel, poffel, (mit Umlaut seit 15. Jh.) pöfel, pöffel, pövel, bei Luther Pübel, Pubel, Pobel, schließlich Pöbel ‘Volksmenge, einfaches, gemeines Volk’ ist entlehnt aus afrz. pueple, pople ‘Volk, Bevölkerung, Leute, Menge’ (frz. peuple), das auf lat. populus ‘Volk’ beruht. Direkt aus lat. populus stammt mnd. pōpel ‘niederes Volk’; dazu pop(e)lig Adj. ‘armselig, dürftig, knauserig’ (Mitte 19. Jh.). pöbelhaft Adj. ‘gemein, roh, unfein’ (Mitte 18. Jh.). pöbeln Vb. ‘sich wie der Pöbel verhalten’ (Ende 19. Jh.), auch ‘durch flegelhaftes Benehmen, beleidigende Äußerungen provozieren, randalieren’ (20. Jh.). anpöbeln Vb. ‘mit derben Worten belästigen’ (Anfang 20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Plebs · Sippschaft · niederes Volk  ●  White trash  engl. · Abschaum  derb · Asis  derb · Asoziale  derb · Bagage  ugs. · Bodensatz  ugs. · Brut  derb · Gelichter (lit.)  geh., veraltet · Geschmeiß  derb · Gesindel  derb · Gesocks  derb · Gschleaf  ugs., bayr. · Gschwerl  ugs., bayr. · Kanaken  derb · Kroppzeug  derb, norddeutsch · Lumpenpack  derb · Mischpoke  derb, jiddisch · Mob  derb · Pack  derb · Paselacken  derb, ruhrdt. · Pöbel  derb · Volks  ugs., regional, abwertend
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Pöbel‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Pöbel‹.

Verwendungsbeispiele für ›Pöbel‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Pöbel sollte ihn lieber gar nicht lesen, als, wie es seine Art war, ihn verkehrt auszulegen. [Mann, Golo: Der europäische Geist im späten 17. Jahrhundert. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 2136]
Da bricht, wenn sie abgewiesen wird, der Pöbel aus ihr los. [Vossische Zeitung (Abend-Ausgabe), 04.03.1926]
Pöbel ist auch dann willkommen, wenn er ordentlich angezogen ist. [Süddeutsche Zeitung, 28.08.2004]
Er will nicht den Pöbel, er will sie eigentlich alle. [Süddeutsche Zeitung, 30.08.1999]
Der Mann des Pöbels ist obenauf und nützt das aus in seiner Art. [Feuchtwanger, Lion: Die Geschwister Oppermann, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1933], S. 324]
Zitationshilfe
„Pöbel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/P%C3%B6bel>.

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